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TikTok und YouTube versagen beim Kinderschutz im Vereinigten Königreich

Britische Medienaufsicht Ofcom kritisiert TikTok und YouTube scharf – während Snap, Meta und Roblox strengere Schutzmaßnahmen zusagen.

TikTok und YouTube versagen beim Kinderschutz im Vereinigten Königreich

Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom hat TikTok und YouTube scharf kritisiert, weil beide Plattformen es versäumt haben, wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor schädlichen Online-Inhalten einzuleiten. Laut Ofcom haben weder TikTok noch die Alphabet-Tochter YouTube wesentliche neue Verpflichtungen eingegangen, um ihre Empfehlungs-Feeds sicherer zu gestalten – obwohl diese Feeds nachweislich der Hauptweg sind, über den Kinder mit schädlichen Inhalten in Kontakt kommen.

Besonders alarmierend: Untersuchungen von Ofcom ergaben, dass 73 Prozent der 11- bis 17-Jährigen innerhalb von vier Wochen schädlichen Inhalten ausgesetzt waren – überwiegend über personalisierte Algorithmus-Feeds. TikTok wurde dabei am häufigsten genannt, gefolgt von YouTube, Instagram (Meta) und Snapchat (Snap). Beide Unternehmen halten laut Ofcom an ihrer Position fest, dass ihre bestehenden Systeme ausreichend seien. Die Aufsichtsbehörde widerspricht dem klar: Die Feeds seien „immer noch nicht sicher genug".

Ein YouTube-Sprecher erklärte, das Unternehmen biete „branchenführende, altersgerechte und qualitativ hochwertige Erlebnisse für junge Zuschauer" und arbeite mit Experten für Kindersicherheit zusammen. TikTok zeigte sich hingegen „sehr enttäuscht, dass Ofcom es versäumt hat, sowohl unsere langjährigen als auch unsere neueren Sicherheitsfunktionen anzuerkennen", und kündigte an, weiterhin in Sicherheitsmaßnahmen zu investieren.

Konkurrenten reagieren mit konkreten Zusagen

Im Gegensatz zu TikTok und YouTube haben Snap, Meta und Roblox bereits konkrete Verpflichtungen gegenüber Ofcom eingegangen. Snap wird standardmäßig verhindern, dass erwachsene Fremde Kinder kontaktieren, und die Altersprüfungen in Großbritannien ausweiten. Meta plant neue Kontrollen für Konten von Jugendlichen sowie den Einsatz von KI-Tools zur Erkennung verdächtiger Unterhaltungen. Roblox wiederum wird Eltern die Möglichkeit geben, Direktnachrichten für unter 16-Jährige vollständig zu deaktivieren.

Diese Zusagen erfolgten auf Forderungen von Ofcom im vergangenen Monat und richten sich insbesondere gegen Online-Grooming – also die gezielte Kontaktaufnahme von Erwachsenen mit Minderjährigen zum Zweck der Anbahnung von Missbrauch. Dass drei große Plattformen diese Schritte unternehmen, während TikTok und YouTube zögern, erhöht den Druck auf die beiden Marktführer erheblich.

Schwache Alterskontrollen und dominante Marktstellung

Ofcom stellte zudem fest, dass große Plattformen die Online-Aktivitäten von Kindern in Großbritannien dominieren: YouTube wird von 67 Prozent der Kinder genutzt, TikTok von 60 Prozent. Insgesamt nutzen 95 Prozent der Kinder mindestens einen Social-Media- oder Video-Sharing-Dienst. Besonders besorgniserregend ist die schwache Durchsetzung von Mindestaltersregeln: 84 Prozent der Kinder zwischen acht und zwölf Jahren nutzen Dienste, die eigentlich ein Mindestalter von 13 Jahren vorschreiben.

Fast ein Jahr nach Inkrafttreten der neuen Kinderschutzpflichten im Rahmen des britischen Online Safety Act zieht Ofcom eine ernüchternde Bilanz: Insgesamt habe es kaum Verbesserungen bei der Exposition von Kindern gegenüber schädlichen Inhalten gegeben. Die Aufsichtsbehörde bemängelt zudem, dass die aktuelle Gesetzgebung Unternehmen nicht eindeutig dazu verpflichte, minderjährige Nutzer von ihren Plattformen fernzuhalten – und fordert die britische Regierung auf, das Gesetz nachzuschärfen.

Politischer Druck wächst – auch auf X

Auf politischer Ebene verstärkt die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer den Druck auf Social-Media-Konzerne. Derzeit werden strengere Beschränkungen diskutiert, darunter ein mögliches Verbot der Nutzung sozialer Medien für unter 16-Jährige – nach dem Vorbild Australiens, das als erstes Land weltweit einen solchen Schritt unternommen hat. Ziel ist es, gegen sogenannte süchtig machende Designmerkmale vorzugehen, die Kinder gezielt an Plattformen binden.

Unabhängig von der Kinderschutzdebatte hat auch Elon Musks Plattform X zugestimmt, die Durchsetzung gegen illegale Hassrede und terroristische Inhalte zu verstärken. Dazu gehören die Prüfung solcher Inhalte innerhalb von durchschnittlich 24 Stunden sowie ein vierteljährlicher Datenaustausch mit Ofcom. Die Aufsichtsbehörde prüft darüber hinaus weiterhin die Systeme von X und dessen KI-Chatbot Grok, nachdem ein Reuters-Bericht ergeben hatte, dass das Tool in vielen Fällen trotz Warnungen der Nutzer sexualisierte Bilder generieren konnte.

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