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Studienkredite der Kinder abbezahlen: Lohnt es sich wirklich?

Eine britische Steuerberaterin analysiert, ob Eltern die Studienschulden ihrer Kinder tilgen sollten – mit überraschenden Ergebnissen.

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Studienkredite der Kinder abbezahlen: Lohnt es sich wirklich?

Wenn die Sommersemester an britischen Universitäten enden, stellen sich viele Eltern dieselbe Frage: Sollten wir die Studienkredite unserer Kinder abbezahlen? Eine Steuerberaterin, deren Sohn 2017 sein Studium abschloss, hat diese Frage für sich und ihre Mandanten intensiv durchgerechnet – und kommt zu einem ernüchternden Befund.

Ihr Sohn lieh sich damals 37.654 Britische Pfund. Seit 2018 zahlt er 9 Prozent seines Gehalts oberhalb der Rückzahlungsfreigrenze zurück – bislang fast 12.000 Pfund. Dennoch ist der Kreditbetrag nicht gesunken. Im Gegenteil: Durch den hohen Zinssatz von RPI plus 3 Prozent ist der Schuldenstand inzwischen auf 45.500 Britische Pfund angewachsen. Nach aktuellen Berechnungen wird er bis zum Ende der Kreditlaufzeit weitere 50.000 Pfund in heutiger Kaufkraft zurückzahlen – und den Kredit trotzdem nicht vollständig getilgt haben.

Das Problem mit den eingefrorenen Rückzahlungsgrenzen

Ein zentrales Problem ist die eingefrorene Einkommensgrenze, ab der Rückzahlungen beginnen. Die Konservativen froren diese zunächst für drei Jahre ein, und nun plant auch Finanzministerin Rachel Reeves dasselbe – bei 29.385 Britischen Pfund ab April des kommenden Jahres. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn für Erwachsene ist in den letzten vier Jahren um ein Drittel gestiegen. Wäre die Rückzahlungsschwelle im gleichen Maße gestiegen, läge sie bis April nächsten Jahres bei 36.500 Britischen Pfund.

Hinzu kommt die Frage des Inflationsmaßes. Bei Solarmodulen wurde die Einspeisevergütung, die an den RPI (Retail Price Index) gekoppelt war, ab April auf den niedrigeren Verbraucherpreisindex (CPI) umgestellt, um dem Staat Geld zu sparen. Bei Studienkrediten ist diese Umstellung erst in fünf Jahren geplant – was für viele Absolventen die Gesamtzahlungen über die Lebenszeit erhöhen wird.

Besonders belastend: Master-Absolventen

Noch gravierender ist die Situation für Absolventen mit einem Master-Abschluss. Sie müssen gleichzeitig den Bachelor- und den Master-Kredit tilgen und zahlen zusätzlich 6 Prozent ihres Gehalts über 21.000 Britische Pfund – eine Grenze, die seit April 2019 eingefroren ist, obwohl der Mindestlohn bei einer Vollzeitstelle mittlerweile 23.122 Britische Pfund beträgt. Für Master-Absolventen, deren Gehalt 100.000 Britische Pfund erreicht, ergibt sich daraus ein Grenzsteuersatz von 77 Prozent. Die Steuerberaterin empfiehlt daher: Wenn Eltern nur einen Kredit abbezahlen können, sollten sie dem Master-Kredit Priorität einräumen.

Die entscheidende Frage ist laut der Autorin nicht, ob der Sohn den Kredit abbezahlen wird – viele Menschen tun das nicht, etwa wegen schlecht bezahlter Jobs, Krankheit oder Auszeiten für die Kinderbetreuung. Wichtiger ist, ob er am Ende mehr in heutiger Kaufkraft zahlen wird, als eine sofortige Tilgung heute kosten würde. Nach den vorliegenden Berechnungen ist das wahrscheinlich der Fall.

Erbschaftsteuer und steuerliche Aspekte beachten

Für Eltern, deren Kinder noch studieren, gibt es steuerliche Besonderheiten zu beachten. Zahlungen für den Familienunterhalt während eines Vollzeitstudiums lösen die britische Sieben-Jahres-Regel für Schenkungen bei der Erbschaftsteuer (Inheritance Tax, IHT) nicht aus. Diese Ausnahme gilt jedoch nicht für Großeltern. Regelmäßige Schenkungen aus dem Einkommen sind derzeit erbschaftsteuerfrei, sofern nachgewiesen werden kann, dass sie den Lebensstandard nicht beeinträchtigen.

Haben Kinder bereits ihren Abschluss, werden Einmalzahlungen zur Kredittilgung wahrscheinlich die Sieben-Jahres-Regel auslösen – Eltern sollten also zügig handeln, wenn sie diesen Weg gehen wollen. Einige Mandanten erwägen zudem, ihre steuerfreie Kapitalauszahlung aus der Rentenversicherung für die Schuldentilgung zu nutzen.

Tilgung oder Eigenheim – ein weiteres Dilemma

Doch selbst wenn die Zahlen für eine Tilgung sprechen, stellt sich die Frage, ob das Geld nicht sinnvoller eingesetzt werden könnte. Als Beispiel nennt die Autorin ein Paar, das zwei Jahre nach dem Abschluss 20.000 Britische Pfund gespart hat, um eine erste Immobilie für 320.000 Pfund zu kaufen. Über eine Laufzeit von 30 Jahren – entsprechend der des „Plan 2"-Studienkredits – könnten sie bei einem günstigen Angebot 5 Prozent Zinsen für ein Darlehen über 300.000 Pfund zahlen.

Eltern stehen damit vor einem echten Dilemma: Einerseits könnten sie durch die Tilgung eine finanzielle Last und den damit verbundenen Ärger beseitigen. Andererseits wächst die öffentliche Empörung über die Situation vieler Absolventen – und es ist nicht ausgeschlossen, dass die Regierung unter politischem Druck zu Korrekturen gezwungen sein könnte. Wer heute tilgt, könnte im Nachhinein schlechter dastehen, falls sich die Rahmenbedingungen ändern.

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