Trent Park: Das geheime Abhörhaus öffnet als Museum
Ein englisches Landhaus, in dem Nazi-Generäle belauscht wurden, öffnet am 21. Juli erstmals als Museum für die Öffentlichkeit.

An einem Februartag des Jahres 1943 sprachen zwei hochrangige deutsche Generäle offen über Massenerschießungen von Juden in der Sowjetunion. General Wilhelm Ritter von Thoma schilderte, wie er mit eigenen Augen Massenmorde in Minsk und anderswo beobachtet hatte. Sein Gesprächspartner, General Ludwig Crüwell, versuchte die Taten zu rechtfertigen – und verriet dabei unwissentlich entscheidende Informationen an die Alliierten.
Das Gespräch fand nicht an der Front statt, sondern in einem opulenten englischen Landhaus: Trent Park, nahe Cockfosters im Norden Londons. Das Anwesen diente als geheimes Abhörzentrum für hochrangige deutsche Kriegsgefangene. Beide Generäle waren 1942 in Nordafrika gefangen genommen worden. Ihre aufgezeichneten Worte gelten heute als eine der frühesten direkten Bestätigungen für die Alliierten, dass der Holocaust – die sogenannte „Endlösung" – bereits in vollem Gange war.
Das Haus der Geheimnisse
Trent Park war in den 1920er- und 1930er-Jahren der Wochenendrückzugsort des wohlhabenden Bankiers Sir Philip Sassoon. Er empfing dort Könige, Politiker und Prominente, darunter den späteren König Edward VIII., Winston Churchill und Charlie Chaplin. Kurz nach Sassoons Tod im Jahr 1939 beschlagnahmte die britische Regierung das Anwesen, um es als Verhör- und Abhörzentrum zu nutzen.
Das Zentrum war als Combined Services Detailed Interrogation Centre (CSDIC) bekannt und wurde später Teil von MI19, der Abteilung des Kriegsministeriums zur Informationsgewinnung von Kriegsgefangenen. Ab 1942 wurde Trent Park gezielt für hochrangige deutsche Offiziere genutzt. Die Strategie: Die entspannte, komfortable Atmosphäre sollte die Gefangenen dazu verleiten, in privaten Gesprächen Geheimnisse preiszugeben.
Dafür wurden in 12 Räumen und im Garten Miniatur-Abhörgeräte versteckt – in Wänden, Fußleisten, Blumentöpfen, Fensterbänken, dem Billardtisch und sogar in Gartenbänken. In den Kellern unter den Prunkräumen arbeiteten Teams von sogenannten „Geheimabhörern". Viele von ihnen waren deutschsprachige jüdische Flüchtlinge, die Gespräche auf siebenminütigen Grammophonplatten aufzeichneten und wichtige Passagen transkribierten.
Lockvögel und ein Agent als Wohlfahrtsoffizier
Um die Gespräche gezielt zu lenken, setzte das CSDIC auch deutschsprachige „Lockvögel" ein, die sich als gefangene Offiziere ausgaben. Dazu kam ein Wohlfahrtsoffizier namens „Lord Aberfeldy", der die Gefangenen auf Spaziergängen begleitete und stets gesprächsbereit war. In Wirklichkeit war „Aberfeldy" der MI19-Agent Ian Munro, dessen Aufgabe es war, Unterhaltungen in bestimmte Richtungen zu lenken.
Insgesamt waren 84 Generäle und 22 Oberste in Trent Park inhaftiert. Ihre unbedachten Gespräche lieferten wichtige Erkenntnisse über die Existenz des Holocaust, die Verwicklung der Wehrmacht in den Massenmord an Juden, die Entwicklung der V2-Raketen sowie die Einstellung der Offiziere zum Attentat auf Hitler im Juli 1944. Die Gefangenen waren grob in Pro-Nazis wie Crüwell und Anti-Nazis wie Thoma aufgeteilt – doch in einem Punkt waren sich die Frontoffiziere einig: Ihr Konzept der Soldatenehre hinderte sie daran, ihre Waffen vorzeitig niederzulegen.
Ein jüdischer Flüchtling als stiller Held
Einer der bemerkenswertesten Mitarbeiter in Trent Park war Ernst Lederer, ein deutschsprachiger Jude aus dem Sudetenland, der Ende der 1930er-Jahre mit seiner Familie nach Großbritannien geflohen war. Er arbeitete als Geheimabhörer und wahrscheinlich auch als Lockvogel. Im November 1944 erhielt er ein persönliches Glückwunschschreiben von Generalmajor JA Sinclair, dem Direktor des Militärgeheimdienstes. „Ihr Eifer und Ihre Selbstaufopferung bei der freiwilligen Unterstützung dieser Arbeit", schrieb Sinclair, „haben wesentlich zu diesen zufriedenstellenden Ergebnissen beigetragen."
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Zur AktienanalyseLederer erzählte seiner Familie niemals von seiner geheimen Arbeit. Er starb 1959, lange bevor die Geheimhaltungspflicht über Trent Park Ende der 1990er-Jahre aufgehoben wurde. Seine Enkelin, die Komikerin und Schauspielerin Helen Lederer, fungiert heute als Treuhänderin des neuen Museums. „Ich bin stolz auf das, was er getan hat", sagte sie. „Er muss ein außergewöhnlicher Charakter gewesen sein, der all diese Geheimnisse mit ins Grab nahm."
Museum öffnet am 21. Juli
Das neue Museum in Trent Park öffnet am 21. Juli erstmals für die Öffentlichkeit. Restaurierte Räume, historische Artefakte und Geheimdienstberichte über die verschiedenen Generäle machen die Geschichte erlebbar. Das Highlight ist der Kellerbereich, in dem die rund 40 Geheimabhörer arbeiteten, entspannten und aßen – darunter die sogenannten „M"-Räume, in denen sie mit Kopfhörern Gespräche belauschten und aufzeichneten.
Die Geschichte von Trent Park ist ein einzigartiges Kapitel des Zweiten Weltkriegs: ein Ort, an dem Luxus und Täuschung Hand in Hand gingen – und an dem jüdische Flüchtlinge unter größtem persönlichem Risiko dazu beitrugen, die Verbrechen des NS-Regimes zu dokumentieren.


