Tencent verfehlt Gewinnziele: KI-Investitionen belasten Quartalsergebnis
Tencents Aktie fiel um 3,8 Prozent, nachdem der Technologieriese im zweiten Quartal die Gewinnerwartungen deutlich verfehlte.

Die Aktien von Tencent Holdings (HK: 0700) gerieten am Donnerstag unter erheblichen Druck. Die Papiere verloren 3,8 Prozent auf HK$444 und entwickelten sich damit deutlich schwächer als der Hang Seng Index, der nahezu unverändert schloss. Auslöser war ein nach Börsenschluss am Mittwoch veröffentlichter Quartalsbericht, der bei Anlegern Sorgen über die wachsende Kostenlast durch Künstliche Intelligenz weckte.
Der den Aktionären zuzurechnende Gewinn stieg im zweiten Quartal lediglich um 0,7 Prozent auf RMB 56,0 Milliarden. Damit verfehlte Tencent den Visible-Alpha-Konsens von RMB 58,5 Milliarden um rund 4 Prozent. Beim Umsatz zeigte sich hingegen ein anderes Bild: Dieser wuchs um 11 Prozent auf RMB 204,8 Milliarden und übertraf die Konsenserwartung von RMB 202,7 Milliarden leicht. Die Schwäche lag damit klar unterhalb der Umsatzlinie und spiegelt keine allgemeine Verlangsamung des Kerngeschäfts wider.
KI-Investitionen reißen Loch in den Cashflow
Besonders auffällig war der sprunghafte Anstieg der Investitionsausgaben. Im zweiten Quartal kletterten diese auf RMB 52,8 Milliarden – nach RMB 31,9 Milliarden im ersten Quartal. Tencent investierte massiv in Rechenkapazitäten für seine KI-Modelle sowie für Initiativen wie WorkBuddy, CodeBuddy und Weixin. Die Folge: Der freie Cashflow rutschte mit RMB 13,8 Milliarden in den negativen Bereich.
Das Unternehmen begründete die hohen Ausgaben mit dem Aufbau der notwendigen Infrastruktur, um die steigende Nutzung seiner KI-Modelle und Anwendungen künftig in Umsätze umzuwandeln. Im Juli brachte Tencent die Produktionsversion seines Hy3-Modells auf den Markt. WorkBuddy und CodeBuddy verzeichneten laut Unternehmensangaben ein schnelles Nutzerwachstum.
Kerngeschäfte zeigen sich robust
Trotz der Gewinnmisere blieben die operativen Segmente vergleichsweise stark. Der Umsatz im Bereich Marketing Services legte um 22 Prozent zu, gestützt durch KI-gestützte Werbetools. Das inländische Spielegeschäft wuchs um 17 Prozent. Die Sparten FinTech und Business Services verzeichneten ein Umsatzplus von 9 Prozent, teilweise getrieben durch die Nachfrage nach KI-bezogenen Cloud-Diensten.
Trotz des intensivierten Investitionszyklus hielt Tencent an seiner Aktionärsvergütung fest. In der ersten Jahreshälfte zahlte das Unternehmen RMB 41,7 Milliarden als Bardividende aus – gegenüber RMB 37,7 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Zusätzlich wurden im Berichtszeitraum Aktien zurückgekauft und eingezogen.
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Zur AktienanalyseWettbewerb mit ByteDance und Alibaba verschärft sich
Die Marktreaktion verdeutlicht ein grundlegendes Dilemma: Tencent investiert in einem zunehmend wettbewerbsintensiven KI-Rennen gegen chinesische Rivalen wie ByteDance und Alibaba massiv in Infrastruktur, ohne bislang einen vergleichbaren Ertragsbeitrag seiner neueren KI-Produkte nachweisen zu können. Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage offen, wann und in welchem Ausmaß sich die milliardenschwere Investitionsoffensive in nachhaltige Gewinne ummünzen lässt.


