Trump erwägt Entlassung von Botschafterin Guilfoyle nach Skandalberichten
US-Präsident Trump zeigt sich „nicht zufrieden" mit Kimberly Guilfoyle und prüft deren Ablösung als Botschafterin in Griechenland.

US-Präsident Donald Trump hat am Montag öffentlich erklärt, er sei „nicht zufrieden" mit Kimberly Guilfoyle, der amtierenden US-Botschafterin in Griechenland. Auf die direkte Frage eines Reporters, ob er eine Entlassung Guilfoyles in Erwägung ziehe, antwortete Trump im Weißen Haus knapp: „Nun, wir schauen uns das an." Die Äußerungen kommen inmitten einer Serie kritischer Berichte des Wall Street Journal über das Verhalten der ehemaligen Fox-News-Persönlichkeit.
Guilfoyle war zuvor mit Trumps ältestem Sohn, Donald Trump Jr., verlobt. Nach der Trennung des Paares ernannte der Präsident sie zur US-Botschafterin in Griechenland. CNBC hat den Anwalt von Guilfoyle um eine Stellungnahme zu Trumps Äußerungen gebeten.
Die Details
Das Wall Street Journal veröffentlichte am 25. September einen Artikel unter der Schlagzeile: „Der mysteriöse Mann, der Kimberly Guilfoyle beschattet, während sie Deals in ganz Europa vorantreibt." Der Bericht schilderte Guilfoyles Bemühungen, US-Verbündete in Osteuropa zum Kauf von amerikanischem Erdgas im Wert von Milliarden US-Dollar zu bewegen. Dabei soll sie ihren Gesprächspartnern empfohlen haben, mit der griechischen Aktor Group zusammenzuarbeiten – einem Neuling im Gasgeschäft, der sich mit einem staatlich unterstützten griechischen Energieunternehmen zusammengeschlossen hatte, um Flüssigerdgas aus den USA zu importieren.
Besonders brisant: Der Artikel beschrieb, wie Guilfoyle häufig mit einem Top-Lobbyisten für Aktor namens Christos Marafatsos gereist war. Dieser begleitete sie „zu Treffen in ihrer Residenz als Botschafterin und mit Regierungsvertretern in Ländern der Region – ein höchst ungewöhnlicher Vorgang für eine Privatperson", so das Journal.
Am 7. Oktober legte das Journal nach: Guilfoyle soll im Juli 2025 einen Trump-Spender namens Eric Deters gebeten haben, 100.000 US-Dollar für eine angebliche American-Express-Rechnung zu bezahlen – noch vor ihrer bevorstehenden Bestätigungsanhörung im Senat für das Botschafteramt. Ein Anwalt Guilfoyles erklärte gegenüber der Zeitung, dass Deters ihr einen Restbetrag für „Reisen zu und Unterstützung von" Veranstaltungen schulde, bei denen sie als Rednerin engagiert worden war.
Am darauffolgenden Samstag erschien ein weiterer Artikel des Journals. Darin hieß es, Guilfoyle habe während des Weltwirtschaftsforums im Januar 2026 in Davos, Schweiz, „mit ihren engen Verbindungen zu zwei griechischen Tycoons geprahlt und gesagt, diese würden ihre kostspieligen Reisen um die Welt finanzieren."
In einer Erklärung am Sonntag wiesen Guilfoyles Anwälte „jegliches Fehlverhalten zurück" und behaupteten, dass das Geld, das sie von dem Trump-Spender gefordert habe, eine Zahlung für Dienstleistungen gewesen sei – öffentliche Auftritte und Reden, die vor ihrer Nominierung als Botschafterin stattgefunden hätten und noch nicht beglichen worden seien. Die Anwälte wiesen zudem Vorwürfe der Unangemessenheit im Zusammenhang mit Guilfoyles Reisen in Privatjets zurück und erklärten, sie habe „die Richtlinien des Außenministeriums eingeholt, erhalten und befolgt sowie die Reisevorschriften des Ministeriums eingehalten".
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 26.09.2026 berichtete aktien.news über den ersten großen Journal-Artikel zu Guilfoyle. Demnach pendelte die US-Botschafterin in Griechenland in jenem Frühling wiederholt zwischen der bulgarischen Hauptstadt hin und her. Im Auftrag der Trump-Regierung sollte sie Verbündete am östlichen Rand Europas dazu bewegen, Milliardenbeträge an amerikanischem Erdgas zu kaufen. Gegenüber Gesprächspartnern empfahl sie, mit der griechischen Baufirma Aktor Group zu verhandeln – einem Neuling im Gasgeschäft, der sich mit einem staatlich geförderten griechischen Energieunternehmen zusammengetan hatte, um Flüssiggas (LNG) aus den USA einzuführen. Der Bericht warf bereits damals Fragen über mögliche Interessenkonflikte auf.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Fall Guilfoyle vor allem als politisches Risikosignal relevant. Die Affäre berührt den transatlantischen Energiehandel: Guilfoyles Aktivitäten zielten darauf ab, osteuropäische Staaten als Abnehmer für amerikanisches Flüssigerdgas (LNG) zu gewinnen. Sollte ihre Position als Botschafterin tatsächlich enden, könnte dies laufende Verhandlungen über LNG-Lieferverträge in der Region zumindest vorübergehend belasten. Konkrete Auswirkungen auf börsennotierte Unternehmen lassen sich aus den vorliegenden Informationen jedoch nicht ableiten. Anleger sollten die weiteren Entwicklungen im Blick behalten, ohne voreilige Schlüsse zu ziehen.
Ausblick
Trump hat sich bislang nicht endgültig festgelegt. Seine Aussage „Wir schauen uns das an" lässt offen, ob und wann eine Entscheidung über Guilfoyles Zukunft als Botschafterin fällt. CNBC hat den Anwalt von Guilfoyle um eine Stellungnahme gebeten – eine Antwort stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch aus. Weitere Enthüllungen des Wall Street Journal sind angesichts der laufenden Berichterstattung nicht auszuschließen.
Kurz erklärt
- Botschafterin: Eine vom Staatsoberhaupt ernannte diplomatische Vertreterin, die ein Land im Ausland offiziell repräsentiert.
- LNG (Flüssigerdgas): Erdgas, das durch Abkühlung auf sehr niedrige Temperaturen verflüssigt wird, um es per Schiff transportieren zu können.
- Bestätigungsanhörung: Verfahren im US-Senat, bei dem Kandidaten für hohe Regierungsämter vor ihrer Ernennung befragt und bestätigt werden müssen.
