Teppich von Bayeux als Modell für Parthenon-Skulpturen-Rückgabe
Die französische Leihgabe des Teppichs von Bayeux könnte als Vorlage für eine britisch-griechische Einigung über die Parthenon-Skulpturen dienen.

Die Entscheidung Frankreichs, den fast 1.000 Jahre alten Teppich von Bayeux an das British Museum zu verleihen, gilt als gelungenes Beispiel für kreative Kulturdiplomatie. Sie stärkt die Bindungen zwischen befreundeten Staaten und generiert dringend benötigte Einnahmen für Museen. Nun sehen Experten darin eine Vorlage für eine mögliche Einigung zwischen Großbritannien und Griechenland über die berühmten Parthenon-Skulpturen.
Der Autor und Seniorberater am Centre for Humanitarian Dialogue argumentiert, dass das Vereinigte Königreich die Chance nutzen sollte, eine ähnliche Vereinbarung mit Griechenland zu treffen. Die Marmorskulpturen, die einst den Parthenon in Athen schmückten – das Symbol der antiken griechischen Zivilisation und des modernen griechischen Nationalstolzes –, befinden sich seit über 200 Jahren in britischem Besitz und werden im British Museum ausgestellt.
Das Modell der Leihgabe
Premierminister Andy Burnham unterstützt seit Langem die Rückgabe der Skulpturen. „Schickt sie zurück, ohne Bedingungen. Und lasst uns die Kultur nutzen, um die Wahrnehmung Großbritanniens in der Welt zu verändern", sagte er im Jahr 2023. Eine Leihgabe nach dem Vorbild des Teppichs von Bayeux könnte dabei als pragmatischer Kompromiss dienen, der sowohl britische als auch griechische Interessen berücksichtigt.
Die Tragweite einer solchen Vereinbarung könnte jedoch weit über die bloße Leihgabe hinausgehen. Eine Ausstellung der Skulpturen in Griechenland könnte eine umfassendere Kulturpartnerschaft unter dem Dach eines sogenannten „kosmopolitischen Commonwealth" anstoßen. Dieses würde den wechselseitigen Austausch selten gezeigter antiker griechischer Artefakte, den Einsatz moderner Technologie zur Aufwertung antiker Kulturgüter sowie eine Reihe sozialer und wirtschaftlicher Aspekte einer gestärkten britisch-griechischen Partnerschaft umfassen.
Das gesetzliche Hindernis
Bisher haben aufeinanderfolgende britische Regierungen argumentiert, dass der Streit Angelegenheit der Treuhänder des British Museum sei. Diese wiederum machen geltend, dass der British Museum Act von 1963 sie daran hindere, Stücke aus ihrem Sammlungsbestand abzugeben. Eine Leihgabe wäre nach dem Gesetz theoretisch möglich, doch Griechenland hat dies bisher abgelehnt – mit der Begründung, dass dies den britischen Eigentumsanspruch bestätigen würde.
Berichte über Gespräche zwischen George Osborne, dem Vorsitzenden des Kuratoriums des British Museum, und dem griechischen Außenminister Giorgos Gerapetritis scheinen ins Stocken geraten zu sein. Burnham könnte dies ändern, indem er eine Gewissensabstimmung im Parlament über eine Ausnahmeregelung zum Gesetz am Ende der Leihfrist verspricht. Die Leihfrist könnte drei Jahre betragen und einmalig verlängert werden.
Chancen durch parallele Renovierungen
Ein praktischer Anlass für eine solche Vereinbarung könnte sich durch Renovierungsarbeiten ergeben. Der Teppich von Bayeux war in einem eigenen Museum in der Normandie ausgestellt, bis dieses im vergangenen Jahr wegen Renovierungsarbeiten geschlossen wurde. Im British Museum werden im kommenden Jahr oder in zwei Jahren ebenfalls mehrere Galerien wegen Renovierung geschlossen, sofern die Finanzierung gesichert werden kann.
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Zur AktienanalyseGleichzeitig werden viele Artefakte des Nationalen Archäologischen Museums in Athen – darunter die goldene mykenische Maske des Agamemnon – vorübergehend ausgelagert, da auch dieses Museum wegen Renovierung schließt. Das Zusammentreffen der Renovierungsarbeiten in Athen und London bietet die Gelegenheit für eine Reihe wechselseitiger Leihgaben, die das Interesse der Besucher wecken und Einnahmen für die Museen in beiden Ländern generieren würden.
Der vorgeschlagene Ansatz hätte mehrere Vorteile: Er würde Burnham ermöglichen, sein öffentliches Versprechen zur Rückgabe einzulösen, die geopolitischen Vorteile in den Beziehungen zu Europa zu nutzen und die Kritik von Rückgabegegnern zu umgehen. Zudem schafft er ein Zeitfenster, in dem beide Länder Vertrauen aufbauen können. Als gezielte Ausnahmeregelung statt einer Aufhebung des Gesetzes verhindert er außerdem eine künftige Lawine von Bestandsabgängen aus britischen Museen.
Auf griechischer Seite kann die Regierung die befristete Leihgabe der Wählerschaft als bestmögliche Chance für eine letztlich dauerhafte Rückkehr der Skulpturen präsentieren. Die Formel eines „kosmopolitischen Commonwealth" verlagert den Fokus der Debatte weg von juristischen Argumenten hin zur Restaurierung und der gesteigerten kulturellen Bedeutung der Artefakte – und erleichtert letztlich die Erweiterung des Kreises der Länder, die Kulturschätze miteinander teilen.


