Thyssen-Krupp vor Einigung im Stahlsparte-Streit
Beschäftigungssicherung und Vermeidung von Kündigungen vereinbart, Proteste halten an

Im Ringen um die Zukunft der Stahlsparte von Thyssen-Krupp zeichnet sich eine Lösung ab. Nach monatelangen Konflikten zwischen der Unternehmensführung und den Arbeitnehmern interveniert nun der Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp Steel. In einem exklusiv vorliegenden Dokument des Handelsblatts sind Grundsätze für die zukünftige Zusammenarbeit festgelegt worden, die als Regelwerk für die weitere Restrukturierung der Stahlsparte dienen sollen. Wesentliche Punkte des Dokuments umfassen eine mehrjährige Beschäftigungssicherung und die Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen während des Umbaus, was von den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft IG Metall wiederholt gefordert wurde.
Das Dokument wurde von Thyssen-Krupp-Chef Miguel López, dem Vorstand des Stahlgeschäfts um Bernhard Osburg sowie dem tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky unterzeichnet, der beabsichtigt, einen Teil der Sparte zu übernehmen. Diese Entwicklung könnte das Ende des Konflikts zwischen Konzernvorstand, Mitbestimmung und der Gewerkschaft IG Metall bedeuten. Für den traditionsreichen Konzern, der seit Jahren mit Problemen kämpft, wäre diese Annäherung ein positiver Schritt, da Vorstandschef López plant, sich von weiten Teilen des Geschäfts zu trennen und massive Einschnitte vorzunehmen.
Eine Blockade seitens der Arbeitnehmer, die bei Thyssen-Krupp erheblichen Einfluss haben, könnte diese Maßnahmen jedoch verzögern oder gar zum Scheitern bringen. Am Freitag gab es erneut Proteste der Belegschaft vor der Villa Hügel, dem Sitz der Krupp-Stiftung in Essen. Im April hatte das Unternehmen angekündigt, seine Stahlsparte massiv umzubauen und die Produktion in Duisburg deutlich zu reduzieren. Die derzeitige Kapazität von 11,5 Millionen Tonnen pro Jahr soll auf einen Bereich zwischen neun und 9,5 Millionen Tonnen abgesenkt werden. Trotz dieser Pläne wurde ein Arbeitsplatzabbau nicht ausgeschlossen, was die Arbeitnehmervertreter und die Gewerkschaft auf den Plan rief: „Einen kopflosen Kahlschlag machen wir nicht mit.“
Im Zuge des geplanten Teilverkaufs der Stahlsparte an Kretinsky, der mit Konzernchef López den Erwerb eines 20-Prozent-Anteils vereinbart hat, strebt der tschechische Milliardär einen weiteren Kauf von 30 Prozent an, um ein 50:50-Joint-Venture zu erreichen. Die Gewerkschaft warf López Intransparenz bei den Verhandlungen vor und kritisierte, dass die Mitbestimmung bei den Verkaufsgesprächen umgangen wurde. Erneut kam es zum Konflikt, als der Aufsichtsrat des Industriekonzerns dem Einstieg von Kretinsky zustimmte – gegen den Willen der Arbeitnehmervertreter.
Das Dokument verlangt auch ein industrielles und finanzielles Konzept, das den Betrieb langfristig sichern und wettbewerbsfähig halten soll. Der Konzernvorstand und Kretinsky müssen dabei über jegliche Maßnahmen aufklären und darlegen, welche strategische Zielsetzung die EP Corporate Group (EPCG) des Milliardärs verfolgt. Außerdem soll es Auskünfte darüber geben, wie die Standortsicherung erfolgen soll, sobald der neue Businessplan für die Stahlsparte vorliegt. Eine weitere offene Frage ist die langfristige Beteiligung von Thyssen-Krupp an dem neuen Joint Venture und die Finanzierung des Umbaus, einschließlich der finanziellen Beiträge von Kretinsky und der Verantwortung im Falle einer Krise.
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Zur AktienanalyseDie verhärteten Fronten zwischen Belegschaft und Konzernführung sowie der Aufsichtsratsspitze wurden durch Entscheidungen, die gegen den Willen der Arbeitnehmervertreter getroffen wurden, weiter verschärft. So entschied Chefkontrolleur Siegfried Russwurm mit seiner Doppelstimme, dass der Vorstand auf fünf Köpfe erweitert wird, was zu einem Eklat im Aufsichtsrat führte. Diese und andere Konflikte zeigen, dass die Machtverhältnisse innerhalb des Konzerns weiterhin umstritten sind und einer Klärung bedürfen.


