Toyotas Außenseiter-Chef Hiroshi Okuda im Alter von 93 Jahren gestorben
Der frühere Toyota-Chairman trieb die globale Expansion des Konzerns voran und brachte den Prius ein Jahr früher als geplant auf den Markt.

Hiroshi Okuda, ehemaliger Chairman der Toyota Motor Corp, ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News. Die Todesursache war zunächst nicht bekannt. Okuda gilt als eine der prägendsten Führungspersönlichkeiten in der Geschichte des weltgrößten Automobilherstellers.
Okuda war eine Ausnahmeerscheinung in der Toyota-Unternehmensgeschichte: Als er 1995 die Präsidentschaft übernahm, wurde er der erste Toyota-Chef außerhalb der Gründerfamilie Toyoda seit fast drei Jahrzehnten. In einem Konzern, der traditionell von Mitgliedern der Gründerdynastie geführt wurde, war dies ein bemerkenswerter Schritt.
Strategie gegen schwache Exporte und starken Yen
Okuda trat sein Amt in einer schwierigen Phase an. Schrumpfende Inlandsmarktanteile, rückläufige japanische Exporte und ein starker Yen setzten Toyota unter Druck. Seine Antwort war eine konsequente Internationalisierung: Er baute Produktionsstandorte im Ausland auf, um die Abhängigkeit von japanischen Exporten zu reduzieren.
Bereits 1996 initiierte er die Strategie „Vision 2005", die darauf abzielte, Entwicklungskosten zu senken und die lokale Produktion in Schlüsselmärkten auszubauen. Die Ergebnisse waren beeindruckend: Innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelten sich die Auslandsverkäufe mehr als, was dazu beitrug, dass der weltweite Absatz um 67 Prozent stieg.
Neben der globalen Expansion war Okuda maßgeblich an der Entwicklung des Toyota Prius beteiligt – dem ersten Serien-Hybridfahrzeug der Welt. Er trieb die Markteinführung des Benzin-Elektro-Hybrids intern voran und brachte ihn 1997 auf den Markt – ein volles Jahr früher als ursprünglich geplant. Dabei betonte er das strategische Prestige, das erste Unternehmen zu sein, das die Serienproduktion von Hybridfahrzeugen perfektioniert hatte. Der Prius wurde in der Folge zum Symbol für Toyotas Innovationskraft und legte den Grundstein für die heutige Elektrifizierungsstrategie des Konzerns.
Ein unbequemer Kritiker der Gründerfamilie
Okuda scheute auch nicht davor zurück, die Macht der Gründerfamilie offen infrage zu stellen – eine Seltenheit in der japanischen Unternehmenskultur. Als Akio Toyoda, Enkel des Firmengründers, um das Jahr 2000 in den Vorstand eintrat, sagte Okuda dem Wall Street Journal, dass dieser beweisen müsse, dass er der Führung würdig sei, anstatt die Kontrolle einfach übertragen zu bekommen. „Talente vom Kaliber eines Akio rollen bei Toyota überall herum, wie so viele Kartoffeln", wird Okuda in dem Bericht zitiert. Akio Toyoda wurde schließlich 2009 Präsident und 2023 Chairman des Konzerns.
Okuda wurde 1932 in der zentralen Präfektur Mie in eine wohlhabende Familie geboren, die ein regionales Maklerhaus besaß. Er trat 1955 in die Buchhaltungsabteilung von Toyota ein und machte sich früh einen Ruf als unbequemer, aber prinzipientreuer Mitarbeiter. Bereits innerhalb von drei Jahren stellte er Vorgesetzte und Vorstandsmitglieder wegen undurchsichtiger Transaktionen zur Rede. „Innerhalb des Unternehmens wurde ich gemieden und als ‚eingebildet' angesehen", sagte er 2013 der Wirtschaftszeitung Nikkei. „Nach einem Jahrzehnt in dieser Funktion war ich jedoch in der Lage, das Unternehmen umfassend aus einer Art Management-Perspektive zu betrachten."
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Zur AktienanalyseEinflussreiche Rolle über Toyota hinaus
Okudas Amtszeit als Chairman endete 2006. Auch über Toyota hinaus hinterließ er Spuren: Von 2002 bis 2006 leitete er den einflussreichen japanischen Wirtschaftsverband Keidanren, eine der bedeutendsten Lobbyorganisationen der japanischen Wirtschaft. Ab 2012 war er zudem etwa ein Jahr lang Präsident der Japan Bank for International Cooperation.
Hiroshi Okuda hinterlässt das Bild eines Managers, der Toyota in einer kritischen Phase modernisierte, internationalisierte und mit dem Prius in die Zukunft führte – und dabei nie zögerte, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.


