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Testosterontherapie: Was Soldaten und Patienten wissen müssen

Das US-Militär plant Testosteron-Tests bei Soldaten – ein Überblick über Nutzen, Risiken und medizinische Fakten der Therapie.

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Testosterontherapie: Was Soldaten und Patienten wissen müssen

Das US-Militär rückt die Testosteronersatztherapie in den Fokus einer neuen nationalen Debatte. Verteidigungsminister Pete Hegseth gab bekannt, dass Soldaten künftig auf ihren Testosteronspiegel getestet werden sollen – und bei Eignung eine Ersatztherapie erhalten. Ziel sei es, den Truppen zu helfen, mit ihrer „absoluten Bestleistung" zu agieren.

Die Initiative ist Teil eines umfassenderen Bestrebens der Trump-Administration, den öffentlichen Zugang zu Testosteronersatztherapien zu fördern. Pharmaunternehmen wie AbbVie, Pfizer und Marius Pharmaceuticals stellen entsprechende Präparate her. Auch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat die Testosterontherapie als Teil seines Anti-Aging-Programms angepriesen.

Der Trend spiegelt sich in den Verschreibungszahlen wider: Laut dem Marktforschungsunternehmen IQVIA stiegen die Verschreibungen von 7,3 Millionen im Jahr 2019 auf mehr als 11 Millionen im Jahr 2024. Männergesundheitskliniken, Telemedizin-Unternehmen und Online-Influencer bewerben Testosteron – auch als „T-maxxing" bekannt – als Mittel gegen Müdigkeit, Alterung und nachlassende Leistungsfähigkeit.

Für wen ist die Therapie tatsächlich gedacht?

Mediziner betonen, dass die Testosteronersatztherapie für eine engere Zielgruppe gedacht ist, als soziale Medien vermuten lassen. Sie ist im Allgemeinen für Männer mit klinisch diagnostiziertem Hypogonadismus vorbehalten – einem Zustand, bei dem der Körper nicht genügend Testosteron produziert. Typische Symptome sind verminderter Sexualtrieb, Müdigkeit, erektile Dysfunktion, depressive Stimmung, geringe Knochendichte sowie Verlust an Muskelmasse und Kraft.

Laut der American Urological Association wurde bei bis zu einem Drittel der Männer, die Testosteron einnehmen, nie formell ein Testosteronmangel diagnostiziert. Diese Patienten profitieren möglicherweise gar nicht von der Behandlung. Ärzte warnen daher ausdrücklich: Eine Testosterontherapie ist keine Universallösung für Energiemangel oder normales Altern.

Die Diagnose erfordert mehr als einen einzelnen Bluttest. Da der Testosteronspiegel im Tagesverlauf schwankt, empfehlen medizinische Leitlinien, niedrige Werte durch zwei separate morgendliche Blutentnahmen zu bestätigen. Zudem sollten Patienten auf potenzielle zugrunde liegende Ursachen untersucht werden – darunter Schlafapnoe, Schäden an den Hoden, Erkrankungen der Hypophyse, Krebsbehandlungen oder chronische Krankheiten. Der Testosteronspiegel kann auch bei starkem Stress, Krankheit oder intensiver körperlicher Anstrengung vorübergehend sinken und sich danach wieder normalisieren, so Dr. Richard Auchus, Professor für Innere Medizin an der University of Michigan.

Welche Vorteile bietet die Therapie – und welche Risiken?

Bei Männern mit klinisch bestätigtem Testosteronmangel kann die Behandlung nachweislich helfen: Sie kann den Sexualtrieb steigern, erektile Dysfunktion verbessern, zur Wiederherstellung von Muskelmasse und Knochendichte beitragen sowie das Energieniveau und die Stimmung heben. Auch das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche kann gesenkt werden. Die Therapie wird üblicherweise durch Injektionen, Gele, implantierbare Pellets oder orale Medikamente verabreicht.

Ob die Erhöhung des Testosterons bei Personen mit normalen oder nur leicht niedrigen Werten signifikante Vorteile bringt, ist hingegen weniger klar. Die Belege für Testosteron als breit angelegte Anti-Aging- oder leistungssteigernde Behandlung bleiben nach Einschätzung von Experten begrenzt.

Selbst bei geeigneten Patienten birgt die Therapie Risiken. Die Behandlung kann die Anzahl der roten Blutkörperchen erhöhen, was das Blut verdickt und das Risiko für Blutgerinnsel steigert. Eine große Studie aus dem Jahr 2023 – die bisher umfangreichste – fand zwar keine höhere Rate an Herzinfarkten oder Schlaganfällen im Vergleich zur Placebogruppe. Forscher beobachteten jedoch höhere Raten von Vorhofflimmern, akutem Nierenversagen und Lungenembolien. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Akne, Brustempfindlichkeit, Flüssigkeitseinlagerungen und eine Verschlechterung einer unbehandelten Schlafapnoe.

Besondere Herausforderungen beim Militär

Der Plan des US-Militärs wirft spezifische medizinische Fragen auf. Intensives militärisches Training, Schlafmangel und anhaltende körperliche Anstrengung können die Testosteronproduktion vorübergehend unterdrücken. In einer Studie mit US-Marines, die ein sogenanntes SERE-Training (Survival, Evasion, Resistance and Escape) absolvierten, sank der Testosteronspiegel während der Übung um etwa die Hälfte – erholte sich danach jedoch wieder.

Ein niedriger Testosteronwert bei Soldaten spiegelt also möglicherweise keinen dauerhaften Mangel wider, sondern eine vorübergehende Reaktion auf extreme Belastung. Dr. Auchus warnte zudem, dass eine Testosterontherapie langfristige Abhängigkeiten erzeugen kann: Da die Behandlung die natürliche Testosteronproduktion unterdrückt, könnten Soldaten nach längerer Therapie auf externe Zufuhr angewiesen sein – mit unklaren Folgen bei plötzlichem Versorgungsausfall im Einsatz.

Experten sind sich einig: Die Testosteronersatztherapie sollte nicht als Abkürzung zu verbesserter militärischer Leistungsfähigkeit betrachtet werden. Sie ist ein medizinisches Instrument mit klaren Indikationen – und ebenso klaren Grenzen.

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