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Ticket-Bots verdrängen Fans: Ein globales Problem wächst

Automatisierte Programme kaufen Konzert- und Zugtickets in Sekunden auf – und verkaufen sie zu Wucherpreisen weiter.

Ticket-Bots verdrängen Fans: Ein globales Problem wächst

Wer heute ein Ticket für ein beliebtes Konzert kaufen möchte, kämpft längst nicht mehr nur gegen andere Fans. Automatisierte Software-Programme, sogenannte Bots, schnappen sich begehrte Plätze in Sekundenschnelle – und verkaufen sie anschließend zu massiv überhöhten Preisen auf dem Zweitmarkt weiter. Das Problem betrifft nicht nur die Musikbranche, sondern zunehmend auch alltägliche Dienstleistungen wie Zugticket-Reservierungen.

„Der Kauf eines Tickets war schon immer sehr glücksabhängig", sagt Bryce Sng, ein 23-jähriger Konzertliebhaber. Der zusätzliche Wettbewerb durch Bots „fühlt sich sehr unfair an", so Sng. Die Hälfte der Aufregung beim Ticketkauf mache der Stress aus – der Einsatz eines Bots nehme diesem Erlebnis etwas weg.

Diese Einschätzung teilen viele Verbraucher. Laut einer Umfrage der Consumers' Association of Singapore vom Dezember 2025 gaben fast 65 Prozent der Befragten an, dass Ticketwucher echte Fans am Besuch von Veranstaltungen hindere. Teilnehmer von Fokusgruppen nannten explizit Bots, die Tickets innerhalb von Sekunden aufkauften, um sie teurer weiterzuverkaufen.

Regierungen reagieren mit schärferen Gesetzen

Mehrere Regierungen haben auf das Problem reagiert. Südkorea weitete am 29. Januar seine Gesetze gegen Ticketwucher aus, um Verhaltensweisen zu unterbinden, die den fairen Ticketkauf für den Wiederverkauf stören. In China haben Regulierungsbehörden Drittanbieter-Plattformen wiederholt vor dem Einsatz automatisierter Software gewarnt.

Am 12. Februar trafen sich Pekinger Marktregulierungsbehörden mit zwölf Unternehmen – darunter JD.com, Didi und Tencent – wegen Zugticketverkäufen, die „starke öffentliche Kritik" hervorgerufen hatten. In einer Bekanntmachung vom 10. April wurden sieben Drittanbieter-Plattformen, darunter Ctrip, Alibabas Fliggy und Meituan, zu Regulierungsgesprächen vorgeladen. Der Hintergrund: In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 wickelte das chinesische Eisenbahnsystem laut der Nationalen Eisenbahnverwaltung mehr als 1,13 Milliarden Fahrten ab – ein enormes Volumen, das Bots besonders attraktive Angriffsflächen bietet.

Technologisch ist die Bekämpfung von Bots komplex. „Es gibt mehr zu berücksichtigen als nur ein einzelnes Signal", erklärt David Irecki, Chief Technology Officer beim Datensoftwareunternehmen Boomi. Die Erkennung von Bots erfordert die Analyse von Mustern in Nutzerdaten – darunter Transaktions- und Zahlungssignale, Kaufgeschwindigkeit, Kaufmuster und Kreditkartenaktivitäten. Ticketmaster, die führende Ticketplattform für viele Konzerte, blockiert automatisierte Software, identifiziert und schließt gefälschte Konten und storniert Bestellungen, die gegen seine Richtlinien verstoßen.

Taylor Swift und das Versagen des Systems

Bots sind jedoch nur ein Teil eines größeren Problems. Marc Hershberg, Direktor für geschäftliche und rechtliche Angelegenheiten bei Music Theatre International, weist darauf hin, dass die begrenzte Anzahl an Tickets für die breite Öffentlichkeit das Problem oft verschärfe. Ticketwucher sei letztlich eine unvermeidliche „Funktion von Angebot und Nachfrage".

Besonders deutlich wurde das Ende 2022, als der Ticketverkauf für Taylor Swifts „Eras"-Tournee kollabierte. Live Nation und seine Tochtergesellschaft Ticketmaster sahen sich massiver Kritik ausgesetzt, gegen das Unternehmen wurden mehrere Klagen wegen monopolistischer Praktiken eingereicht. Im April erzielte Live Nation einen Vergleich über 9,9 Millionen US-Dollar mit dem District of Columbia – wegen Vorwürfen, täuschend niedrige Preise beworben und irreführende Taktiken eingesetzt zu haben, die künstliche Dringlichkeit erzeugten. Live Nation bestritt im Rahmen des Vergleichs jegliches Fehlverhalten.

Die regulären Ticketpreise für Swifts „Eras"-Tour lagen zwischen 49 und 450 US-Dollar, VIP-Pakete zwischen 199 und 899 US-Dollar. Auf dem Zweitmarkt wurden einzelne Tickets jedoch für bis zu 20.000 US-Dollar gehandelt – ein drastisches Beispiel dafür, wie weit Angebot und Nachfrage auseinanderklaffen können.

Verbraucher oft unwissentlich auf Wiederverkaufsplattformen

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Verbraucher gar nicht merken, dass sie Tickets von Wiederverkäufern kaufen. Hershberg verweist auf Broadway.com, eine Wiederverkaufsplattform, deren Name viele Käufer dazu verleitet, sie für einen offiziellen Vertriebspartner zu halten. CNBC kontaktierte Broadway.com, erhielt jedoch bis zur Veröffentlichung keine Antwort.

Von den Aufschlägen auf dem Zweitmarkt profitierten in erster Linie die Schwarzhändler, betont Hershberg – und nicht „die eigentlichen Personen, die das Risiko tragen, sowie die Künstler und andere Beteiligte der Show". Produzenten, die ihre Shows weiterhin zugänglich halten wollen, seien nicht bereit, Preise zu verlangen, die sie für unangemessen halten.

Das Problem lasse sich nicht durch eine einzige Maßnahme lösen, fasst Irecki zusammen. Es brauche ein Zusammenspiel aus technologischen Lösungen, regulatorischen Eingriffen und mehr Transparenz im Ticketmarkt – für Fans weltweit eine unbefriedigende, aber ehrliche Einschätzung der Lage.

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