Teva Pharmaceuticals: Starke Daten zu Austedo – Aktie noch ein Schnäppchen?
Neue Studiendaten stärken Tevas wichtigstes Wachstumsprodukt Austedo XR – doch die Jahresprognose enttäuscht die Wall Street.

Teva Pharmaceuticals befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel: Der israelische Pharmakonzern transformiert sich von einem klassischen Generikahersteller hin zu einem Unternehmen mit innovativen und margenstarken Medikamenten. Die Aktie hat in diesem Jahr bereits mehr als 10% zugelegt – und im vergangenen Jahr sogar mehr als 95%.
Am 8. Juni präsentierte Teva auf dem Psych Congress Elevate neue Daten zu seinen Therapien Austedo und Austedo XR (Extended Relief). Eine dreijährige Studie zeigte, dass mehr als 50% der Patienten mit Spätdyskinesie innerhalb von 15 Wochen eine Verbesserung bei der Kontrolle unwillkürlicher Bewegungen erzielten. Weitere 23% profitierten bei einer Langzeitbehandlung. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Austedo XR möglicherweise über seine bereits zugelassene Anwendung hinaus zur Behandlung von Chorea Huntington eingesetzt werden könnte.
Bereits am 5. Juni veröffentlichte Teva eine weitere Studie, die belegt, dass 60% bis 71% der Patienten mit Chorea Huntington unter Austedo oder Austedo XR eine Besserung erfuhren. Diese Datenlage liefert Ärzten eine starke therapeutische Grundlage, um Austedo gegenüber Konkurrenzprodukten zu bevorzugen – und sichert damit den Marktanteil für die kommenden Jahre.
Die Neuausrichtung wird profitabler
Im ersten Quartal 2026 meldete Teva einen Umsatz von 4 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders beeindruckend: Die innovativen Markenprodukte Austedo, das Migränemittel Ajovy und die langwirksame Schizophrenie-Therapie Uzedy steigerten ihren kombinierten Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 41%. Der Gewinn je Aktie (EPS) kletterte im Jahresvergleich sogar um 72% auf 0,31 US-Dollar.
Die neuen Medikamente gleichen damit die rückläufigen Generika-Verkäufe zunehmend aus. Die Non-GAAP-Bruttomarge weitete sich im ersten Quartal auf 52,9% aus. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Teva einen freien Cashflow von 2 bis 2,4 Milliarden US-Dollar, der aktiv zum Abbau der hohen Schuldenlast eingesetzt wird.
Im April übernahm Teva zudem Emalex Biosciences für 700 Millionen US-Dollar im Voraus. Damit sicherte sich das Unternehmen Ecopipam, einen Dopamin-D1-Rezeptor-Antagonisten, der noch in diesem Jahr zur FDA-Einreichung für das Tourette-Syndrom ansteht. Das Medikament hat bereits den Fast-Track-Status sowie den Orphan-Drug-Status der FDA erhalten. Parallel dazu prüft die FDA derzeit Tevas Antrag für eine langwirksame monatliche Olanzapin-Therapie zur Behandlung von Schizophrenie.
Enttäuschende Prognose und operative Risiken
Trotz der positiven Entwicklungen enttäuschte Tevas Gesamtjahresprognose die Wall Street. Das Unternehmen erwartet für 2026 einen Gesamtumsatz von 16,4 bis 16,8 Milliarden US-Dollar – was einem stagnierenden bis leicht rückläufigen Wachstum im Vergleich zu 2025 entspricht. Seit der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse am 29. April ist die Aktie um mehr als 3% gefallen.
Die Stagnation ist vor allem auf intensiven Generikawettbewerb zurückzuführen, der andere Portfoliobereiche belastet – etwa die Generika-Version des Krebsmedikaments Revlimid. Hinzu kommt ein Rückgang einmaliger Meilensteinzahlungen aus Partnerschaften, etwa mit Sanofi. Da Austedo XR eine so zentrale Rolle spielt, könnte jede Verlangsamung seiner Marktdurchdringung das kurzfristige Aufwärtspotenzial der Aktie begrenzen – zumindest bis die Immunologie-Pipeline der nächsten Generation ab 2027 in die Kommerzialisierung geht.
Ein weiteres Risiko: Anhaltende Konflikte im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus haben den Transport pharmazeutischer Wirkstoffe gestört. Steigende Energiekosten verteuern zusätzlich den Versand von Medikamenten – ein Faktor, der für den in Israel ansässigen Konzern besonders relevant ist.
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Zur AktienanalysePipeline mit weiteren Katalysatoren
Teva setzt nicht nur auf Austedo. Im März erhielt das Unternehmen die FDA-Zulassung für das Biosimilar Ponlimsi zur Behandlung von Osteoporose und Knochenschwund. Die Pipeline umfasst sechs weitere Biosimilars, für die in diesem Jahr behördliche Entscheidungen erwartet werden. Besonders vielversprechend ist Omalizumab, ein Biosimilar zu Xolair – dem von Novartis und Roche vermarkteten Mittel gegen chronische Nesselsucht.
Gemessen an diesen Perspektiven erscheint die Bewertung der Teva-Aktie mit weniger als dem 15-fachen des erwarteten Gewinns weiterhin attraktiv. Für Anleger, die bereit sind, kurzfristige Unsicherheiten zu tolerieren, bietet die Aktie angesichts der zahlreichen potenziellen Katalysatoren in diesem und den kommenden Jahren ein interessantes Chancen-Risiko-Profil.


