Strompreise 2027: Was Haushalte bei Netzentgelten erwartet
Der staatliche Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten sinkt 2027 um fast 15 Prozent – Verbraucher müssen mit höheren Stromkosten rechnen.

Stromkunden müssen sich 2027 auf eine geringere Entlastung bei den Netzentgelten einstellen. Der Grund: Der Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten wird gekürzt. Laut dem Regierungsentwurf zum Wirtschaftsplan des Klima- und Transformationsfonds (KTF) sind im kommenden Jahr nur noch rund 5,5 Milliarden Euro vorgesehen – nach 6,5 Milliarden Euro in diesem Jahr. Das entspricht einer Kürzung von knapp 15 Prozent.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bestätigt die Konsequenz für Verbraucher: Die Entlastung bei den Netzentgelten werde 2027 wegen des geringeren Fördervolumens schwächer ausfallen als noch 2026. Wie stark genau, lasse sich erst beurteilen, wenn die konkreten Netzentgelte berechnet und alle übrigen Preisbestandteile feststehen.
Was die Kürzung konkret bedeutet
Das Vergleichsportal Verivox hat die Auswirkungen durchgerechnet. Der bisherige Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro für 2026 habe die durchschnittlichen Niederspannungsnetzentgelte für Haushalte um rund 1,7 Cent pro Kilowattstunde (netto) gesenkt. Fällt davon eine Milliarde Euro weg, sei ein Anstieg von etwa 0,25 Cent netto pro Kilowattstunde zu erwarten. Das entspreche einem Anstieg der durchschnittlichen Stromnetzgebühren für Haushalte von rund 3 Prozent – und einem Anstieg der gesamten Strompreise für Haushalte von voraussichtlich rund 1 Prozent.
Konkret bedeutet das für verschiedene Haushaltstypen folgende Mehrbelastungen pro Jahr:
- Drei-Personen-Haushalt (4.000 kWh/Jahr): rund 12 Euro mehr
- Paar-Haushalt (2.800 kWh/Jahr): rund 8 Euro mehr
- Single-Haushalt (1.500 kWh/Jahr): rund 5 Euro mehr
Verivox-Energieexperte Thorsten Storck weist jedoch auf regionale Unterschiede hin: „Je nach Wohnort kann die Erhöhung der Netzentgelte deutlich stärker, aber auch gar nicht ins Gewicht fallen. Denn Netzgebiete, in denen selbst viel Strom erzeugt wird, sind weniger abhängig von den Übertragungsnetzentgelten."
Netzentgelte: Ein Dauerthema der Energiewende
Netzentgelte sind Gebühren, die Netzbetreiber für die Nutzung der Strominfrastruktur erheben. Sie fließen in Betrieb, Wartung und vor allem den Ausbau der Netze. In den vergangenen Jahren sind diese Entgelte deutlich gestiegen – hauptsächlich wegen der enormen Kosten für den Netzausbau im Zuge der Energiewende. Tausende Kilometer neue Stromleitungen sind geplant, um den im Norden erzeugten Windstrom in die großen Verbrauchszentren im Süden zu transportieren.
Die Netzentgelte machen derzeit etwa ein Viertel des Strompreises aus. Noch größer ist der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen: Sie schlagen im Durchschnitt mit rund 34 Prozent zu Buche. Der BDEW fordert daher eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent pro Kilowattstunde – aktuell liegt sie bei 2,05 Cent. „So kämen die Erleichterungen unmittelbar und auf gleichem Niveau bei allen Verbrauchern an", heißt es vom Verband.
Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet erklärte, eine längerfristige Zusage der Zuschüsse wäre für Stromkunden „zuträglich". Eine konkrete Prognose zu den Netzentgelten sei derzeit nicht möglich, da deren Höhe von zahlreichen Faktoren abhänge. Die vorläufigen Netzentgelte für 2027 sollen am 1. Oktober veröffentlicht werden.
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Zur AktienanalyseIndustrie schlägt Alarm
Besonders hart trifft die Kürzung die energieintensive Industrie. Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, warnt: „Gerade erst wurde der explosionsartige Anstieg der Netzentgelte wieder rückgängig gemacht und das Niveau des Jahres 2023 wiederhergestellt. Die geplanten Einschnitte würden diese Erleichterung erneut infrage stellen." Allein für die Stahlindustrie drohen laut Verband zusätzliche Netzkosten von rund 50 Millionen Euro pro Jahr – ein Anstieg von rund 20 Prozent.
Der Verband fordert, den Haushaltszuschuss von 6,5 Milliarden Euro nicht nur vollständig zu erhalten, sondern ihn auch für die Folgejahre verlässlich zu verstetigen. Die Bundesregierung hat zur Entlastung energieintensiver Unternehmen bereits einen staatlich subventionierten Industriestrompreis beschlossen. Für Privatanleger bleibt die Entwicklung der Energiekosten ein wichtiger Faktor – sowohl für die eigene Haushaltskasse als auch für die Bewertung von Unternehmen mit hohem Energiebedarf.


