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Strombörse-Chaos führt zu Millionenverlusten

Technischer Fehler verursacht Preissprünge und sorgt für Kritik an Epex Spot

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Strombörse-Chaos führt zu Millionenverlusten

Das Chaos an der Strombörse Ende Juni hat vielen Unternehmen einen Verlust in Millionenhöhe eingebracht. Schätzungen von Marktteilnehmern zufolge könnte sich die Schadenssumme auf fast 350 Millionen Euro belaufen. Eine technische Störung an Europas größter Strombörse Epex führte innerhalb eines Tages zu Preissprüngen von mehr als 400 Prozent. Besonders betroffen war der sogenannte Day-Ahead-Handel, bei dem Strom für den Folgetag gehandelt wird. Dies stellte für viele Industriekunden ein großes Problem dar, da ihre Lieferverträge oft nur teilweise auf vorab eingekauften Strommengen zu festen Preisen basieren. Große Abnehmer wie Chemiekonzerne und Stahlhersteller kaufen einen erheblichen Teil ihres Stroms erst kurzfristig zu aktuellen Preisen ein.

Die Frage, wer für den entstandenen Schaden aufkommt, ist bisher ungeklärt. Einige Unternehmen bereiten bereits Klagen gegen den Handelsplatz mit Sitz in Paris vor. Laut Jana Michaelis, Anwältin bei der auf Energierecht spezialisierten Kanzlei Rosin Büdenbender, tragen Marktteilnehmer zwar die üblichen Risiken der Strombeschaffung auf dem Spotmarkt, technische Probleme, die bei der Börse selbst liegen, zählen jedoch nicht dazu. Die Epex wollte sich zu möglichen Schadenersatzforderungen nicht äußern. Einige Stromhändler fordern ein besseres Krisenmanagement und warnen, dass der Schaden an einem Tag im Winter, wenn weniger Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht, leicht in die Milliarden hätte gehen können.

Grund für den außergewöhnlichen Preissprung war ein technischer Fehler, der die Strommärkte in mehreren europäischen Ländern entkoppelte. Normalerweise wird Strom länderübergreifend gehandelt, doch nun gab es für jedes Land eine gesonderte Auktion. Dies führte dazu, dass die Preise von 90 Euro pro Megawattstunde am Vortag auf zwischenzeitlich 2325 Euro sprangen. Laut Tobias Federico von Energy Brainpool gab es zu keiner Zeit eine physische Verknappung am Strommarkt, und andere Börsen zeigten normale Preise an. Dennoch schalteten zahlreiche Unternehmen, wie das Elektrostahlwerk Feralpi nahe Dresden, ihre Maschinen ab, um den Rekordstrompreisen zu entgehen, was Fixkosten im sechsstelligen Bereich verursachte.

Die Aufregung unter den betroffenen Unternehmen ist groß. Ein Insider berichtete, dass die Preise unter anderen Umständen auch auf 4000 Euro pro Megawattstunde hätten springen können, was viele Unternehmen in die Insolvenz getrieben hätte. Kritik wird insbesondere am Umgang der Epex mit dem Vorfall geübt, da der finanzielle Schaden leicht hätte verhindert werden können, wenn der physische Handel zwischen den Ländern berücksichtigt worden wäre. Während einige Unternehmen Millionenverluste hinnehmen mussten, konnten andere durch die Preissprünge erhebliche Gewinne erzielen, da sie ihren Strom zu extrem hohen Preisen verkauften.

Die Strombörse Epex Spot betont, dass die Ursachen für die Panne behoben wurden und die „problematische Funktionserweiterung“ noch am selben Tag deaktiviert wurde. Man arbeite an Vorschlägen zur Verbesserung der Marktkommunikation und der operativen Prozesse. Eine Taskforce soll gemeinsam mit den Börsenmitgliedern nach besseren Lösungen suchen, die Vorschläge sollen mit Marktteilnehmern und Regulierungsbehörden diskutiert werden. Maximilian Rinck vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft empfiehlt nur moderate Anpassungen, da die grundsätzlichen Regeln des börslichen Stromhandels gut funktionierten. Jedoch sei die wachsende Komplexität des Börsenhandels zu berücksichtigen, um zukünftige Entkopplungsfälle zu vermeiden.

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