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Tokenisierung: Wie digitale Assets das Finanzwesen revolutionieren

Ein HSBC-Topmanager erklärt, warum Token weit mehr als ein Hype sind und das globale Finanzsystem grundlegend verändern werden.

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Tokenisierung: Wie digitale Assets das Finanzwesen revolutionieren

Token besitzen eine enorme Kraft, das Finanzökosystem im nächsten Jahrzehnt grundlegend umzugestalten. Das schreibt der Chief Executive of Corporate and Institutional Banking bei HSBC in einem Gastbeitrag für die Financial Times. Skeptiker stellen häufig die Frage, worin der konkrete Nutzen digitaler Repräsentationen von Vermögenswerten oder Geld besteht – schließlich existieren in Regionen wie dem Vereinigten Königreich, der EU und Indien bereits Systeme für nahezu Echtzeit-Zahlungen.

Der HSBC-Manager entkräftet diesen Einwand mit einem treffenden Vergleich: Die Frage nach dem Nutzen von Tokenisierung sei ähnlich wie die Frage, wozu man 5G brauche, wenn man bereits 4G habe. Der Sprung in der Technologie bringt qualitativ neue Möglichkeiten mit sich, die über bloße Geschwindigkeitsverbesserungen hinausgehen.

Die verschiedenen Formen tokenisierten Geldes

Kryptowährungen waren die ersten Beispiele für tokenisiertes Geld – digitale Token, die Zahlungen zwischen Parteien ohne Vermittler ermöglichen. Ihr entscheidender Nachteil war jedoch die hohe Wertschwankung. Stablecoins, die an Vermögenswerte gekoppelt sind, stellen eine neuere und stabilere Form dar. Daneben existieren tokenisierte Einlagen – digitale Abbildungen von Kundeneinlagen bei Geschäftsbanken auf einer Blockchain – sowie digitale Zentralbankwährungen, die aus diesem Ökosystem heraus entwickelt wurden.

Auch im Mainstream etablieren sich tokenisierte Vermögenswerte zunehmend, darunter Anleihen, Gold, Geldmarktfonds, Immobilien und Private Equity. Theoretisch kann alles mittels Blockchain oder Distributed-Ledger-Technologie tokenisiert und mit einem Geldwert versehen werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass alles tokenisiert werden sollte: Der Autor verweist kritisch auf die 13 Millionen Memecoins, die im vergangenen Jahr ausgegeben wurden, und fragt, wie viele davon in einigen Jahren noch einen Wert haben werden.

Programmierbarkeit als entscheidender Vorteil

Tokenisiertes Geld ermöglicht nicht nur schnellere Zahlungen im In- und Ausland, sondern ist vor allem programmierbar. Diese Eigenschaft erweitert den Anwendungsbereich weit über reine Geschwindigkeit hinaus. Geld entwickelt sich dabei von einem reinen Werttransfer hin zu einer Automatisierung dessen, wie, wann und unter welchen Bedingungen es eingesetzt werden kann.

Als konkretes Beispiel nennt der Autor sogenannte „Digital native" Anleihen. Während die Abwicklung traditioneller Anleihengeschäfte Tage dauern kann, erfolgt der Prozess bei tokenisierten Anleihen nahezu augenblicklich. Das reduziert Risiken und setzt gebundenes Kapital frei. Darüber hinaus könnten Anleger tokenisierte Anleihen als Sicherheiten für Finanzierungszwecke auf Intraday-Basis nutzen – sogar für nur wenige Stunden – anstatt wie bisher über Nacht in typischen Pensionsgeschäften.

Die Tokenisierung verbessert zudem die Vertriebsmöglichkeiten durch Fraktionierung, also die digitale Zerlegung eines Vermögenswerts in kleinere Teile. Dadurch sinken Mindestinvestitionssummen, was breiteren Anlegerkreisen den Zugang ermöglicht. Auch der internationale Handel könnte stark profitieren, etwa durch tokenisierte Frachtbriefe und Rechnungen sowie programmierbare Smart Contracts, die Zahlungen automatisch beim Warenerhalt auslösen.

Regulierung und Infrastruktur als Schlüsselfaktoren

Für die Zukunft des tokenisierten Finanzwesens sind Investitionen in neue Infrastruktur, Plattformen und Rechenzentren unerlässlich. Entscheidend ist zudem die Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen, um die Skalierbarkeit zu gewährleisten. Regulatorische Standardisierung und Verbraucherakzeptanz spielen dabei eine zentrale Rolle.

In verschiedenen Rechtsordnungen wurden bereits erhebliche Fortschritte erzielt. In Hongkong müssen Stablecoin-Betreiber lizenziert sein – HSBC erhielt eine der ersten beiden Lizenzen. In den USA werden Stablecoin-Betreiber nun im Rahmen eines Bundesgesetzes reguliert. Im Vereinigten Königreich hat die Bank of England vorgeschlagen, dass auf Pfund Sterling lautende Stablecoins für Einzelhandelszahlungen durch hochwertige liquide Vermögenswerte gedeckt sein müssen.

Für Geschäftsbanken birgt die Tokenisierung zwar Herausforderungen für das bestehende Geschäftsmodell, eröffnet aber auch erhebliche Chancen. Tokenisierte Einlagen werden bereits innerhalb des Finanzsystems genutzt, um Geld rund um die Uhr zu bewegen. Das Wachstumspotenzial ist enorm: Das Volumen kommerzieller Einlagen und ähnlicher Instrumente liegt bei mehr als 100 Billionen US-Dollar – dem stehen Stablecoins im Wert von lediglich 310 Milliarden US-Dollar im Umlauf gegenüber. Der sogenannte „5G-Moment" für das Finanzökosystem, so das Fazit des HSBC-Managers, rückt näher.

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