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Sympatex-Insolvenz: Anleger nach Täuschung erneut betroffen

Der Spezialtextilhersteller Sympatex Technologies meldet Insolvenz an. Besonders brisant: Anleger wurden bereits 2017 bei einer Restrukturierung getäuscht, wie ein Gerichtsurteil belegt.

Sympatex-Insolvenz: Anleger nach Täuschung erneut betroffen

Der Münchner Spezialtextilhersteller Sympatex Technologies hat beim Amtsgericht München Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen aus Unterföhring beschäftigt rund 70 Mitarbeiter und erzielte 2025 einen Umsatz von 22,8 Millionen Euro. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Axel W. Bierbach von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen eingesetzt.

Bierbach gilt als erfahrener Sanierer und ist Mitglied im renommierten Gravenbrucher Kreis. Zu seinen bisherigen Mandaten zählen prominente Fälle wie die Abendzeitung, Benq Mobile und der Reiseveranstalter FTI. Die Mitarbeiter erhalten bis Ende März Insolvenzgeld.

Geschäftsbetrieb soll stabilisiert werden

Der Insolvenzverwalter kündigte an, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und laufende Kundenaufträge weiterzubearbeiten. "Sympatex verfügt über eine technologisch starke Position im Markt und Mitarbeitende mit umfassendem Spezialwissen", erklärte Bierbach. Das Unternehmen entwickelt wasserdichte und atmungsaktive Membranen für Outdoor-Bekleidung und Schuhe, in direkter Konkurrenz zu Marktführer Gore-Tex.

Auch die Muttergesellschaft Smart Solutions Holding hat Insolvenzantrag gestellt. MHBK-Partner Oliver Schartl soll hier als Gutachter die weitere Vorgehensweise prüfen. In den kommenden Wochen werden alle Fortführungsoptionen für beide Unternehmen geprüft.

Anleger bereits 2017 getäuscht

Besonders brisant: Die Smart Solutions Holding hatte 2013 zur Wachstumsfinanzierung eine Mittelstandsanleihe über 13 Millionen Euro im Open Market der Frankfurter Börse platziert. Als sich 2017 eine Krise abzeichnete, sollten Anleger auf 90 Prozent ihres Kapitals verzichten – angeblich um eine Insolvenz zu vermeiden.

Doch laut einem Urteil des Landgerichts München I vom 17. Oktober 2025 wurden die Investoren dabei systematisch getäuscht. Den Anlegern wurde die "Legende" eines "Weißen Ritters" aufgetischt, der angeblich bereit sei, das Unternehmen zu übernehmen. Tatsächlich gab es keinen ernsthaften Kaufinteressenten.

Berater handelten gegen Anlegerinteressen

An der fragwürdigen Restrukturierung waren prominente Namen beteiligt: Unternehmensberater Stephan Sanktjohanser und Frank Günther, Partner des Beratungshauses One Square Advisors (OSA). Besonders pikant: OSA agierte als gemeinsame Vertreterin der Anleihegläubiger und hätte deren Interessen schützen sollen.

Stattdessen habe OSA-Geschäftsführer Günther den "Anlegerinteressen bewusst zuwidergehandelt", so das Gericht. Ziel war es, die Zahlungsverpflichtungen maximal zu reduzieren, während die mittelbaren Eigentümer beteiligt bleiben sollten, um von Verlustvorträgen und künftigen Wertsteigerungen zu profitieren.

Neue Chance ohne Altlasten

Ob Anlegerforderungen im aktuellen Insolvenzverfahren eine Rolle spielen, ist noch unklar. Eine Kanzlei-Sprecherin teilte auf Anfrage mit, dass dies derzeit nicht zu erwarten sei. Bierbach zeigte sich optimistisch: "Die Insolvenz bietet die Chance, Sympatex neu zu strukturieren und einen Start ohne die Altlasten der Vergangenheit zu ermöglichen."

Für Privatanleger zeigt der Fall exemplarisch die Risiken von Mittelstandsanleihen im Freiverkehr. Die fehlende Regulierung und die Interessenkonflikte bei Restrukturierungen können zu erheblichen Verlusten führen, wie das Gerichtsurteil eindrucksvoll belegt.

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