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Tech-Aktien im Ausverkauf: Was Privatanleger jetzt wissen müssen

Ein massiver Absturz bei Tech-Aktien erschüttert den Markt – Experten erklären die Hintergründe und warnen vor emotionalen Fehlentscheidungen.

Tech-Aktien im Ausverkauf: Was Privatanleger jetzt wissen müssen

Der Tech-Sektor erlebt einen heftigen Ausverkauf. Innerhalb von 48 Stunden brachen zahlreiche Aktien ein, die in den vergangenen sechs bis 18 Monaten zu den gefragtesten am Markt gehörten. Betroffen sind Speicherchip-Hersteller, Ausrüster und Streaming-Giganten gleichermaßen. Als mögliche Auslöser gelten ein neues KI-Modell namens Kimi aus China sowie die laufende Berichtssaison.

Die Motley-Fool-Analystin Emily Flippen erklärt das Phänomen mit einem gemeinsamen Nenner: „Viele der Aktien, die massiv im Minus liegen, sind bei Privatanlegern sehr populär." Wer ohne klare Investmentthese eingestiegen sei – getrieben von FOMO (Fear of Missing Out) oder dem allgemeinen Hype – neige dazu, beim ersten Gegenwind in Panik zu verfallen. Unterschiedliche Unternehmen wie Netflix, Micron oder IBM seien zwar aus verschiedenen Gründen unter Druck geraten, doch der gemeinsame Antreiber sei schlicht die Angst der Anleger.

Lou Whiteman, ebenfalls bei Motley Fool, relativiert die Dramatik mit einem nüchternen Blick auf die Zahlen: Micron etwa notiere lediglich auf dem Niveau von Anfang Juni, IBM sei auf den Stand von Mai zurückgefallen. „Auf dem Weg nach oben nehmen wir es als selbstverständlich hin, und auf dem Weg nach unten geraten wir in Panik. Das ist kein gesundes Investieren", so Whiteman.

Psychologie des Verlustes: Warum Rückgänge doppelt so schmerzen

Flippen verweist auf psychologische Forschungsergebnisse, die dieses Verhalten erklären: Anleger empfinden Verluste im Durchschnitt doppelt so stark wie vergleichbare Gewinne. Ein Kursrückgang von 20 Prozent schmerzt also subjektiv deutlich stärker, als ein Anstieg von 20 Prozent Freude bereitet. „Es ist verständlich, wenn viele Leute große Angst haben und förmlich Schmerz über das empfinden, was in ihren Portfolios passiert", so Flippen.

Besonders besorgniserregend ist für die Analystin ein weiterer Trend: FINRA meldete zuletzt mehr als 500 Millionen US-Dollar an neu aufgenommenen Margin-Krediten bei US-Banken – hauptsächlich von Privatanlegern. Immer mehr Kleinanleger handelten mit Optionen oder auf Margin, was Flippen als problematisch einstuft. „Immer mehr Menschen neigen dazu, Investieren wie Glücksspiel zu betrachten. Diese beiden Dinge sind in meinen Augen sehr verschieden."

Travis Hoium ergänzt eine wichtige Perspektive zur Interpretation von Quartalsergebnissen: Viele Privatanleger wunderten sich, warum eine Aktie trotz guter Zahlen falle. Der Grund liege darin, dass der Markt ein vorausschauender Mechanismus sei, der die Lage in sechs bis 18 Monaten einpreise. Wer hingegen einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren einnehme, könne genau dort einen Vorteil erzielen – den sogenannten Alpha.

Der größte Vorteil des Privatanlegers: Zeit

Flippen bringt es auf den Punkt: Der entscheidende Vorteil von Privatanlegern gegenüber institutionellen Investoren ist die Freiheit, langfristig zu denken. Fondsmanager müssen quartalsweise Ergebnisse liefern, sonst ziehen Kunden ihr Kapital ab. Privatanleger hingegen sind niemandem außer sich selbst gegenüber rechenschaftspflichtig. „Warum sollten Sie als Privatanleger Ihr wichtigstes Kapital aufgeben – nämlich Ihre langfristige Sichtweise – und anfangen, auf der Grundlage von kurzfristigem Rauschen zu handeln? So programmieren Sie sich selbst auf Misserfolg."

Whiteman zitiert in diesem Zusammenhang den bekannten Finanzautor Morgan Housel: Der Vorteil des Privatanlegers bestehe darin, das eigene Spiel zu spielen. Als Beispiel nennt er den Ausverkauf von Bankaktien nach dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank. Analysten hätten damals zu Recht auf kurzfristige Risiken hingewiesen – doch wer einen langen Atem hatte und solide Institute identifizierte, fand dort eine Kaufgelegenheit.

Die Botschaft der Experten ist klar: Kurzfristige Marktschwankungen gehören zum Investieren dazu. Wer eine fundierte These für seine Investments hat und einen langen Zeithorizont mitbringt, sollte Ausverkäufe wie den aktuellen eher als Chance denn als Bedrohung betrachten – auch wenn das in der Praxis leichter gesagt als getan ist.

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