Suncor-CEO: Kein schnelleres Produktionswachstum trotz ölfreundlicher Regierungspolitik
Trotz politischer Reformen in Kanada hält Suncor Energy an bestehenden Wachstumsplänen fest – CEO Rich Kruger mahnt zur Besonnenheit.

Suncor Energy, einer der größten Ölsandproduzenten Kanadas, wird seine Produktionspläne vorerst nicht beschleunigen. Das erklärte CEO Rich Kruger am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Dies geschieht trotz weitreichender politischer Reformen, die sowohl die Bundesregierung als auch die Provinzregierung von Alberta versprochen haben, um das Wachstum in der kanadischen Ölindustrie anzukurbeln.
Kruger betonte, dass sich der Ausblick des Unternehmens seit dem Investorentag im März nicht verändert habe. Er verwies darauf, dass noch erhebliche Arbeit bevorstehe, um die im vergangenen Monat unterzeichnete Absichtserklärung zwischen der Ölsandindustrie und den Regierungen in endgültige, gesetzlich verankerte Vereinbarungen zu überführen. „Inwieweit dies unsere Pläne beeinflusst hat oder beeinflussen könnte, muss erst noch geklärt werden", sagte Kruger.
Pathways-Projekt als Schlüsselbedingung
Im Juli unterzeichneten die CEOs der großen Ölsandunternehmen – darunter auch Kruger – eine unverbindliche Vereinbarung mit Alberta und der kanadischen Bundesregierung. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für ein Projekt zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung namens „Pathways" festzulegen, das die Treibhausgasemissionen aus den Ölsanden reduzieren soll. Kanadas Premierminister Mark Carney hat seine Unterstützung für eine neue Exportpipeline mit einer Kapazität von einer Million Barrel pro Tag an die Pazifikküste ausdrücklich an die Fortführung dieses Projekts geknüpft.
Carney hat seit seinem Amtsantritt mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Beziehungen zur kanadischen Ölindustrie zu verbessern. Viele der von seinem Vorgänger Justin Trudeau eingeführten Umweltauflagen, die die Branche abgelehnt hatte, wurden aufgehoben oder abgeschwächt. Zudem hat Carney versprochen, die Genehmigungsfristen für große Energieentwicklungsprojekte zu verkürzen. Allerdings wurden viele der vorgeschlagenen politischen Änderungen noch nicht in endgültige Gesetzesentwürfe überführt – ein Umstand, der die Zurückhaltung der Industrie erklärt.
Enbridge verschiebt Netzausbau – Branche zögert
Suncor ist nicht das einzige Unternehmen, das abwartet. Der kanadische Pipelinebetreiber Enbridge erklärte bereits in der vergangenen Woche, einen geplanten Ausbau seines Mainline-Netzes um 250.000 Barrel pro Tag zu verschieben. Als Begründung nannte das Unternehmen die mangelnde Bereitschaft der Ölproduzenten, sich zu signifikanten Produktionssteigerungen zu verpflichten. Diese Entwicklungen unterstreichen die Unsicherheit darüber, ob die freundlichere Haltung der Bundesregierung gegenüber dem Energiesektor tatsächlich zu höheren Investitionen und einer gesteigerten Förderung führen wird.
Kanada ist der weltweit viertgrößte Ölproduzent, und die Ölsande in Alberta gelten als eines der größten Ölreservoire der Welt. Die politische Debatte um Fördermengen, Umweltauflagen und Exportkapazitäten hat die Branche seit Jahren beschäftigt.
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Zur AktienanalyseIm März hatte Suncor seine konkreten Wachstumsziele bekanntgegeben: Das Unternehmen plant, seine Upstream-Produktion bis 2028 um rund 100.000 Barrel pro Tag zu steigern – ausgehend von den für 2026 erwarteten 840.000 bis 870.000 Barrel pro Tag. Darüber hinaus plant Suncor, seine dampfunterstützte Ölsandförderung in den 2030er Jahren deutlich auszuweiten.
Kruger ließ jedoch offen, ob eine Beschleunigung dieser Pläne grundsätzlich möglich wäre. Er betonte, dass Suncor die Flexibilität besitze, die Produktion bei Bedarf schneller hochzufahren, das Unternehmen diesen Modus aber noch nicht aktiviert habe. „Wir sind keineswegs in diesen Modus gewechselt, aber wir verfügen über diese Flexibilität", sagte er. Der Ton der kanadischen Regierung sei zwar positiver als in den letzten zehn Jahren, doch wolle das Unternehmen besonnen vorgehen, bevor es sich zu einer Beschleunigung seiner Wachstumspläne verpflichte.


