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Studienkredite verlieren weiter an Bedeutung

Hohe Zinsen und niedrige Fördersummen schrecken immer mehr Studierende ab

Studienkredite verlieren weiter an Bedeutung

In deutschen Universitätsstädten steigen die Lebenshaltungskosten seit Jahren. Wer etwa in München, Münster oder Mainz studiert, muss mit hohen Ausgaben für Miete, Verpflegung und Mobilität rechnen. Dennoch greifen immer weniger Studierende auf Studienkredite zurück, um diese Kosten zu decken. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Demnach ist die Zahl neu abgeschlossener Studienkreditverträge deutlich gesunken – im vergangenen Jahr waren es nur noch 12.965. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Rückgang um 3.600 Verträge, verglichen mit 2014 sogar ein Rückgang um fast 80 Prozent.

Vor allem der Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verliert an Beliebtheit. Aktuell erhalten etwa 29.000 Studierende finanzielle Unterstützung über dieses Instrument. Damit rangiert der KfW-Studienkredit inzwischen hinter anderen staatlichen Förderangeboten wie dem BAföG, dem Deutschlandstipendium oder den Begabtenförderwerken. Ein wesentlicher Grund für den Rückgang liegt in den gestiegenen Zinssätzen: Der Effektivzins für den KfW-Kredit beträgt derzeit 6,31 Prozent – einer der höchsten unter den 25 untersuchten Angeboten.

Ulrich Müller, Experte für Studienfinanzierung beim CHE, warnt vor den Folgen dieser Entwicklung. Er sieht den Studienkredit der KfW „im freien Fall“ und fordert Maßnahmen seitens der Politik. Zwar sieht der Koalitionsvertrag der Bundesregierung vor, ein zinsgebundenes Kreditprodukt mit fairen Konditionen zu schaffen, konkrete Pläne oder Umsetzungsmaßnahmen liegen laut CHE bislang jedoch nicht vor. Eine Anfrage an das Bundesbildungsministerium blieb unbeantwortet.

Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Zinshöhe, sondern auch gegen die seit Jahren unveränderte monatliche Förderhöhe. Die maximale Auszahlung liegt seit der Einführung des KfW-Kredits im Jahr 2006 bei 650 Euro pro Monat. Angesichts der Inflation müsste dieser Betrag laut CHE längst bei 1.000 Euro liegen. Aktuell nutzen rund 36.000 Studierende in Deutschland einen Studienkredit oder Bildungsfonds – das entspricht einem Anteil von lediglich 1,3 Prozent. Monatlich werden rund 20 Millionen Euro ausgezahlt, im Schnitt 547 Euro pro Person. Rund 210.000 Menschen befinden sich in der Rückzahlungsphase und tilgen ihre Studienschulden. Experten warnen, dass ohne Reformen mehr Studierende auf Nebenjobs angewiesen sein könnten, ihr Studium verlängern oder im schlimmsten Fall ganz abbrechen müssen.

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