Tanker vor Oman getroffen: Zwei Besatzungsmitglieder nach mutmaßlichem US-Angriff vermisst
Nach einem mutmaßlichen US-Raketenangriff auf einen Tanker vor der Küste Omans werden zwei Besatzungsmitglieder vermisst, ein weiteres wurde verletzt.

Vor der Küste des Sultanats Oman ist ein Chemikalien- und Produktentanker nach einem mutmaßlichen US-Raketenangriff in Brand geraten. Zwei Besatzungsmitglieder werden seitdem vermisst, ein weiteres wurde verletzt. Das Schiff, bei dem es sich laut der britischen Risikomanagement-Gruppe Vanguard um den Tanker „Settebello" handelt, fuhr unter der Flagge von Palau und meldete einen Brand im Maschinenraum rund 20 Seemeilen nordöstlich des omanischen Hafens Sohar.
An Bord befanden sich insgesamt 28 Besatzungsmitglieder, davon 24 indische Seeleute. Das bestätigte eine Quelle der indischen Regierung gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Indische Behörden versuchen demnach zu klären, ob die beiden vermissten Personen indischer Staatsangehörigkeit sind. Die omanische Marine reagierte auf den Notruf des Schiffes. Der in Datenbanken als Betreiber gelistete Anbieter mit Sitz in Indien war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
Die britische Sicherheitsfirma Ambrey erklärte, der Vorfall sei „wahrscheinlich das Ergebnis von US-Operationen zur Blockade iranischer Häfen". Ambrey ergänzte, dass Besatzungen in der Vergangenheit gewarnt worden seien, sich vor einem Angriff auf das Heck am Bug des Schiffes zu sammeln. Eine zweite Quelle aus Sicherheitskreisen der Schifffahrt bestätigte ebenfalls, dass das Schiff wahrscheinlich von einer US-Rakete getroffen wurde. Das US Central Command (Centcom) reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
Hintergrund: US-Blockade gegen den Iran seit April
Die Vereinigten Staaten führen seit dem 13. April eine Blockade des Schiffsverkehrs mit Bezug zum Iran durch. Auslöser war die massive Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus durch den Iran – eine weltweit bedeutende Route für den Transport von Öl und Gas. Centcom teilte am 8. Juni mit, dass US-Streitkräfte im Rahmen dieser Operationen sieben Schiffe fahruntüchtig gemacht, 134 weitere umgeleitet und 42 Schiffen mit humanitärer Hilfe die Durchfahrt gestattet hätten. Berichte über Todesopfer im Zusammenhang mit diesen Operationen lagen bis dahin nicht vor.
Bereits am Montag hatten US-Streitkräfte den unbeladenen Öltanker „Marivex" im Golf von Oman außer Gefecht gesetzt, nachdem dieser versucht hatte, unter Verletzung der laufenden Blockade einen iranischen Hafen anzulaufen. Zu den Zielobjekten der US-Operationen zählen sowohl iranische Schiffe als auch sogenannte Tanker der „Schattenflotte". Dabei handelt es sich in der Regel um ältere Schiffe ohne westlichen Versicherungsschutz, die für den Transport von sanktioniertem Öl genutzt werden. Sie fahren unter den Flaggen verschiedener Nationen, um ihre tatsächlichen Eigentumsverhältnisse, Ladungen und Routen zu verschleiern.
Der Tanker „Settebello" war laut der Tracking-Plattform MarineTraffic zuletzt am 1. Juni vor der Küste Omans geortet worden und war zum Zeitpunkt des Vorfalls nur teilweise beladen.
IMO-Chef fordert Schutz ziviler Seeleute
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Zur AktienanalyseDer Vorfall rief internationale Reaktionen hervor. Arsenio Dominguez, Generalsekretär der UN-Schifffahrtsorganisation International Maritime Organization (IMO), forderte am Dienstag „alle Beteiligten auf, mit höchster Verantwortung zu handeln". Er wiederholte seinen „Appell an alle Parteien, jegliche Handlungen zu unterlassen, die unschuldige zivile Seeleute in Gefahr bringen". „Der Schutz ihres Lebens muss zu jeder Zeit die oberste Priorität bleiben", betonte Dominguez.
Der Vorfall verdeutlicht die wachsenden Risiken für die internationale Schifffahrt in der Region. Die Straße von Hormus gilt als eine der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt, durch die ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Gashandels abgewickelt wird. Spannungen in diesem Seegebiet haben direkte Auswirkungen auf die Energieversorgung und die Frachtraten weltweit.


