Thyssenkrupp zwischen Umbruch und Aufbruch
Stellenabbau im Stahlgeschäft, neue Jobs in der Marinesparte Wismar

Thyssenkrupp befindet sich in einer schwierigen Phase: Während in Duisburg der Stahlbereich unter Druck gerät, erlebt die Marinesparte in Wismar einen Aufschwung. In Duisburg wurde in einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats der Stahltochter Thyssenkrupp Steel Europe beschlossen, den Liefervertrag mit den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM) zum Jahr 2032 zu kündigen. Das Werk beschäftigt rund 3000 Menschen und ist ein Joint Venture mit Beteiligung von Thyssenkrupp, der Salzgitter AG und Vallourec. Die Ankündigung der Vertragskündigung löste Proteste aus. Hunderte Beschäftigte versammelten sich vor dem Werk, Gewerkschafter riefen zur Geschlossenheit auf. Die IG Metall fordert einen fairen Verkaufsprozess und kritisiert den frühen Zeitpunkt der Entscheidung.
Thyssenkrupp plant, im Zuge einer umfassenden Restrukturierung seiner Stahlsparte 5000 Arbeitsplätze abzubauen und 6000 weitere auszugliedern. Die Produktionskapazität für Rohstahl soll von elf auf neun Millionen Tonnen jährlich sinken. Der geplante Ausstieg aus der Beteiligung an HKM ist Teil eines „industriellen Zukunftskonzepts“. Ein Gutachten zur finanziellen Zukunft der Sparte steht noch aus. Die Finanzierung der Eigenständigkeit bleibt offen, ebenso eine mögliche Beteiligung des Staates. Auch der tschechische Investor Daniel Křetínský, der 20 Prozent der Sparte hält, zeigt bislang kein Interesse, sich stärker finanziell zu engagieren.
Im Gegensatz zur Krise im Stahlgeschäft zeigt sich in Wismar ein ganz anderes Bild. Dort entsteht ein neuer Produktionsstandort für Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Die Werft wurde 2022 übernommen und soll künftig U-Boote und Forschungsschiffe bauen. Jüngst erhielt TKMS Aufträge für vier U-Boote der Klasse 212 CD für Deutschland sowie zwei für Norwegen. Insgesamt sollen bis 2030 rund 1500 neue Arbeitsplätze entstehen. Der Bau des Forschungsschiffs Polarstern II ist ebenfalls geplant. Die ersten Stellen sind bereits ausgeschrieben.
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Zur AktienanalyseEin geplanter Verkauf der Marinesparte an den US-Investor Carlyle scheiterte zuletzt am Widerstand aus dem Wirtschaftsministerium. Nun bereitet TKMS einen Börsengang vor. Dieser soll noch im laufenden Jahr erfolgen. Die Aktien von Thyssenkrupp legten zuletzt deutlich zu, angetrieben von den Aussichten der Marinesparte. Die Belegschaft in Wismar begegnet dem Aufschwung mit vorsichtigem Optimismus. Die Herausforderung bleibt, genügend Fachkräfte zu finden und gleichzeitig hohe Sicherheitsstandards einzuhalten.

