Treibstoffpreise spalten US-Fluggesellschaften in Gewinner und Verlierer
Hohe Kerosinkosten verschärfen die Kluft zwischen finanzstarken Netzwerk-Carriern und unter Druck stehenden Billigfliegern in den USA.

Auf der Jahreshauptversammlung der International Air Transport Association (IATA) in Rio de Janeiro zeichnet sich ein klares Bild ab: Die gestiegenen Treibstoffpreise treiben einen tiefen Keil zwischen die US-amerikanischen Fluggesellschaften. Führungskräfte von United Airlines, Southwest Airlines und Alaska Air erklärten gegenüber Reuters, dass sich eine wachsende Kluft zwischen jenen Airlines auftue, die ihre Angebote kontinuierlich modernisieren können, und jenen, die gezwungen sind, Barmittel zu sparen und Investitionen zu drosseln.
Die Entwicklung spiegelt ein breiteres wirtschaftliches Muster wider: Auch in den USA zeigt sich zunehmend eine sogenannte K-förmige Erholung, bei der einkommensstarke Konsumenten weiterhin großzügig Geld ausgeben, während preisbewusste Reisende sich zurückhalten. Fluggesellschaften mit starken Bilanzen nutzen diesen Trend gezielt, indem sie massiv in Premium-Angebote investieren – von erstklassigen Sitzplätzen bis hin zu exklusiven Flughafen-Lounges.
Kirby: „Flugreisen sind kein Massengut"
United-CEO Scott Kirby brachte die Strategie seines Unternehmens auf den Punkt: „Flugreisen sind kein Massengut. Kunden achten auf Technologie, Service, Zuverlässigkeit und das Produkt. Sie wollen ein großartiges Erlebnis, nicht nur einen Sitzplatz." Kirby erklärte, United erwarte, die Belastungen durch höhere Treibstoffkosten bis zum Jahresende vollständig durch Tariferhöhungen auszugleichen – auch wenn er mit einem gewissen Druck auf die Nachfrage rechne. Die Fluggesellschaft investiere weiterhin massiv in Flugzeuge, Technologie und kundenorientierte Produkte, gestützt auf einen deutlichen Gewinnvorteil.
Die IATA-Prognose für Nordamerika sah in dieser Woche eine sich vergrößernde Lücke zwischen widerstandsfähigen Netzwerk-Carriern und stärker eingeschränkten Billigfliegern voraus. Der Zusammenbruch des US-Billigfliegers Spirit Airlines im vergangenen Monat hat die Aufmerksamkeit verstärkt auf Fluggesellschaften mit schwächeren Margen und Bilanzen gelenkt, da höhere Treibstoffkosten den Liquiditätsdruck erhöhen.
JetBlue unter Druck – Herabstufung durch S&P
Besonders deutlich zeigt sich die Lage bei JetBlue Airways: S&P Global Ratings stufte am Montag die Kreditwürdigkeit der Fluggesellschaft tiefer in den spekulativen Bereich – im Fachjargon als „Junk" bezeichnet – herab und verwies dabei auf höhere Treibstoffkosten und die hohe Schuldenlast. In einer internen Mitteilung vom April, die Reuters vorliegt, erklärte JetBlue-CEO Joanna Geraghty, dass die Fluggesellschaft keine Insolvenz in Erwägung ziehe. Sie betonte jedoch, dass die Treibstoffpreise das Umfeld erschwert hätten und die „Karten gegen kleinere Anbieter wie uns gemischt sind" – und verwies dabei auf die Netzwerk-, Loyalitäts- und Kreditkartenvorteile größerer Konkurrenten.
United unterhält eine umfassende Kooperation bei Treueprogrammen und Netzwerken mit JetBlue. United-Chef Kirby sagte, er erwarte nicht, dass der kleinere Carrier „in absehbarer Zeit" Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen werde, und verwies auf dessen Barmittel und unbelastete Vermögenswerte.
Southwest und Alaska bauen Premium-Ambitionen aus
Andrew Watterson, Chief Operating Officer von Southwest, warnte, dass sich die Investitionslücke zwischen starken und schwachen Airlines wahrscheinlich weiter vergrößern werde. „Wenn man Geld aufnehmen muss, steigen die Zinsaufwendungen. Je höher die Kosten, desto geringer die Wachstumsrate und desto niedriger die Investitionen in Produkte", sagte Watterson. Starke Gewinne und eine solide Bilanz ermöglichten es Southwest, weiterhin zu investieren, während einige Konkurrenten in den Verteidigungsmodus gewechselt seien.
Southwest prüft derzeit Produkte, die früher typischerweise mit Netzwerk-Carriern in Verbindung gebracht wurden – von Flughafen-Lounges über Transozeanflüge bis hin zu mehr Premium-Sitzplätzen. Dies markiert eine potenzielle Abkehr vom traditionellen Billigmodell der Fluggesellschaft. Die Planungen für Lounges seien am weitesten fortgeschritten, wobei eine Entscheidung noch in diesem Jahr möglich sei, so Watterson.
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Zur AktienanalyseShane Tackett, Finanzvorstand von Alaska Air, erklärte, dass Fluggesellschaften ohne starke Kundenbindung und Premium-Einnahmequellen nach der nahezu verdoppelten Treibstoffpreise seit Beginn des Iran-Krieges unter dem größten Druck stünden. „Es gibt einige Fluggesellschaften mit einem Geschäftsmodell, das im aktuellen Umfeld wirklich vor großen Herausforderungen steht", sagte er. Bei Alaska sei die Nachfrage bislang stabil geblieben – die Unternehmensbuchungen für die nächsten 90 Tage stiegen im Vergleich zum Vorjahr in den meisten Regionen und Branchen um 20 bis 30 Prozent.
Alaska modernisiert Hawaiian-Flotte und nimmt Milliarden-Kredit auf
Alaska Air plant, die Kabinen der Airbus A330 von Hawaiian Airlines zu modernisieren, indem vollständig geschlossene Suiten und eine internationale Premium Economy hinzugefügt werden. Diese Widerstandsfähigkeit gibt Alaska den Spielraum, seine Langstrecken- und Premium-Ambitionen nach der Übernahme von Hawaiian Airlines weiter auszubauen.
Dennoch unterstreicht Alaskas eigener Kreditbedarf den Druck durch die höheren Treibstoffkosten. Die Fluggesellschaft nahm Anfang des Jahres insgesamt 1 Milliarde US-Dollar auf – bestehend aus besicherten Schuldtiteln in Höhe von 500 Millionen Dollar und unbesicherten Schuldtiteln in Höhe von 500 Millionen Dollar, ihrer ersten unbesicherten Emission. Tackett sagte, die Transaktion sei von den Investoren gut aufgenommen worden und Alaska plane nicht, weitere Liquidität aufzunehmen.

