ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Thyssenkrupp überprüft grünes Stahlprojekt

Kostensteigerungen und mögliche Alternativen bringen Pläne ins Wanken

Thyssenkrupp überprüft grünes Stahlprojekt

Thyssenkrupp prüft derzeit seine Pläne zur Umstellung auf eine klimafreundlichere Stahlproduktion, wie verschiedene Medien berichten. Obwohl der Konzern grundsätzlich an der Transformation festhält, werden die Pläne für eine Anlage zur Herstellung von grünem Stahl unter die Lupe genommen. Laut Aussagen der Stahltochter von thyssenkrupp gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters wird der aktuelle Businessplan im Rahmen der "grünen Transformation" des Stahlbereichs überprüft. Dabei werde fortlaufend technologie- und ergebnisoffen geprüft, welche Lösungen die besten und wirtschaftlich tragfähigsten sind, um den Stahlbereich langfristig klimaneutral aufzustellen. Trotz dieser Prüfung geht das Unternehmen davon aus, dass die geplante Direktreduktionsanlage unter den gegebenen Rahmenbedingungen realisiert werden kann. Langfristig sei die Dekarbonisierung der CO₂-intensiven Stahlproduktion unumgänglich. Allerdings wurden auch "unerwartete Kostensteigerungen" in Bezug auf das Vorhaben bestätigt.

Thyssenkrupp Steel Europe reagierte auf einen Bericht des „Handelsblatts“, wonach Vorstandschef Miguel Lopez eine Überprüfung der Pläne für die etwa drei Milliarden Euro teure Direktreduktionsanlage eingeleitet hat. Diese Anlage, die für die Stahlherstellung mit Wasserstoff benötigt wird, ist ein wichtiger Bestandteil der grünen Umstellung. Laut dem Bericht soll eines der vier geprüften Szenarien einen Baustopp vorsehen. Sollte dies umgesetzt werden, müsste thyssenkrupp wahrscheinlich bereits erhaltene staatliche Subventionen in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro zurückzahlen. Ursprünglich war geplant, die Anlage bis 2027 in Betrieb zu nehmen. Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen haben zusammen Fördermittel von zwei Milliarden Euro zugesagt, die je nach Baufortschritt freigegeben werden. Aufgrund der Kostensteigerungen in dreistelliger Millionenhöhe hatte der Vorstand den Aufsichtsrat informiert. Thyssenkrupp betonte jedoch, dass die Mehrkosten derzeit keine Auswirkungen auf die zugesagten Fördermittel haben.

Ein Ende des Projekts würde einen erheblichen Rückschlag für die von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck geförderte Wasserstoffstrategie in Deutschland bedeuten. Unterdessen soll die Regierung Gespräche mit dem im MDAX notierten Mutterkonzern von thyssenkrupp aufgenommen haben, um die Rückzahlungsfähigkeit der Stahlsparte zu klären. Neben dem möglichen Projektstopp werden weitere Optionen geprüft, darunter der vollständige Stopp der Wasserstoffpläne oder eine klimafreundlichere Stahlproduktion durch vermehrten Stromeinsatz.

Thyssenkrupp Steel, der größte Stahlerzeuger Deutschlands, beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter, davon 13.000 in Duisburg. Die Sparte leidet seit Langem unter Konjunkturschwächen und Billigimporten. Konzernchef Lopez plant, das Stahlgeschäft in ein Joint Venture mit der Energie-Holding des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky einzubringen, der bereits 20 Prozent des Unternehmens hält und über ein weiteres Paket von 30 Prozent verhandelt. Ende August eskalierte der interne Streit über die Zukunft der Stahlsparte, woraufhin drei Stahlvorstände und vier Aufsichtsratsmitglieder, darunter Sigmar Gabriel und Bernhard Osburg, zurücktraten. Gabriel beschuldigte Lopez, eine Kampagne gegen den Stahlvorstand in Gang gesetzt zu haben, was zu einem schweren Vertrauensbruch geführt habe.

ThyssenkruppStahlKlimaschutzIndustrieWasserstoff

Disclaimer