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Thales übernimmt Exail Technologies für 3,9 Milliarden Euro

Der französische Rüstungskonzern Thales stärkt mit der Übernahme von Exail seine Kapazitäten in Unterseekriegsführung und Trägheitsnavigation.

Thales übernimmt Exail Technologies für 3,9 Milliarden Euro

Der französische Rüstungs- und Technologiekonzern Thales hat am Montag den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der Hochtechnologie-Industriegruppe Exail Technologies bekannt gegeben. Der vereinbarte Kaufpreis beträgt €134 pro Aktie, was einem Unternehmenswert von €3,9 Milliarden entspricht. Mit der Transaktion will Thales seine Kapazitäten in den Bereichen Unterseekriegsführung und Trägheitsnavigation gezielt ausbauen.

Konkret unterzeichnete Thales eine verbindliche Vereinbarung mit der Familie Gorgé über den Kauf ihres Anteils von insgesamt 35,51% an Exail. Der Kaufpreis beinhaltet einen Aufschlag von 44% gegenüber dem unbeeinflussten Schlusskurs von €93,15 am 25. Juni 2026 – dem Tag vor dem Bekanntwerden von Berichten über das Interesse Dritter an dem Unternehmen. Im Anschluss an die Transaktion folgt ein obligatorisches Übernahmeangebot für 100% der Exail-Aktien sowie für ODIRNANE-Anleihen zum gleichen Preis von €134 pro Aktie, vorbehaltlich der kartellrechtlichen und regulatorischen Genehmigungen.

Exail Technologies: Ein europäischer Technologiechampion

Exail Technologies ist kein unbeschriebenes Blatt in der europäischen Verteidigungsindustrie. Das Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2025 einen Umsatz von €479 Millionen und beschäftigt mehr als 2.200 Mitarbeiter. Exail belegt in Europa den ersten Platz bei Robotik zur maritimen Minenabwehr und weltweit den zweiten Platz bei Systemen für die Trägheitsnavigation in der Schifffahrt.

Besonders attraktiv für Thales dürfte der Status von Exail als ITAR-freie Gruppe sein. ITAR steht für die US-amerikanischen International Traffic in Arms Regulations – Exportkontrollvorschriften, die den internationalen Handel mit Rüstungsgütern regulieren. Als ITAR-freies Unternehmen kann Exail seine Dual-Use-Technologien für Verteidigungs- und zivile Zwecke ohne US-amerikanische Exportbeschränkungen in fast 80 Ländern vertreiben – ein erheblicher Wettbewerbsvorteil auf dem globalen Markt.

Synergien und Finanzielle Ziele

Thales prognostiziert bis 2032 kombinierte bereinigte EBIT-Synergien von mehr als €90 Millionen. Diese setzen sich aus kommerziellen Synergien zusammen, die innerhalb von zehn Jahren einen zusätzlichen Umsatz von €500 Millionen generieren sollen, sowie aus Kosteneffizienzen, die bis 2030 mehr als €60 Millionen zum zusätzlichen bereinigten EBIT beitragen werden.

Die Transaktion impliziert ein EV/EBIT-Multiple für 2027 von etwa dem 24-Fachen nach Kostensynergien und etwa dem 20-Fachen nach Berücksichtigung von Kosten- und Umsatzsynergien. Thales erwartet bereits im ersten Jahr nach der Übernahme einen positiven Beitrag zum bereinigten Ergebnis je Aktie – unter Ausschluss von Implementierungskosten und Kaufpreisallokationen. Die Kapitalrendite der Transaktion soll bis zum fünften Jahr die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten übersteigen.

Patrice Caine, Chairman und Chief Executive von Thales, erklärte, die beiden Unternehmen würden „unsere industrielle Hochtechnologiebasis und Innovation für unsere erstklassigen Kunden im Verteidigungs- und zivilen Bereich stärken und gleichzeitig die technologische Souveränität Europas festigen". Das Zitat unterstreicht die strategische Dimension der Übernahme, die weit über eine reine Finanztransaktion hinausgeht.

Solide Bilanz trotz Milliardendeal

Thales selbst ist ein globaler Schwergewichtler: Das Unternehmen beschäftigt mehr als 85.000 Mitarbeiter in 65 Ländern und wies für 2025 einen Umsatz von €22,10 Milliarden aus. Trotz des milliardenschweren Zukaufs bleibt die Bilanz stabil: Der Pro-forma-Nettoverschuldungsgrad für 2027 soll etwa das 0,7-Fache erreichen, wodurch das Investment-Grade-Kreditprofil erhalten bleibt. Die bestehende Dividendenpolitik wird durch die Transaktion nicht berührt.

Der Abschluss des ersten Anteilskaufs wird für das dritte Quartal 2027 erwartet. Das obligatorische Übernahmeangebot soll bis Anfang 2028 vollständig abgeschlossen sein. Für Anleger und Beobachter des europäischen Verteidigungssektors markiert diese Übernahme einen weiteren Schritt zur Konsolidierung der europäischen Rüstungsindustrie – in einem geopolitischen Umfeld, das die Nachfrage nach Verteidigungstechnologien nachhaltig antreibt.

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