Tankerverkehr in der Straße von Hormus bricht nach US-Iran-Eskalation ein
Nach gegenseitigen Angriffen zwischen den USA und dem Iran verlangsamt sich der Schiffsverkehr durch die kritische Ölmeerenge erheblich.

Der tägliche Tankerverkehr in der Straße von Hormus hat sich am Freitag spürbar verlangsamt. Auslöser sind die jüngsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran, die einen bereits fragilen Waffenstillstand erneut erschüttert haben. Die Eskalation nährt Sorgen um die globale Ölversorgung und die Stabilität der internationalen Schifffahrt.
Washington beschuldigte iranische Streitkräfte, drei Tanker in der Region angegriffen zu haben – darunter katarische und saudi-arabische Schiffe. Als Reaktion darauf griffen US-Streitkräfte Militärstandorte an der Südküste und in den östlichen Provinzen des Irans an. Das US-Zentralkommando teilte mit, seine Streitkräfte hätten dabei rund 90 iranische Militärziele angegriffen. Iranische Staatsmedien berichteten von 14 Toten und 78 Verletzten infolge dieser Angriffe.
Der Iran schlug seinerseits zurück: Die iranische Armee erklärte, Angriffe auf US-Patriot-Systeme in Kuwait, einen Frühwarnstandort in Katar sowie ein Treibstofflager der US-Armee in Bahrain gestartet zu haben. Die Revolutionsgarden gaben zudem an, zehn ballistische Raketen auf den jordanischen Militärstützpunkt Al-Asrak abgefeuert zu haben, der von US-Streitkräften genutzt wird.
Waffenstillstand unter Druck
US-Präsident Donald Trump erklärte den Waffenstillstand nach den Tankerangriffen für „beendet". Ein US-Beamter relativierte dies jedoch kurz darauf und betonte, Washington sei weiterhin um eine Lösung mit dem Iran bemüht und die „technischen Gespräche dauern an". Die New York Times berichtete zudem, dass Katar in Vermittlungsgesprächen mit Washington und Teheran stehe, um die Krise zu deeskalieren.
Analysten sehen in den iranischen Aktionen ein taktisches Mittel: Teheran nutze solche Angriffe, um sich in laufenden Verhandlungen Vorteile zu verschaffen. Der Iran selbst hat die Verantwortung für die Tankerangriffe nicht übernommen. Teheran warnte jedoch unmissverständlich, die Meerenge werde nur zu seinen Bedingungen wieder geöffnet – jede US-Intervention ziehe eine „vernichtende Reaktion" nach sich.
Die Straße von Hormus ist von enormer strategischer Bedeutung: Vor dem Krieg verlief durch sie etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung. Teheran hat seither weitgehend die Kontrolle über die Wasserstraße übernommen und damit ein Patt in der Konfrontation mit den USA erzwungen. Im Rahmen eines Übergangsabkommens hatten die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen beendet, während der Iran die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen zusicherte.
Ölversorgung weit unter Vorkriegsniveau
Die Internationale Energieagentur (IEA) meldete, dass das weltweite Ölangebot im Juni um 4,1 Millionen Barrel pro Tag gestiegen sei, da der Schiffsverkehr durch die Meerenge teilweise wieder aufgenommen wurde. Dennoch liege das Angebot weiterhin 9,4 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau. Die IEA warnte vor einer knappen Versorgung mit Diesel und Benzin und erklärte, dass Raffinerien langsamer auf die Wiedereröffnung der Meerenge reagierten als die Rohölpreise.
Vor den jüngsten Angriffen hatte der tägliche Tankerverkehr den höchsten Stand seit Kriegsbeginn erreicht – mit durchschnittlich 40 Schiffen, die die Meerenge täglich passierten. Das lag jedoch noch weit unter dem Vorkriegsdurchschnitt von 125 bis 140 täglichen Fahrten. Die Ölpreise gaben am Freitag nach, lagen aber dennoch auf Kurs für ein wöchentliches Plus.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseTrauer um Ayatollah Chamenei
Im Hintergrund der militärischen Eskalation steht auch der innenpolitische Kontext des Irans: Das Land beerdigte am Donnerstag sein getötetes geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei im heiligsten Schrein des Landes in Maschhad. Chamenei war am 28. Februar, dem ersten Tag des Krieges, bei einem Luftangriff getötet worden – als Teil eines US-israelischen Beschusses, der einen monatelangen Konflikt auslöste, der Tausende Menschenleben forderte und die weltweite Energieversorgung massiv drosselte.
Sein Sohn Mojtaba Chamenei, der bei dem Angriff verletzt wurde, ist bisher nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Eine Beileidsbekundung in seinem Namen war für Freitag nach den Abendgebeten in der Stadt Qom geplant. Für US-Präsident Trump bedeutet die anhaltende Eskalation innenpolitischen Druck: Die Republikanische Partei steht angesichts hoher Benzinpreise und wachsender Wählerunzufriedenheit vor den Zwischenwahlen vor erheblichen Herausforderungen.


