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Thyssenkrupp-Hauptversammlung: López' Erfolgskurs auf dem Prüfstand

CEO Miguel López kann auf starke Kursentwicklung verweisen – doch die Zukunft des Stahlgeschäfts bleibt ungeklärt

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Thyssenkrupp-Hauptversammlung: López' Erfolgskurs auf dem Prüfstand

Die Thyssenkrupp-Aktionäre treffen sich am Freitag zur Hauptversammlung in Bochum – erstmals seit der Pandemie wieder in Präsenz. Für Vorstandschef Miguel López wird es die dritte und wohl erfreulichste Zusammenkunft dieser Art. Die Zahlen sprechen zunächst für ihn: Der Aktienkurs kletterte binnen zwölf Monaten um 135 Prozent auf zwischenzeitlich 11,61 Euro. Zudem gelang die erfolgreiche Ausgliederung der Marinesparte TKMS in den MDax.

López verfolgt konsequent das Konzept einer Finanzholding mit eigenständigen Geschäftsbereichen. Die Essener Zentrale wird massiv verschlankt, mittelfristig sollen alle Sparten kapitalmarktfähig werden. Bei der Stahlsparte TKSE steht ein Sanierungskonzept mit Gewerkschaftszustimmung: Von aktuell 26.000 Stellen sollen 11.000 wegfallen, die Produktionskapazität sinkt von 11,5 auf 9 Millionen Tonnen Stahl jährlich.

Jindal-Deal verzögert sich

Die größte Herausforderung bleibt jedoch die Zukunft des Stahlgeschäfts. López verhandelt mit der indischen Industriellenfamilie Jindal über einen Verkauf der Sparte. Die Jindals hatten ein vielversprechendes Angebot vorgelegt: Milliarden-Investitionen in grünen Stahl und geschicktes Stakeholder-Management gegenüber Gewerkschaften und Politik.

Doch die Realität holt das ambitionierte Projekt ein. Die Käuferfirma Jindal Steel International müsste 2,5 Milliarden Euro Pensionslasten übernehmen – zusätzlich zu den versprochenen Investitionen. Ein Besuch von Gewerkschaftsvertretern und Aufsichtsrat Frank-Jürgen Weise in Indien sorgte für Ernüchterung. Die IG Metall hat einen umfangreichen Fragenkatalog verschickt, Antworten stehen aus.

Das Ziel, bis zur Hauptversammlung zumindest die Eckpunkte zu klären, wurde verfehlt. López hält sich in seiner Rede mit Verweis auf Vertraulichkeit bedeckt. Die Buchprüfung dauert länger als erwartet. Die Gewerkschaft stellte klar: Am bereits geschlossenen Sanierungstarifvertrag wird nicht mehr gerüttelt.

Unruhe bei HKM-Mitarbeitern

Zusätzlichen Wirbel könnte die Situation bei den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM) verursachen. Thyssenkrupp Steel Europe hält 50 Prozent am Joint Venture, kündigte aber einen Liefervertrag für 2032. Die rund 3.000 HKM-Beschäftigten dürften ihren Unmut in Bochum deutlich machen. Verhandlungen über eine Verkleinerung des Werks stocken, solange die Eigentumsverhältnisse bei TKSE ungeklärt bleiben.

Russwurm-Wiederwahl gilt als sicher

Im Mittelpunkt steht auch die Wiederwahl von Aufsichtsratschef Siegfried Russwurm. Er ist der strategische Kopf hinter López' Umbauplänen und wird von der Krupp-Stiftung, mit 21 Prozent größter Anteilseigner, unterstützt. Russwurm hatte signalisiert, Entscheidungen notfalls mit seiner Doppelstimme durchzusetzen. Trotz erwarteter Kritik am konfrontativen Führungsstil gilt seine Wiederwahl als gesichert.

Unklare Perspektiven der Kernsparten

Neben der Erfolgsgeschichte TKMS bleiben Fragezeichen bei den anderen Bereichen. Stahlhandel, Autozuliefergeschäft und Anlagenbau sollen ebenfalls börsenreif werden – doch der Zeitplan und Investitionsbedarf bleiben vage. Alle drei Sparten liegen aktuell unter ihren Margenzielen. Im Anlagenbau sind angesichts der stockenden grünen Transformation kurzfristig kaum Wachstumsimpulse zu erwarten.

López' Effizienzprogramm "Apex" soll zwei Milliarden Euro einsparen. Kritiker bemängeln jedoch mangelnde Transparenz und fehlende Nachvollziehbarkeit der Fortschritte. Die geplanten Restrukturierungen beim Stahl werden den Free Cash Flow 2026 voraussichtlich auf minus 300 bis 600 Millionen Euro drücken.

Vertragsverlängerung bis 2031

Russwurm hat López bereits mit einer Vertragsverlängerung bis 2031 und deutlich höherer Vergütung belohnt. Aus Aktionärssicht mag dies aufgrund der Kursentwicklung gerechtfertigt erscheinen. Doch ob der Erfolg nachhaltig ist, hängt maßgeblich von der Lösung der Stahlfrage ab. López selbst spricht vom "Jahr der Umsetzung" nach dem "Jahr der Entscheidungen". Die finale Entscheidung fällt jedoch nicht in Essen, Düsseldorf oder Berlin – sondern in Neu-Delhi.

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