ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Tech-Schere: Warum Chip-Aktien Software-Werte gerade abhängen

IBM-Schock, Korrelationsbruch und eine neue Börsenlogik: Was der Kurssturz für Privatanleger bedeutet.

Tech-Schere: Warum Chip-Aktien Software-Werte gerade abhängen

Geopolitische Spannungen zwischen dem Iran und den USA, ein Ölpreis, der innerhalb eines Tages so stark anzog wie seit sechs Jahren nicht mehr – und an der Börse ein Déjà-vu: Europäische und asiatische Aktien gaben nach, während sich US-Indizes erstaunlich robust zeigten. Doch bei genauerem Hinsehen befindet sich der Markt in einer fundamental anderen Phase als noch im Frühjahr.

Damals verkauften Anleger Software-Aktien aus Angst, Künstliche Intelligenz könnte das Geschäftsmodell der großen Softwarekonzerne gefährden. Heute verkaufen sie aus dem Wissen, dass dieses Szenario zumindest bei einem Unternehmen bereits eingetreten ist: IBM.

Der IBM-Schock und seine Folgen

Konzernchef Arvind Krishna löste mit einem einzigen Investorenbrief ein Beben aus. Darin gab er enttäuschende vorläufige Quartalsergebnisse bekannt und erklärte, Kunden investierten zuletzt lieber in KI-Infrastruktur und Speicherchips als in IBM-Produkte. Die Reaktion war brutal: Die IBM-Aktie stürzte um 25 Prozent ab, der Börsenwert schrumpfte um rund 70 Milliarden Dollar.

Der Schaden blieb nicht auf IBM beschränkt. ServiceNow verlor zeitweise knapp acht Prozent, SAP immerhin sechs Prozent. Beide Titel konnten das Minus im Tagesverlauf zwar wieder aufholen – doch das Warnsignal ist gesetzt. Mitten in der laufenden US-Berichtssaison, in der Kursschwankungen ohnehin zunehmen, hat IBM anderen Softwarekonzernen vorgeführt, was droht, wenn Wachstumserwartungen verfehlt werden. Viele Anleger dürften künftig beim kleinsten Anzeichen einer Enttäuschung verkaufen – aus der Angst, einen zweiten „IBM-Moment" zu erleben.

Das Kapital, das aus IBM abfloss, landete sichtbar bei den Chipherstellern. Die an der Nasdaq frisch gelistete Aktie des südkoreanischen Speicherchip-Riesen SK Hynix legte am Dienstag um fast 27 Prozent zu. Auch Wettbewerber Micron und Sandisk profitierten mit Aufschlägen von fünf beziehungsweise sieben Prozent.

Eine historische Korrelation bricht auf

Was dabei auffällt, ist eigentlich ungewöhnlich – denn historisch liefen Chip- und Software-Aktien keineswegs gegenläufig. Ein Vergleich des Philadelphia Semiconductor Index mit dem Expanded Software-Tech-ETF zeigt: Seit 2002 lag der Korrelationskoeffizient beider Branchen meist zwischen 0,6 und 0,8, im Schnitt bei 0,76. Das bedeutet: Beide Sektoren entwickelten sich über Jahrzehnte hinweg sehr ähnlich.

Das hat einen logischen Grund. Softwareunternehmen benötigen technische Infrastruktur, um ihre Cloud-Dienste zu betreiben. Je mehr Unternehmen digitale Lösungen nutzen, desto größer die Nachfrage nach Halbleitern. Beide Branchen profitieren von einer digitaleren Weltwirtschaft und reagieren ähnlich auf makroökonomische Faktoren wie Leitzinsveränderungen.

Doch seit diesem Jahr verändert sich das Bild deutlich. Die Korrelation ist auf gerade noch 0,13 gesunken – die beiden Sektoren entwickeln sich damit nahezu unabhängig voneinander. Ob aus dem langjährig positiven Zusammenhang sogar ein negativer wird, bleibt abzuwarten. Dass Chip-Werte in den vergangenen zwei Handelstagen ebenfalls nachgaben, zeigt jedenfalls, wie fragil dieser neue Trend noch ist.

Was Privatanleger jetzt beachten sollten

Für Anleger ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Nur weil Software-Aktien derzeit an der Börse abgestraft werden, sind die dahinterstehenden Unternehmen nicht automatisch schlecht aufgestellt. Innerhalb des Sektors lassen sich durchaus vielversprechende und inzwischen auch günstig bewertete Titel finden, die fundamental stark dastehen.

Wer das Risiko scheut, dem bleibt in den kommenden Wochen vor allem eines: Ruhe bewahren – und vielleicht nicht jeden Tag ins Depot schauen.

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