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Tesco-Aktie: Schnelllieferdienst Whoosh wird zum Wachstumstreiber

Der britische Einzelhandelsriese Tesco hat die Bedrohung durch Schnelllieferdienste in eine Chance verwandelt. Mit seinem 20-Minuten-Lieferservice Whoosh verzeichnet das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 47 Prozent und gewinnt Marktanteile zurück.

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Tesco-Aktie: Schnelllieferdienst Whoosh wird zum Wachstumstreiber

Tesco hat sich im hart umkämpften britischen Lebensmittelmarkt neu positioniert. Der größte Supermarktbetreiber Großbritanniens macht mit seinem Schnelllieferservice Whoosh zunehmend Druck auf die Konkurrenz. In den 19 Wochen bis zum 3. Januar 2026 stiegen die Whoosh-Umsätze um beachtliche 47 Prozent im Jahresvergleich, während mehr als 250.000 Neukunden gewonnen wurden.

Die Erfolgsgeschichte von Whoosh begann vor dem Hintergrund eines gescheiterten Booms von Lieferdienst-Start-ups. Während der COVID-19-Pandemie drängten zahlreiche Anbieter wie Getir, Gorillas und Weezy auf den Markt. Doch steigende Kapitalkosten und anhaltende Verluste führten zu einer Marktbereinigung. Der türkische Anbieter Getir zog sich 2024 komplett aus Großbritannien zurück und hinterließ eine Lücke, die Tesco geschickt füllte.

Strategischer Vorteil durch bestehendes Filialnetz

Tescos Wettbewerbsvorteil liegt in seiner bestehenden Infrastruktur. Whoosh operiert von 1.600 Tesco-Filialen aus, darunter 180 große Märkte, und erreicht damit über 70 Prozent der britischen Haushalte. Tesco-Mitarbeiter kommissionieren die Bestellungen, während Partnerunternehmen wie Uber Eats, Just Eat Go und Stuart die Auslieferung innerhalb von 20 Minuten übernehmen. Online-Direktor Rob Graham betonte gegenüber Reuters, dass das Unternehmen den Service schnell skalieren konnte, indem es vorhandene Strukturen nutzte.

Die Integration von Whoosh zahlt sich auch für das gesamte Online-Geschäft aus. Der Online-Umsatz von Tesco stieg im gleichen Zeitraum um 11,2 Prozent. Mit einem Marktanteil von etwa 37 Prozent im britischen Online-Lebensmittelhandel ist Tesco klarer Marktführer. Das Institute of Grocery Distribution schätzt den britischen Quick-Commerce-Markt 2025 auf 2,4 Milliarden Pfund (2,8 Milliarden Euro) und prognostiziert eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 10,1 Prozent bis 2030.

Rückkehr zu alter Stärke

Tesco arbeitet daran, verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Der Gesamtmarktanteil im britischen Lebensmittelhandel lag im Januar bei 28,7 Prozent – ein Anstieg um 20 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr. Seinen Höhepunkt erreichte Tesco im Dezember 2007 mit 31,6 Prozent, bevor die deutschen Discounter Aldi und Lidl mit aggressiven Preisstrategien Marktanteile eroberten. Intern hat sich Tesco das Ziel gesetzt, wieder die 30-Prozent-Marke zu erreichen, die zuletzt 2013 erreicht wurde.

Großinvestoren halten dieses Ziel für realistisch. Kunal Kothari, UK Equity Portfolio Manager bei Aviva Investors, einem Top-20-Aktionär, sieht keinen Grund, warum Tesco nicht weiterhin 20 bis 30 Basispunkte pro Jahr hinzugewinnen sollte. Julian Bishop vom Brunner Investment Trust betont, dass Tesco "etwa 50 Prozent des gesamten Gewinns im britischen Lebensmittelmarkt hält" und sich in einer "sehr starken, marktbeherrschenden Position" befinde.

Bewertungsabschlag zur US-Konkurrenz

Trotz der positiven Geschäftsentwicklung notieren Tesco-Aktien mit einem deutlichen Abschlag zu internationalen Wettbewerbern. Während Walmart mit dem mehr als 40-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt wird, liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Tesco bei etwa 15. Die Aktie legte im Jahresvergleich zwar um 16 Prozent zu, doch Analysten sehen weiteres Aufwärtspotenzial, sollte das Unternehmen seine Marktführerschaft weiter ausbauen.

Ben Preston, Fondsmanager bei Orbis Investments, sieht wenig Risiko eines schädlichen Preiskampfs, da Konkurrenten wie Asda und Morrisons hoch verschuldet seien. Seine größte Sorge sei, dass Tesco den Fokus verlieren könnte. CEO Ken Murphy, der vor fünf Jahren noch vor dem "Tod durch tausend Nadelstiche" durch Lieferdienst-Start-ups warnte, mahnt zur Wachsamkeit: "Nicht zu übermütig werden."

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