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Toyota unter Druck: Lieferketten-Geopolitik und Ethik-Kontroverse

Der japanische Autokonzern steht gleichzeitig wegen chinesischer Zulieferer und fragwürdiger Regierungsverbindungen in den USA unter Beschuss.

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Toyota unter Druck: Lieferketten-Geopolitik und Ethik-Kontroverse

Toyota Motor Corporation sieht sich in den USA mit zwei ernsthaften Herausforderungen konfrontiert: dem geopolitischen Druck auf globale Lieferketten mit chinesischen Komponenten und einer Ethik-Kontroverse rund um die Finanzierung eines regierungsnahen Medienformats. Beide Entwicklungen könnten den Ruf des japanischen Automobilriesen in Washington nachhaltig belasten.

In der US-Hauptstadt wächst der parteiübergreifende Widerstand gegen die Einbindung chinesischer Bauteile in die amerikanische Automobilindustrie. Abgeordnete beider Parteien drängen das Weiße Haus, den heimischen Automarkt nicht als Verhandlungsmasse im Handelsstreit mit Peking einzusetzen. Hintergrund ist die Befürchtung, chinesische Hersteller könnten – ähnlich wie in Mexiko und Europa – mit staatlich subventionierten Elektrofahrzeugen erhebliche Marktanteile in den USA gewinnen.

Chinesische Teile tief in US-Lieferketten verankert

Die Realität der amerikanischen Automobilzulieferkette steht dem politischen Entkopplungswillen jedoch entgegen. Laut Daten der Unternehmensberatung AlixPartners befinden sich mehr als 60 US-amerikanische Automobilzulieferer im Besitz chinesischer Unternehmen. Chinesische Akteure halten zudem Anteile an rund 5 Prozent der etwa 10.000 Zulieferer, die den US-Markt beliefern.

Toyota ist dabei ausdrücklich Teil dieses verflochtenen Netzwerks. Gemäß Daten der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA enthält der neueste Toyota Prius Plug-in-Hybrid rund 15 Prozent chinesisch gefertigte Bauteile. Diese Abhängigkeit ist jedoch kein Toyota-spezifisches Problem: Der Ford Mustang GT verwendet Sechsgang-Schaltgetriebe aus China, und General Motors hat berichtet, dass mehrere seiner Elektromodelle – darunter Blazer und Equinox – einen chinesischen Komponentenanteil von rund 20 Prozent aufweisen. GM hat Berichten zufolge für einige Zulieferer eine Frist bis 2027 gesetzt, um Bezugsquellen aus China aufzulösen.

Auf legislativer Ebene sind bereits konkrete Maßnahmen im Gange. Die Abgeordneten John Moolenaar (Republikaner, Michigan) und Debbie Dingell (Demokratin, Michigan) sowie die Senatoren Elissa Slotkin (Demokratin, Michigan) und Bernie Moreno (Republikaner, Ohio) haben Gesetzentwürfe eingebracht, die auf eine Beschränkung chinesischer Software und Hardware in vernetzten Fahrzeugen abzielen. Die Begründung: Die Internetanbindung moderner Fahrzeuge könnte nationale Sicherheitsrisiken darstellen.

Ethik-Beschwerde wegen Regierungsshow

Parallel dazu gerät Toyota wegen seiner finanziellen Beziehung zum US-Verkehrsministerium unter Druck. Berichten zufolge spendete Toyota gemeinsam mit Boeing jeweils eine Million US-Dollar zur Finanzierung einer Reality-TV-ähnlichen Show namens „The Great American Road Trip". Die Sendung zeigt Verkehrsminister Sean Duffy und seine Familie bei Reisen zu amerikanischen Wahrzeichen wie dem Grand Canyon und der Liberty Bell – anlässlich des 250. Geburtstags der USA.

Das Format wird von einer gemeinnützigen Organisation finanziert, die von großen Konzernen unterstützt wird, die ihrerseits der Regulierungsaufsicht des Verkehrsministeriums unterliegen. Diese Konstellation hat die Ethik-Wächterorganisation Citizens for Responsibility and Ethics in Washington (CREW) auf den Plan gerufen. CREW hat den Generalinspektor des Verkehrsministeriums aufgefordert, eine Untersuchung einzuleiten – mit der Frage, ob das Finanzierungsmodell gegen Bundesvorschriften zu Geschenken, Reisen und der Produktwerbung durch Regierungsbeamte verstößt.

Schwieriger Kurs für Toyota in Washington

Für Toyota ergibt sich aus beiden Entwicklungen ein komplexes Umfeld. Einerseits drohen durch den legislativen Druck zur Reduzierung chinesischer Zulieferanteile erhebliche Kostensteigerungen und Lieferkettenunterbrechungen. Andererseits hat die Beteiligung an einem regierungsnahen Medienprojekt Fragen zur Unternehmensethik aufgeworfen, die das Ansehen des Konzerns in der US-Politik beschädigen könnten.

Toyota und andere große Automobilhersteller haben sich bislang zu Anfragen bezüglich ihrer Lieferkettenstrategie nicht geäußert. Der Ausgang der CREW-Ethikbeschwerde sowie der Fortgang der geplanten Gesetzgebung zu vernetzten Fahrzeugen werden als wichtige Indikatoren dafür gelten, wie die US-Regierung das Spannungsfeld zwischen Privatwirtschaft, nationaler Sicherheit und öffentlicher Ethik künftig handhaben will.

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