Südkoreas Won nahe 17-Jahres-Tief: Seoul koordiniert Devisenpolitik
Südkoreas Vize-Finanzminister warnt vor erheblicher Unterbewertung des Won und kündigt enge Abstimmung mit Japan an.

Südkoreas Vize-Finanzminister Huh Chang hat am Donnerstag in Seoul deutliche Worte zur Lage des südkoreanischen Won gefunden. Auf einer Pressekonferenz erklärte er, dass der Won im Vergleich zu den wirtschaftlichen Fundamentaldaten „erheblich unterbewertet" sei. Die Währung befindet sich derzeit nahe einem 17-Jahres-Tief gegenüber dem US-Dollar.
Huh Chang, der als einer von zwei Vize-Finanzministern für Devisenangelegenheiten zuständig ist, betonte die enge Zusammenarbeit mit wichtigen Verbündeten: „Wir arbeiten stets eng mit Japan und anderen relevanten Ländern zusammen und tauschen Informationen sehr intensiv aus." Dies sagte er auf die Frage, ob Seoul gemeinsame Maßnahmen mit Tokio zur Stabilisierung der Devisenmärkte plane.
Konkrete Angaben zu möglichen Interventionen lehnte Huh jedoch ab. Er machte aber deutlich, dass die Regierung bereit sei, stabilisierende Maßnahmen zu ergreifen, sollten Liquiditätsengpässe zu übermäßigen Kursschwankungen führen.
Won unter Druck: 7,4 Prozent Verlust im Jahresverlauf
Der Won hat in diesem Jahr gegenüber dem US-Dollar bereits 7,4 Prozent an Wert verloren. Diese Entwicklung steht in einem auffälligen Gegensatz zur Lage an den heimischen Aktienmärkten: Der südkoreanische Leitindex KOSPI legte im gleichen Zeitraum um rund 85 Prozent zu. Diese Divergenz zwischen Währungsschwäche und Aktienmarktstärke bereitet den Behörden in Seoul anhaltend Sorgen.
Die Situation in Südkorea spiegelt dabei ein breiteres asiatisches Phänomen wider. Auch Japan kämpft mit einer schwachen Währung: Der Yen befindet sich nahe einem Vier-Jahrzehnt-Tief gegenüber dem US-Dollar. Berichten zufolge gehen japanische Behörden inzwischen zu unangekündigten, aggressiven Taktiken über, um Spekulanten unter Druck zu setzen, die auf einen weiteren Verfall des Yen wetten.
Auch der stellvertretende Finanzminister Moon Ji-sung, der ebenfalls an der Pressekonferenz teilnahm, unterstrich die aktive Diplomatie Seouls. Er erklärte, dass Südkorea die Kommunikationskanäle mit Tokio und Washington in Devisenfragen aufrechterhalte. Dies unterstreicht, wie eng die Währungspolitik der asiatischen Volkswirtschaften mit dem Verhältnis zu den USA verknüpft ist.
Historische Umstellung auf 24-Stunden-Handel steht bevor
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Zur AktienanalyseDie Pressekonferenz fand nur wenige Tage vor einem bedeutenden Schritt für den südkoreanischen Devisenmarkt statt. Ab Montag wird das Währungspaar US-Dollar/Won auf einen 24-Stunden-Handelszyklus umgestellt – ein historischer Wechsel für den bislang zeitlich begrenzten Onshore-Markt.
Vize-Finanzminister Moon erwartet durch diese Ausweitung der Handelszeiten eine Verlagerung des Handelsvolumens. Konkret rechnet er damit, dass Transaktionen vom Offshore-Markt für sogenannte Non-Deliverable Forwards (NDF) – also nicht lieferbare Terminkontrakte – in Richtung des Onshore-Spotmarktes wandern werden. „Wir prüfen Maßnahmen, um dies zu fördern", sagte Moon.
Für deutsche Anleger und Exporteure, die Geschäftsbeziehungen nach Südkorea oder Japan unterhalten, sind diese Entwicklungen von Bedeutung. Währungsschwankungen in Asien können Lieferketten, Importpreise und die Wettbewerbsfähigkeit exportorientierter Unternehmen beeinflussen. Die koordinierten Signale aus Seoul und Tokio deuten darauf hin, dass beide Länder eine weitere unkontrollierte Abwertung ihrer Währungen verhindern wollen.


