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Thames Water vor Verstaatlichung: Warum steckt Großbritanniens größter Wasserversorger in der Krise?

Minister blockieren den 10-Milliarden-Pfund-Rettungsplan – eine Verstaatlichung von Thames Water rückt näher.

Thames Water vor Verstaatlichung: Warum steckt Großbritanniens größter Wasserversorger in der Krise?

Thames Water, der größte Wasserversorger Großbritanniens, steht vor einem möglichen Kollaps. Umweltministerin Emma Reynolds hat schriftlich Einspruch gegen einen von Kreditgebern vorgeschlagenen Rettungsplan in Höhe von 10 Milliarden Pfund erhoben. Damit rückt eine vorübergehende Verstaatlichung des Unternehmens, das rund 16 Millionen Menschen in London und Südengland versorgt, immer näher.

Seit drei Jahren kämpft Thames Water darum, einen finanziellen Zusammenbruch abzuwenden. Das Unternehmen leidet unter einem Schuldenberg von über 20 Milliarden Pfund, kämpft gleichzeitig mit maroder Infrastruktur, Lecks und illegalen Abwassereinleitungen. Im Mai letzten Jahres verhängte die Regulierungsbehörde Ofwat die höchste Geldstrafe ihrer Geschichte gegen Thames Water, nachdem festgestellt wurde, dass das Unternehmen „seine Kunden im Stich gelassen und den Umweltschutz versäumt" habe.

Der Rettungsplan und seine Kritiker

Die wichtigste Gläubigergruppe von Thames Water – bekannt als London & Valley Water – hat einen Rettungsplan vorgelegt, der frisches Kapital in Milliardenhöhe vorsieht. Der Deal würde zudem etwa die Hälfte des 20-Milliarden-Pfund-Schuldenbergs abschreiben. Im Gegenzug fordern die Kreditgeber jedoch Nachsicht bei künftigen Bußgeldern wegen Umweltverschmutzung – ein Punkt, der bei der Regierung auf erheblichen Widerstand stößt.

Ministerin Reynolds erklärte, sie sei besorgt, dass das Angebot „nicht genug tut, um die Verbraucher oder die Umwelt zu schützen". Sie wolle kein Szenario, in dem die Kunden von Thames Water „für das Versagen des Unternehmens aufkommen" müssten. Gleichzeitig betonte sie, sie „stehe für alle Eventualitäten bereit" – ein deutliches Signal, dass eine staatliche Übernahme nicht ausgeschlossen ist.

Ohne das frische Kapital wird Thames Water voraussichtlich innerhalb weniger Monate zahlungsunfähig sein. Dies würde das sogenannte „Special Administration Regime" (SAR) auslösen – eine Form der vorübergehenden Verstaatlichung, bei der staatlich bestellte Verwalter das Unternehmen weiterführen würden. Thames Water selbst lehnt diesen Weg ab und favorisiert eine „marktorientierte Lösung". Die Kreditgeber warnen, ein SAR würde lediglich „den Prozess der Sanierung neu starten", ohne die eigentlichen Probleme zu lösen.

Wie kam es zu dieser Krise?

Als Thames Water 1989 unter der konservativen Regierung von Margaret Thatcher privatisiert wurde, war das Unternehmen schuldenfrei. Thatcher erließ der Branche damals Schulden in Höhe von 5 Milliarden Pfund und stellte zusätzlich 1,5 Milliarden Pfund an öffentlichen Geldern zur Verfügung. Ziel war es, notwendige Milliarden-Investitionen zur Erfüllung europäischer Wasserqualitätsstandards aus dem Privatsektor zu finanzieren.

Im Laufe der Jahrzehnte häuften sich jedoch die Schulden dramatisch an. Besonders stark stiegen sie während der Eigentümerschaft der australischen Infrastrukturbank Macquarie: Bis zum Verkauf des Unternehmens im Jahr 2017 hatten die Schulden die Marke von 10 Milliarden Pfund überschritten. Macquarie betont, während dieser Zeit Milliarden Pfund in die Modernisierung der Infrastruktur investiert zu haben. Kritiker hingegen werfen dem Konzern vor, dem Unternehmen Milliarden in Form von Krediten und Dividenden entzogen zu haben.

Bis 2024 wurde Thames Water von einer Gruppe aus Pensionsfonds und Investmentfirmen kontrolliert. Viele schrieben ihre Beteiligungen in jenem Jahr auf Null ab – ein klares Signal, dass sie ihre Anteile für wertlos hielten. Seitdem befindet sich Thames faktisch unter der Kontrolle seiner Kreditgeber, darunter die US-Hedgefonds Elliott Management und Silver Point Capital sowie britische Finanzinstitute wie Aberdeen Investments und M&G. Ein Verkaufsversuch im Jahr 2025 scheiterte, nachdem der US-Private-Equity-Riese KKR seine Kaufpläne zurückzog.

Was bedeutet das für Kunden und Gebühren?

Für die Verbraucher gilt: Unabhängig davon, wer Thames Water letztendlich besitzt oder leitet, werden die Dienstleistungen nicht unterbrochen. Das Wasser wird weiterhin fließen, die Toilettenspülung wird funktionieren. Selbst im Insolvenzfall würden Haushalte weiterhin mit Trinkwasser und Abwasserdienstleistungen versorgt.

Die Frage der Gebühren ist jedoch brisant. Thames Water hat erklärt, dass die Rechnungen erhöht werden müssen, um die alternde Infrastruktur instand zu setzen – die durchschnittliche Jahresrechnung soll bis 2030 stark ansteigen. London & Valley Water argumentiert, ihr Rettungsplan würde die Rechnungen auf dem aktuellen Niveau halten, anstatt sie noch weiter zu erhöhen. Ein Sprecher der Gruppe bezeichnete den Vorschlag als „den schnellsten Weg, um die Ergebnisse für die Kunden und die Umwelt zu verbessern".

Thames Water selbst betonte, ein kommerzieller Deal sei weiterhin der „beste Weg, um die langfristige Stabilität zu sichern, die für die weitere Verbesserung der Leistung und die Vorantreibung unseres Turnaround-Plans erforderlich ist". Die Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens dürfte in den kommenden Wochen fallen – mit weitreichenden Konsequenzen für Millionen britischer Haushalte und die Debatte über die Privatisierung kritischer Infrastruktur.

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