Trade Republic öffnet IPO-Zugang für SpaceX, OpenAI und Anthropic
Erstmals können Millionen europäische Privatanleger direkt an US-Börsengängen teilnehmen – zum offiziellen Ausgabepreis.

Trade Republic läutet eine neue Ära für europäische Privatanleger ein. Der Berliner Neobroker ermöglicht seinen Kunden erstmals die direkte Teilnahme an US-Börsengängen – und startet mit einem der spektakulärsten IPOs der Geschichte: dem Börsengang von SpaceX, Elon Musks Weltraumunternehmen. Auch andere Plattformen wie ING, Commerzbank und Flatex haben angekündigt, ihre Nutzer an dem IPO teilnehmen zu lassen. Den ersten Schritt machte jedoch Trade Republic.
Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Zum einen sind US-Börsengänge für europäische Privatanleger normalerweise kaum zugänglich – sie bleiben in der Regel institutionellen Investoren wie Fonds, Vermögensverwaltern und Top-Kunden von Investmentbanken vorbehalten. Zum anderen konnten Trade-Republic-Nutzer bislang überhaupt keine Neuemissionen zeichnen. Sie mussten bisher warten, bis eine Aktie bereits gelistet war – und damit oft zu einem bereits gestiegenen Kurs einsteigen.
„Privatanleger haben den Kapitalmarkt in Europa grundlegend verändert. Trotzdem bleiben Investmentmöglichkeiten wie IPOs oft institutionellen Investoren vorbehalten", erklärt Christian Hecker, Mitgründer von Trade Republic. „Wir ändern das jetzt. Mit Trade Republic erhalten Millionen Menschen in Europa ab heute direkten Zugang zu Börsengängen, zum offiziellen Zuteilungspreis noch vor Handelsstart."
Anthropic und OpenAI als nächste IPO-Kandidaten
Beim SpaceX-Börsengang soll es nicht bleiben. Trade Republic kündigt an, seinen Kunden künftig den Zugang zu „ausgewählten Börsengängen" zu ermöglichen. In der App wirbt der Neobroker bereits für die nächsten großen Namen: Nach SpaceX sollen die KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI folgen, die voraussichtlich noch in diesem Jahr an die Börse gehen.
Ob Trade Republic auch bei diesen und weiteren Börsengängen als Vertriebspartner zum Zuge kommt, bleibt abzuwarten. Beim SpaceX-IPO dürften mehrere Faktoren eine Rolle gespielt haben. SpaceX-Gründer Musk ist sich bewusst, dass er und seine Unternehmen unter Privatanlegern eine starke Anziehungskraft besitzen – nicht zuletzt trieben Kleinanleger die Tesla-Aktie einst auf außergewöhnlich hohe Bewertungsniveaus. Möglicherweise spielte auch die Beteiligung von Peter Thiel eine Rolle: Der Tech-Investor ist sowohl langjähriger Geschäftspartner von Musk – beide waren an der Entstehung von PayPal beteiligt – als auch Anteilseigner von Trade Republic.
Im Umfeld des Neobrokers ist man überzeugt, dass die schiere Größe der Plattform künftig als Türöffner dienen wird. „Trade Republic ist als Plattform für Retailkunden durch die Größe nun auch für US-Unternehmen interessant geworden, um maximale Aufmerksamkeit zu erreichen", sagt ein Insider. Offiziell zählt Trade Republic zehn Millionen Kunden – in der Realität dürften es laut dem Bericht deutlich mehr sein.
So funktioniert die SpaceX-Zeichnung bei Trade Republic
Seit Samstag können Kunden in der Trade-Republic-App SpaceX-Aktien zeichnen. Auf der Startseite des Neobrokers prangt der Hinweis: „Sei Teil des IPOs". Die Zeichnungsfrist läuft bis Mittwoch, 11. Juni, um 19 Uhr – und damit rund einen Tag früher als bei vielen Konkurrenten. Nutzer geben an, wie viel Kapital sie maximal investieren möchten. Die Zuteilung erfolgt laut Trade Republic proportional zum jeweiligen Zeichnungsvolumen und zum offiziellen Ausgabepreis.
SpaceX plant, rund 555 Millionen Aktien zu je 135 US-Dollar auszugeben. Bis zu 30 Prozent der Papiere sollen an Privatanleger gehen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist der IPO bereits zweifach überzeichnet – die Nachfrage übersteigt das Angebot also deutlich. Trade Republic weist seine Nutzer daher darauf hin: „Je nach Nachfrage kann die Zuteilung vollständig, teilweise oder gar nicht erfolgen." Blockiertes Kapital wird bei Nichtzuteilung freigegeben, die Ausführungskosten von einem Euro werden erstattet.
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Zur AktienanalyseRisiken für Anleger nicht außer Acht lassen
Wer seine Zuteilungschancen erhöhen möchte, könnte versucht sein, mehr Aktien zu ordern als eigentlich gewünscht. Das birgt jedoch ein Risiko: Im ungünstigsten Fall erhält der Anleger den Zuschlag für das gesamte Zeichnungsvolumen. Überschüssige Aktien lassen sich zwar nach dem Listing wieder verkaufen – fällt der Kurs jedoch unter den Ausgabepreis von 135 Dollar, drohen Verluste.
Ein weiterer Punkt betrifft den Handel nach dem Listing. Trade Republic leitet alle Orders ausschließlich an die LS Exchange des Düsseldorfer Finanzdienstleisters Lang & Schwarz weiter. Das Primärlisting von SpaceX findet an der Technologiebörse Nasdaq statt. Es könnte daher zu zeitlichen Verzögerungen kommen, bevor die Aktie über die LS Exchange handelbar ist. Kunden anderer Broker, die direkt über die Nasdaq oder andere Handelsplätze agieren können, hätten in diesem Fall einen zeitlichen Vorteil beim Verkauf.


