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Taco Bell startet neuen Anlauf in Deutschland trotz Gastronomiekrise

Yum! Brands wagt einen zweiten Versuch auf dem deutschen Markt – während die heimische Gastronomie unter massivem Kostendruck leidet.

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Taco Bell startet neuen Anlauf in Deutschland trotz Gastronomiekrise

Yum! Brands, der US-amerikanische Mutterkonzern von Taco Bell, plant die Eröffnung erster Standorte in Frankfurt, Stuttgart und Köln noch in diesem Winter. Es ist der zweite Anlauf des Fast-Food-Riesen auf dem deutschen Markt – der erste scheiterte, bevor auch nur ein einziges Restaurant öffnen konnte. Für die neue Expansion hat das Unternehmen die Düsseldorfer Unternehmensberatung „Franchise Focus" als strategischen Partner gewonnen.

Der erste Versuch endete mit einem kostspieligen Desaster. Die ursprüngliche Partnerschaft mit dem türkischen Unternehmer Ilkem Sahin wurde Ende 2024 aufgelöst, ohne dass ein einziger Taco-Bell-Store in Deutschland eröffnet worden wäre. Yum! Brands beziffert den entstandenen Schaden auf mindestens 61 Millionen US-Dollar. Als Grund nannte der Konzern die Nichteinhaltung von Betriebsstandards und vertraglichen Verpflichtungen durch Sahins Firma IS Gida. Diese wiederum bestreitet die Vorwürfe und betont, alle unabhängigen Audits bestanden und globale Standards erfüllt zu haben.

Sahins Geschäftsgeschichte in Deutschland ist darüber hinaus von mehreren prominenten Insolvenzen geprägt: dem Zusammenbruch des Regionalsenders Rhein-Main TV, dem Scheitern der SPO-Papierfabrik sowie der Insolvenz des Felgenherstellers BBS. Durch die Trennung von diesem Partner versucht Yum! Brands nun, einen Neustart zu vollziehen. General Manager Ian Cranna bekräftigte das Vertrauen in den deutschen Markt und dessen Potenzial für „hochwertige Geschmackserlebnisse".

Lokale Investoren setzen auf das Taco-Bell-Konzept

Parallel zur offiziellen Expansion mobilisieren bereits lokale Unternehmer Kapital. Christian Lehmann von Lehmann Hotels sucht aktiv nach 8 Millionen Euro von Investoren, um bis 2031 mindestens 15 Taco-Bell-Standorte in Bayern zu etablieren. Dies zeigt, dass das Interesse am Franchise-Modell trotz des vorangegangenen Scheiterns ungebrochen ist.

Der Optimismus der Expansionspläne steht jedoch in deutlichem Kontrast zur aktuellen Lage der deutschen Gastronomiebranche. Das Statistische Bundesamt verzeichnete im ersten Halbjahr einen realen Umsatzrückgang von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nominal blieben die Umsätze zwar nahezu stabil – mit einem minimalen Rückgang von 0,1 Prozent – doch wurde dies vor allem durch Preiserhöhungen erreicht, nicht durch organisches Wachstum.

Besonders hart trifft es die Gastronomie: Sie verzeichnete einen realen Umsatzrückgang von 4,1 Prozent, während der Hotel- und Beherbergungssektor mit minus 2,6 Prozent etwas glimpflicher davonkam. Dehoga-Präsident Guido Zöllick verweist auf eine deutlich gestiegene Preissensibilität der Verbraucher. Angesichts anhaltender Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit gehen die Deutschen seltener essen und verzichten zunehmend auf Extras wie Vorspeisen oder zusätzliche Getränke.

Mehrwertsteuer-Rückkehr als Belastungsfaktor

Als wesentlicher Auslöser des Abschwungs gilt die Rückkehr zum vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf Speisen zu Beginn des Jahres 2024. Diese politische Entscheidung trifft vor allem kleine und mittelständische Familienbetriebe, die ohnehin bereits mit steigenden Energie- und Personalkosten kämpfen. Die Lage verschlechterte sich im Jahresverlauf weiter: Im Juni lag der reale Umsatzrückgang bei 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Die Branche hofft nun auf politische Unterstützung. Die aktuelle Koalitionsregierung erwägt eine Rückkehr zum ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent im kommenden Jahr – eine Maßnahme, die dem gebeutelten Sektor als mögliche Rettungsleine gilt.

Das Nebeneinander von Taco Bells Expansionsplänen und dem schrumpfenden Gesamtmarkt verdeutlicht die Kluft zwischen Unternehmensoptimismus und makroökonomischer Realität. Ob neue Marktteilnehmer in diesem schwierigen Umfeld reüssieren können, wird maßgeblich davon abhängen, wie gut sie auf einen zunehmend kostenbewussten deutschen Verbraucher eingehen. Für die gesamte Branche gilt: Die zweite Jahreshälfte und mögliche steuerliche Entlastungen werden zeigen, ob der aktuelle Einbruch eine vorübergehende Korrektur oder ein struktureller Wandel im deutschen Gastgewerbe ist.

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