Südseeblase 1720: Wie ein Schuhmachers Sohn Großbritannien erschütterte
Ein neuer FT-Podcast beleuchtet die South Sea Bubble von 1720 – Großbritanniens erste große Börsenkrise und ihre Nachwirkungen auf das moderne Finanzwesen.

Im Jahr 1720 war die South Sea Company eines der wertvollsten Unternehmen Großbritanniens. Doch ein spektakulärer Einbruch ihrer börsennotierten Aktien löste die erste große Börsenkrise des Landes aus – ein Ereignis, das die Finanzgeschichte für immer prägen sollte. Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht eine unwahrscheinliche Figur: John Blunt, der Sohn eines einfachen Schuhmachers.
Blunt stieg in der Finanzwelt auf und wurde zu einem der wichtigsten Architekten der South Sea Company. Sein Aufstieg und sein tiefer Fall verkörpern eine Geschichte über Spekulation, Gier und die Fragilität von Finanzsystemen – Themen, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben. Blunt fiel schließlich in Ungnade und wurde für immer mit einem der berüchtigtsten Finanzcrashs der Geschichte in Verbindung gebracht.
Die Südseeblase im Fokus eines neuen Podcasts
Der FT-Podcast „The Story of Money" widmet sich in einer neuen Folge genau diesem Kapitel der Finanzgeschichte. Die Moderatoren Robin Wigglesworth und Gillian Tett sprechen darin mit Professor Thomas Levenson über die Hintergründe der Südseeblase. Levenson ist Autor des Buches „Money for Nothing: South Sea Bubble and the Invention of Modern Capitalism" aus dem Jahr 2020.
Im Gespräch beleuchten die drei Experten die Spekulationen und das sogenannte Financial Engineering, das die Blase aufblähte. Besonders interessant: die seltsamen Nachahmer-Systeme, die die South Sea Bubble inspirierte, und wie ihre dramatischen Folgen dazu beitrugen, das moderne Finanzwesen grundlegend neu zu gestalten. Die Episode zeigt eindrücklich, wie ein einzelner Crash ganze Regulierungssysteme und Marktstrukturen verändern kann.
Historische Einordnung: Was war die South Sea Bubble?
Die South Sea Company wurde Anfang des 18. Jahrhunderts gegründet und erhielt das Monopol auf den Handel mit Südamerika. Ihr wahrer Wert lag jedoch weniger im tatsächlichen Handel als in komplexen Finanzierungsgeschäften mit der britischen Staatsschuld. Anleger strömten in Scharen in die Aktie, getrieben von Spekulationsfieber und dem Versprechen enormer Gewinne.
Als die Blase 1720 platzte, verloren Tausende von Anlegern ihr Vermögen – darunter auch prominente Persönlichkeiten der damaligen Zeit. Das Ereignis gilt als eines der frühesten und lehrreichsten Beispiele einer spekulativen Finanzblase in der modernen Geschichte. Es zog weitreichende gesetzliche Konsequenzen nach sich und beeinflusste das Denken über Märkte, Regulierung und Anlegerschutz nachhaltig.
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Zur AktienanalyseLevensons Werk und der aktuelle Podcast
Professor Levensons Buch von 2020 gilt als eine der maßgeblichen modernen Aufarbeitungen des Themas. Sein neuestes Werk trägt den Titel „A Pox on Fools: The Grifters and Sinners Who Want Us to Reject Vaccines" und erscheint 2026. Die Podcast-Folge zur Südseeblase ist Teil der Reihe „The Story of Money", die auf allen gängigen Podcast-Plattformen sowie auf dem eigenen YouTube-Kanal unter @FTTheStoryOfMoney verfügbar ist.
Für deutsche Privatanleger bietet die Geschichte der South Sea Bubble eine zeitlose Lektion: Spekulationsblasen entstehen nicht im Vakuum, sondern werden von menschlicher Gier, mangelnder Regulierung und komplexen Finanzinstrumenten befeuert – Faktoren, die auch in modernen Märkten immer wieder eine Rolle spielen.


