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Tarifverträge stärken Beschäftigte unterschiedlich stark

Große regionale und branchenspezifische Unterschiede bei Löhnen, Arbeitszeiten und Tarifbindung in Deutschland

Tarifverträge stärken Beschäftigte unterschiedlich stark

Knapp die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland arbeitete im vergangenen Jahr in tarifgebundenen Betrieben. Wie das Statistische Bundesamt bekannt gab, lag die Quote damit auf einem konstanten Niveau im Vergleich zu den Vorjahren. Regional sowie branchenbezogen gibt es jedoch deutliche Unterschiede bei der Verbreitung von Tarifverträgen. Während Bremen mit einer Tarifbindungsquote von 56 Prozent deutschlandweit die höchste Abdeckung aufweist, folgt das Saarland knapp dahinter mit 54 Prozent. Nordrhein-Westfalen nimmt mit 51 Prozent den dritten Rang ein. Dagegen zeigt Sachsen mit lediglich 42 Prozent den geringsten Wert bundesweit, gefolgt von Berlin mit 44 Prozent, Thüringen mit 45 Prozent und Schleswig-Holstein mit 46 Prozent.

Auf Branchenebene zeigen sich erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Tarifbindung. In der Öffentlichen Verwaltung, der Verteidigung und der Sozialversicherung liegt die Quote bei 100 Prozent. Ebenfalls sehr hoch ist die Tarifbindung in der Energieversorgung mit 84 Prozent, im Bereich Erziehung und Unterricht mit 80 Prozent und im Finanz- und Versicherungssektor mit 72 Prozent. Deutlich niedriger fällt die Tarifbindung dagegen in anderen Wirtschaftszweigen aus: In der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei sind es nur 11 Prozent, gefolgt von den Bereichen Kunst, Unterhaltung und Erholung mit einer Quote von 20 Prozent. Ebenfalls gering ausgeprägt ist die Tarifbindung im Grundstücks- und Wohnungswesen mit 22 Prozent sowie im Gastgewerbe und bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, die jeweils bei 23 Prozent liegen.

Im historischen Vergleich lässt sich feststellen, dass die Tarifbindung in Deutschland über die letzten Jahrzehnte insgesamt gesunken ist. Laut Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung lag der Anteil der Beschäftigten, die nach einem Tarifvertrag bezahlt wurden, Mitte der 1990er-Jahre noch bei etwa 85 Prozent. Heute profitieren insbesondere in Dienstleistungsbranchen wie dem Handel oder dem Gastgewerbe nur noch vergleichsweise wenige Beschäftigte von Tarifverträgen.

Laut einer im April 2024 veröffentlichten Studie des WSI haben Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung nicht nur eine um durchschnittlich 53 Minuten längere Wochenarbeitszeit, sondern verdienen gleichzeitig auch gut zehn Prozent weniger als ihre tarifgebundenen Kollegen. Vor diesem Hintergrund fordert der WSI-Experte Thorsten Schulten gesetzliche Maßnahmen von einer künftigen Bundesregierung, um die Tarifbindung zu erhöhen. Dadurch sollen Arbeitsbedingungen verbessert und Lohnunterschiede reduziert werden.

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