Texas verklagt Netflix wegen Datenmissbrauch und Suchtförderung bei Kindern
Generalstaatsanwalt Ken Paxton wirft dem Streaming-Riesen vor, illegal Nutzerdaten zu sammeln und Kinder süchtig zu machen.

Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton hat am Montag Klage gegen Netflix eingereicht. Dem Streaming-Konzern wird vorgeworfen, ohne Zustimmung der Nutzer Daten gesammelt, seine Plattform gezielt suchtfördernd gestaltet und dabei jahrelang die Öffentlichkeit getäuscht zu haben.
Laut der Klageschrift habe Netflix gegenüber Verbrauchern fälschlicherweise behauptet, keine Nutzerdaten zu sammeln oder weiterzugeben. Tatsächlich soll das Unternehmen die Sehgewohnheiten und Vorlieben der Zuschauer systematisch verfolgt und verkauft haben – und damit jährlich Milliarden US-Dollar verdient haben.
Vorwurf: Dunkle Designmuster gegen Nutzer
Besonders schwerwiegend ist der Vorwurf, Netflix setze heimlich sogenannte „Dark Patterns" ein, um Nutzer möglichst lange an den Bildschirm zu fesseln. Als konkretes Beispiel nennt die Klageschrift die Autoplay-Funktion, die Videos automatisch weiterstartet und so das Abschalten erschwert.
In der Klageschrift heißt es wörtlich, das Ziel des Unternehmens sei es, „Kinder und Familien an den Bildschirm zu fesseln, ihre Daten zu ernten, während sie dort festsitzen, und diese Daten dann mit beträchtlichem Gewinn zu monetarisieren". Damit richtet sich die Klage nicht nur gegen den Datenschutzverstoß, sondern auch gegen die bewusste Ausnutzung psychologischer Mechanismen – insbesondere bei minderjährigen Nutzern.
Dark Patterns sind Designtricks in digitalen Produkten, die Nutzer zu bestimmten Verhaltensweisen verleiten sollen, die nicht in ihrem Interesse liegen. Sie stehen zunehmend im Fokus von Regulierungsbehörden weltweit, auch in der Europäischen Union.
Forderungen des Generalstaatsanwalts
Paxton fordert in seiner Klage konkrete Konsequenzen für Netflix. Im Einzelnen verlangt er:
- Löschung aller illegal gesammelten Daten
- Verbot der Nutzung dieser Daten für gezielte Werbung ohne ausdrückliche Zustimmung der Nutzer
- Zahlung von Zivilstrafen in Höhe von bis zu 10.000 US-Dollar pro Verstoß
Angesichts der potenziell millionenfachen Verstöße könnte sich die Gesamtsumme der Strafen auf einen erheblichen Betrag summieren. Netflix ist einer der größten Streaming-Dienste der Welt mit Hunderten Millionen Abonnenten.
Netflix weist Vorwürfe zurück
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Zur AktienanalyseDas Unternehmen reagierte umgehend auf die Klage. Ein Netflix-Sprecher erklärte, die Klage „entbehre jeder Grundlage und basiere auf ungenauen sowie verzerrten Informationen". Zudem betonte Netflix, dass es die Datenschutzgesetze an allen Standorten, an denen es tätig ist, einhalte.
Für Anleger kommt die Klage zu einem ohnehin schwierigen Zeitpunkt. Bereits im April 2026 hatten Netflix-Aktien nach einer schwachen Prognose deutlich nachgegeben. Die neue rechtliche Auseinandersetzung mit dem bevölkerungsreichen US-Bundesstaat Texas dürfte die Unsicherheit rund um den Streaming-Konzern weiter erhöhen.
Die Klage reiht sich in eine wachsende Welle staatlicher Maßnahmen gegen große Technologieunternehmen in den USA ein. Immer mehr Bundesstaaten gehen rechtlich gegen die Datenpraktiken von Tech-Konzernen vor – insbesondere wenn es um den Schutz von Kindern geht.


