TD Bank überwacht Mitarbeiter mit Software zur Aktivitätsverfolgung
Die kanadische Großbank TD informiert Beschäftigte über den Einsatz von WorkiQ – einem Tool, das Browserzeiten und App-Nutzung erfasst.

Die kanadische TD Bank hat ihre Mitarbeiter über den Einsatz einer Überwachungssoftware namens WorkiQ informiert. Das Tool des Anbieters ActiveOps erfasst die Zeit, die Beschäftigte in Browsern sowie in internen Chat- und Meeting-Anwendungen verbringen. TD bezeichnete den Einsatz in einer Stellungnahme gegenüber Reuters als „branchenübliche Praxis".
In einem Telefonat mit ihrem Team erklärte Deanna Pacitti, Associate Vice President für Hochrisiko-Untersuchungen bei TD, den Zweck des Tools: „Die Idee ist, dass es Schwachstellen aufzeigt, also wo wir zu viel Zeit verbringen. Wir wissen, dass wir in unseren Systemen viele Schwachstellen haben." Die Software laufe im Hintergrund und habe eine Datenschutzprüfung durchlaufen, so Pacitti.
TD betonte, dass WorkiQ keine Gespräche in Meetings mithöre, sondern lediglich anzeige, ob ein Mitarbeiter aktiv an einer Besprechung teilnehme. In einem weiteren Beispiel erläuterte Pacitti, das Tool erfasse zwar, wenn jemand in Excel arbeite – nicht aber, was genau in der Anwendung getan werde.
Transparenz und Datenschutz im Fokus
In einem undatierten FAQ-Dokument, das Reuters vorliegt, teilte TD den Mitarbeitern mit, dass WorkiQ Managern helfen solle, die in einer Remote-Arbeitsumgebung verlorene Transparenz zurückzugewinnen. Das Dokument beantwortet Fragen wie „Kann ich während meiner Mittagspause das Internet nutzen?" und „Wie viel Zeit eines Kollegen sollte im Laufe des Tages erfasst sein?". TD erklärte darin, es gebe ein akzeptables Maß an nicht erfasster Zeit und das Unternehmen arbeite daran, entsprechende Zeiterwartungen festzulegen.
Während des Telefonats äußerten Mitarbeiter Bedenken hinsichtlich Datenschutz, der Art der erfassten Daten und einer möglichen Nutzung für das Leistungsmanagement. Ein Beschäftigter merkte an, es wäre hilfreicher, die für die Überwachung aufgewendeten Ressourcen stattdessen zur Vereinfachung manueller Prozesse einzusetzen. Pacitti stimmte zu: „Wir haben viel zu viele manuelle Abläufe. Ich kann nur hoffen, dass dies diesen Punkt weiter untermauern wird."
TD erklärte offiziell: „In verschiedenen Bereichen unseres Unternehmens nutzen wir automatisierte Lösungen, um Erkenntnisse zu verbessern und Ressourcen besser zuzuweisen. Dies ist keine KI und nicht auf ein bestimmtes Geschäft oder eine Angelegenheit bezogen." Wo das Tool eingesetzt werde, würden die Mitarbeiter darüber informiert. Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Privatsphäre seien getroffen worden.
Hintergrund: Compliance-Ausbau nach Rekordstrafe
TD hat seine Abteilung für Finanzkriminalität und Compliance in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. Hintergrund ist eine Rekordstrafe wegen Verstößen gegen Geldwäschebestimmungen in den USA sowie die höchste derartige Strafe, die jemals gegen eine Großbank in Kanada verhängt wurde. Die meisten TD-Mitarbeiter arbeiten seit der Pandemie auf hybrider Basis zwischen Büro und Homeoffice.
Reuters konnte nicht feststellen, wie viele Mitarbeiter von der Überwachung betroffen sind oder ob diese sich ausschließlich in Kanada befinden. Einer anonymen Quelle zufolge nahmen 90 bis 100 Personen an dem Telefonat teil – eine Zahl, die Reuters nicht unabhängig bestätigen konnte. ActiveOps, der Anbieter von WorkiQ, reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
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Zur AktienanalyseBranchenweiter Trend zur Mitarbeiterüberwachung
Der Fall TD steht nicht allein. Die Financial Times berichtete im März, dass JPMorgan, die größte US-Bank, damit begonnen habe, die Arbeitsstunden ihrer Junior-Investmentbanker zu überwachen – mit der Begründung, dies diene deren eigenem Wohlbefinden. Auch Meta ruderte zuletzt bei ähnlichen Plänen zurück: Der Konzern hatte laut einem Reuters vorliegenden internen Memo geplant, Mausbewegungen, Tastaturanschläge und andere Aktionen von Mitarbeitern als KI-Trainingsdaten zu erfassen. Nach wochenlangem Widerstand der Belegschaft wurden diese Pläne teilweise zurückgezogen.
Unternehmen weltweit sehen sich damit zunehmend mit dem Widerstand ihrer Belegschaft gegen Überwachungssoftware konfrontiert – ein Spannungsfeld zwischen betrieblicher Effizienz und dem Schutz der Privatsphäre am Arbeitsplatz, das auch für deutsche Arbeitnehmer und Unternehmen zunehmend relevant wird.

