Tartan Army in Boston: Schottische Fans feiern WM-Sieg gegen Haiti
Zehntausende schottische Fans erfüllten sich in Boston einen 28 Jahre alten Traum – mit Kilts, Dudelsäcken und einem historischen Lärmrekord.

Es war ein Versprechen aus dem Sommer 1998: Als Schottland bei der Weltmeisterschaft in Frankreich gegen Marokko ausschied, schworen sich eine Gruppe 15-jähriger Freunde, beim nächsten WM-Auftritt ihrer Mannschaft persönlich dabei zu sein. 28 Jahre später lösten sie dieses Versprechen ein – in Boston, Massachusetts, beim FIFA-Weltturnier 2026.
Der Autor Jamie Lafferty schildert in der Financial Times, wie er mit zehn Freunden nach Boston reiste, um Schottlands Eröffnungsspiel zu erleben. Viele von ihnen sind inzwischen Väter, einige brachten ihre eigenen Söhne mit. Der Kilt von damals passt noch – das war für Lafferty Beweis genug, dass das Abenteuer sich lohnte.
Die Tartan Army erobert Boston
In den Tagen vor dem Spiel verwandelte die sogenannte Tartan Army – wie die schottischen Fußballfans seit den 1970er Jahren genannt werden – die Stadt Boston in ein schottisches Fest. Auf dem Boston Common, dem ältesten Park Amerikas, versammelten sich Kilt-Träger, während Lieder über Mittelfeldspieler John McGinn von den umliegenden Wolkenkratzern widerhallten. Ein besonderer Moment: Rund 10.000 schottische Fans marschierten hinter 25 Dudelsackpfeifern zum Fenway Park der Boston Red Sox und sorgten dort für Verwirrung und Begeisterung zugleich.
Die Stimmung in der Stadt war ausgelassen. Senator Julian Cyr hatte Boston zuletzt eine „Spaßkrise" attestiert – die Tartan Army schien das Problem zumindest vorübergehend zu lösen. Ein Barkeeper der Bell In Hand Tavern brachte es auf den Punkt: „Wir haben euch Jungs hier einfach gebraucht!"
Friedlich feiern als Markenzeichen
Der Name Tartan Army war einst mit Rowdytum verbunden. Besonders das Spiel von 1977 in Wembley blieb in Erinnerung, als siegreiche schottische Fans das Spielfeld stürmten, Torpfosten einschlugen und Rasenstücke als Souvenirs mitnahmen. Seit den frühen 1980er Jahren hat sich das Bild jedoch grundlegend gewandelt. Friedlicher Enthusiasmus und Freundlichkeit gegenüber Einheimischen sind seither das Markenzeichen der schottischen Fankultur.
In Boston lächelten die Fans der örtlichen Polizei zu und luden Beamte ein, ihre Trikots anzuprobieren. Das Kalkül dahinter ist einfach: Wer sich mit Einheimischen anfreundet, keine Bars zertrümmert und nicht endlos über Weltkriege singt, beendet das Turnier beliebter als die englischen Fans – selbst wenn die eigene Mannschaft nicht glänzt.
Logistik-Chaos und ein historischer Lärmrekord
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Zur AktienanalyseDie Anreise zum Spiel selbst gestaltete sich beschwerlich. Das Gillette Stadium, für die WM in „Boston Stadium" umbenannt, liegt tatsächlich 30 Meilen südwestlich der Stadt. Der offizielle Fanzug kostete 80 Dollar – das Vierfache des normalen Preises – und wurde von Lafferty als „mühsame Farce vom ersten bis zum letzten Moment" beschrieben. Fehlende Toiletten und überteuerte Tickets sorgten für Unmut, doch die Stimmung blieb ungebrochen.
Im Stadion selbst wurde Geschichte geschrieben: 55 Sekunden nach Beginn der schottischen Nationalhymne „Flower of Scotland" wurde mit 125 Dezibel ein neuer Lärmrekord für Weltmeisterschaften aufgestellt. Die Intensität war so gewaltig, dass Lafferty nach eigenen Angaben Sterne vor den Augen sah und ihm die Tränen kamen.
Am Ende gewann Schottland das Spiel gegen Haiti mit 1:0. Für die Gruppe alter Freunde, die sich seit den 1990er Jahren kaum verändert hat, war es mehr als ein Fußballspiel – es war die Einlösung eines Jugendversprechens und für ein paar Stunden das Gefühl, wieder 15 und unsterblich zu sein.


