Taiwans Zentralbank hebt Wachstumsprognose an und warnt vor Inflation
KI-Boom treibt Taiwans Wirtschaft auf schnellstes Wachstum seit 15 Jahren – Leitzins bleibt bei 2 Prozent.

Taiwans Zentralbank hat ihre Wachstumsprognose für 2025 deutlich angehoben und gleichzeitig vor steigenden Inflationsrisiken gewarnt. Der Leitzins bleibt unverändert bei 2 Prozent – doch die Entscheidung fiel nicht einstimmig. Treiber des Aufschwungs ist die weltweit explodierende Nachfrage nach Halbleitern für Anwendungen der künstlichen Intelligenz.
Die Wirtschaft Taiwans wuchs im Jahr 2025 um beeindruckende 8,68 Prozent – die schnellste Wachstumsrate seit 15 Jahren. Unternehmen wie Nvidia treiben die Nachfrage nach Halbleitern massiv an, wovon Taiwan als führender Chip-Produzent direkt profitiert. Die Zentralbank hob ihre Wachstumsprognose daher von ursprünglich 7,25 Prozent (März-Prognose) auf nunmehr 9,45 Prozent an.
Gouverneur Yang Chin-long erklärte nach der vierteljährlichen Zinssitzung vor Journalisten, dass die anhaltende Ausweitung der Geschäftsmöglichkeiten durch KI und andere neue Technologien in diesem Jahr voraussichtlich zu einem stetigen Exportwachstum führen werde. Taiwan ist als Heimat des weltgrößten Auftragschip-Herstellers TSMC ein zentraler Knotenpunkt der globalen Halbleiterlieferkette.
Zinsentscheidung nicht einstimmig – Inflationsdruck wächst
Obwohl der Referenzzinssatz erwartungsgemäß bei 2 Prozent belassen wurde, verlief die Abstimmung nicht ohne Widerspruch. Zwei Mitglieder des Direktoriums stimmten gegen die Entscheidung und führten das Inflationsrisiko als Begründung an. In einer Reuters-Umfrage hatten 27 von 30 Ökonomen keine Zinsänderung erwartet.
Gouverneur Yang betonte, dass es „grundsätzlich noch nicht an der Zeit" sei, die Zinsen zu erhöhen, und dass die Entscheidung weiterhin von den Daten abhänge. Gleichzeitig räumte er ein: „Mehrere Vorstandsmitglieder haben uns daran erinnert, dass der Inflationsdruck genau beobachtet werden muss, weshalb wir eine etwas restriktivere Haltung einnehmen müssen."
Die Zentralbank hob ihre Prognose für den Verbraucherpreisindex (CPI) für das laufende Jahr von 1,8 Prozent auf 1,91 Prozent an. Im vergangenen Monat überschritt die Inflation mit 2,2 Prozent die interne „Warnschwelle" der Zentralbank von 2 Prozent – der höchste Stand seit mehr als einem Jahr. Als Ursache wurden steigende Energiepreise genannt.
Marktexperten: Zinserhöhung erst bei 3 Prozent Inflation
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseChu Yen-min, Vorsitzender der KGI Securities Investment Advisory, sieht die Schwelle für eine Zinserhöhung noch nicht erreicht. „Daher hat Taiwan basierend auf der Inflationslage noch nicht den Punkt erreicht, an dem eine Zinserhöhung gerechtfertigt wäre", sagte Chu. Er geht davon aus, dass die Zentralbank erst bei einer Inflation von 3 Prozent handeln würde.
Taiwans Zinsentscheidung folgt auf einen ähnlichen Schritt der US-Notenbank Federal Reserve, die ihren Leitzins ebenfalls stabil hielt. Allerdings zeigten neue vierteljährliche Projektionen der Fed, dass die Entscheidungsträger aufgrund zunehmender Inflationssorgen eine Erhöhung der Kreditkosten im weiteren Jahresverlauf erwarten. Für deutsche Anleger ist Taiwan als Schlüsselstandort der globalen Halbleiterindustrie von besonderer Bedeutung – Entwicklungen dort beeinflussen direkt die Lieferketten europäischer Technologieunternehmen.


