Trump billigt Kanadas Quotenmodell für chinesische Elektroautos
Auf dem G7-Gipfel in Frankreich signalisierte US-Präsident Trump überraschend Zustimmung zu Kanadas China-Deal bei E-Autos.

US-Präsident Donald Trump hat seine Zustimmung zu Kanadas Abkommen mit China geäußert, das den Import chinesischer Elektrofahrzeuge über ein Quotensystem mit reduzierten Zöllen begrenzt. Das erklärte der kanadische Premierminister Mark Carney am Mittwoch auf dem G7-Gipfel im französischen Evian. Die Aussage überrascht, da Mitglieder der Trump-Administration den Deal zuvor öffentlich kritisiert hatten.
Die Vereinbarung war während Carneys Besuch in Peking im Januar bekannt gegeben worden. Sie erlaubt den Import von bis zu 49.000 chinesischen Elektroautos nach Kanada innerhalb von zwölf Monaten – zu einem Zollsatz von rund 6 Prozent. Die Quote soll schrittweise erhöht werden. Zuvor hatte Kanada Zölle von über 100 Prozent auf chinesische Elektrofahrzeuge erhoben.
Abgehörtes Gespräch sorgt für Aufmerksamkeit
Ein Mikrofon fing am Dienstag ein Gespräch zwischen Carney und Trump über das China-Abkommen ein. „Ich dachte, das würde Ihnen tatsächlich gefallen", war Carney zu hören, worauf Trump mit „das ist gut" antwortete. Carney bestätigte am Mittwoch, dass Trump das Thema während ihres Gesprächs selbst angesprochen habe.
„Ihm gefällt die Struktur tatsächlich", sagte Carney vor Journalisten. „Wir hatten ein vertiefendes Gespräch." Ein formelles bilaterales Treffen der beiden Regierungschefs fand auf dem G7-Gipfel zwar nicht statt, doch Carney betonte, dass sie sich während des gesamten Gipfels über verschiedene Themen ausgetauscht hätten.
Spannungsfeld zwischen Washington und Ottawa
Trotz Trumps positiver Reaktion bleibt das Abkommen ein Streitpunkt im kanadisch-amerikanischen Verhältnis. Die USA halten an ihrem eigenen Zollsatz von 100 Prozent auf chinesische Elektrofahrzeuge fest und haben aus Gründen der nationalen Sicherheit zusätzlich ein Softwareverbot für diese Fahrzeuge eingeführt. Washingtons Linie ist damit deutlich restriktiver als Kanadas neues Quotenmodell.
Der kanadische Minister Dominic LeBlanc, der die Zollverhandlungen mit den USA leitet, traf am Dienstag auf dem Gipfel mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer zusammen. LeBlanc bezeichnete das Gespräch als „konstruktives Treffen", machte jedoch keine Angaben dazu, ob konkrete Fortschritte bei der Senkung von Trumps Zöllen auf im Ausland produzierte Autos erzielt wurden.
Kanada setzt auf chinesische Investitionen im Inland
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Zur AktienanalyseParallel zu den Verhandlungen reist die kanadische Industrieministerin Melanie Joly diese Woche nach China, um sich mit chinesischen Automobilherstellern zu treffen. Die kanadische Regierung strebt Joint Ventures zwischen chinesischen und kanadischen Unternehmen an, um Elektrofahrzeuge direkt in Kanada zu produzieren.
Carney betonte dabei klare Bedingungen: Der Deal „schafft die Möglichkeit – die Möglichkeit, keineswegs die Gewissheit –, dass sich diese Handelsbeziehung entwickelt und es zu chinesischen Investitionen in Kanada kommt." Jede Investition müsse eine „wesentliche kanadische Produktion" beinhalten. Sogenannte „Knockdown-Kits" – bei denen Fahrzeuge größtenteils in China montiert und nur zur Endmontage ins Ausland verschifft werden – lehne die Regierung ausdrücklich ab.
Das kanadische Modell gilt international als ungewöhnlicher Mittelweg: Es öffnet den Markt für chinesische Elektroautos kontrolliert, ohne die heimische Industrie vollständig dem Wettbewerb auszusetzen – und zieht nun offenbar auch das Interesse des US-Präsidenten auf sich.


