Südafrika: Ramaphosa treibt Energiewende und Eskom-Umbau voran
Präsident Ramaphosa setzt auf zwei Strategien: strukturelle Reformen bei Eskom und milliardenschwere Investitionen in erneuerbare Energien.

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa hat zuletzt wichtige Weichen für die Transformation des nationalen Energiesektors gestellt. Im Mittelpunkt stehen der geplante Umbau des staatlichen Energieversorgers Eskom sowie die praktische Umsetzung der sogenannten „Just Energy Transition" (JET) – der gerechten Energiewende – in der kohlereichsten Provinz des Landes, Mpumalanga.
Am 31. Juli billigte Ramaphosa formell den Phase-I-Bericht des Eskom Restructuring Task Team (ERTT). Diese Billigung gilt als klares politisches Signal: Die Regierung hält an ihrem Ziel fest, einen unabhängigen Übertragungsnetzbetreiber (Transmission System Operator, TSO) zu schaffen. Ramaphosa argumentiert, ein unabhängiger TSO sei notwendig, um Interessenkonflikte innerhalb des vertikal integrierten Versorgers zu beseitigen, den Wettbewerb zu fördern und strukturelle Schwächen im nationalen Stromnetz zu beheben.
Eskom-Vorstand mahnt zur Vorsicht
Der Weg zur Umsetzung ist jedoch umstritten. Eskom-Aufsichtsratsvorsitzender Mteto Nyati betonte, der Vorstand teile zwar die Vision des Präsidenten, doch müsse die Übertragung von Netzaktiva zu einem „geeigneten Zeitpunkt in der Zukunft" erfolgen. Nyatis Hauptsorge gilt der finanziellen Stabilität des Unternehmens und dem Schutz vor möglichen Zahlungsausfällen.
Eskom besteht darauf, dass der Umbau ein „sorgfältig sequenzierter Prozess mit klaren Meilensteinen" sein müsse. Besonders kritisch sieht der Konzern die Auswirkungen der Entflechtung auf bestehende Kreditvereinbarungen und Finanzierungsstrukturen. Das geänderte Stromregulierungsgesetz sieht zwar ein Fünf-Jahres-Fenster für die TSO-Gründung vor, doch die genaue Ausgestaltung bleibt strittig. Eskom bevorzugt, dass die Netzaktiva vorerst bei der National Transmission Company South Africa (NTCSA), einer Eskom-Tochter, verbleiben. Busisiwe Mavuso, CEO von Business Leadership South Africa, fordert hingegen eine entschlossenere Entflechtung, um echte Unabhängigkeit zu gewährleisten.
Parallel zu den politischen Debatten auf höchster Ebene eröffnete Ramaphosa den kommerziellen Betrieb der ersten Phase des Ummbila Emoyeni Windparks von Seriti Green in Mpumalanga. Die erste Ausbaustufe umfasst 155 Megawatt (MW) installierte Leistung. Das Projekt ist ein zentrales Element der Strategie von Seriti Resources, sich vom reinen Kohlebergbauunternehmen zu einem diversifizierten Energiekonzern zu wandeln.
Milliarden-Investitionen in erneuerbare Energien
Seriti Resources CEO Mike Teke wies den Vorwurf des „Greenwashings" ausdrücklich zurück. Er verwies darauf, dass die eigenen Kohlebergbaubetriebe des Unternehmens zu den Hauptabnehmern des vom Windpark erzeugten Stroms gehören. Das finanzielle Engagement ist beträchtlich: Bereits 15 Milliarden Rand wurden investiert, und mit der Standard Bank wurde eine weitere Vereinbarung über 10 Milliarden Rand unterzeichnet – das gesamte Investitionsvolumen beläuft sich damit auf 25 Milliarden Rand. Seriti Green plant, die Kapazität auf 900 MW auszubauen, mit einem Gesamtinvestitionspotenzial von bis zu 40 Milliarden Rand.
Der operative Hochlauf verlief zügig: Derzeit sind 25 Turbinen in Betrieb, weitere 23 wurden vom Lieferanten Goldwind installiert. Besonders bemerkenswert ist die Lieferzeit der zentralen Umspannstation: Die für 1,2 Milliarden Rand errichtete Anlage – unverzichtbar für die Netzanbindung – wurde von den Auftragnehmern Stefanutti Stocks und Tractionel in nur 17 Monaten fertiggestellt.
Gerechte Energiewende: Kohlearbeiter werden umgeschult
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Zur AktienanalyseSeriti Greens Strategie ist eng mit den JET-Zielen der Regierung verknüpft. Seriti Green CEO Peter Venn betonte, das Projekt habe bereits 2.100 Mitarbeiter beschäftigt, von denen viele übertragbare Qualifikationen aus dem Kohlesektor mitbringen. Durch die Umschulung von Kohlearbeitern für die Windenergie-Branche sieht Seriti das Potenzial, in den nächsten zehn Jahren 10.000 Bauarbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien zu unterstützen.
Zu den Zukunftsplänen gehört das Projekt „Phefumula Emoyeni", das gemeinsam mit Ummbila Emoyeni eines der größten Erneuerbare-Energien-Areale im südlichen Afrika entstehen lassen soll – mit insgesamt 187 Turbinen. Darüber hinaus prüft das Unternehmen Solaranlagen auf rekultivierten Bergbauflächen nahe dem Kraftwerk Duvha sowie den Einsatz von Batteriespeichersystemen (BESS) zur weiteren Netzstabilisierung.
Ramaphosas jüngste Aktivitäten verdeutlichen einen zweigleisigen Ansatz zur Energiereform: strukturelle Veränderungen beim staatlichen Versorger von oben sowie private Investitionen in erneuerbare Energien von unten. Während der Eskom-Vorstand weiterhin für einen vorsichtigen, stabilitätsorientierten Umbau plädiert, zeigt der rasche Fortschritt privater Projekte wie Seriti Green, dass der Markt bereits in Richtung einer dezentralen und diversifizierten Energiezukunft strebt.


