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Straße von Hormus: Wirtschaftliche Schäden bleiben trotz Entspannung bestehen

Trotz erster Anzeichen einer Öffnung der Straße von Hormus warnen Analysten: Die wirtschaftlichen Folgen des fast viermonatigen Krieges sind bereits eingepreist.

Straße von Hormus: Wirtschaftliche Schäden bleiben trotz Entspannung bestehen

Die USA und der Iran haben am Donnerstag eine Absichtserklärung zur Öffnung der Straße von Hormus unterzeichnet. Damit endet ein Konflikt, der die globalen Energielieferketten erschüttert, die Inflation in die Höhe getrieben und die Wachstumsaussichten weltweit gedämpft hat. Doch Ökonomen und Analysten warnen: Die wirtschaftlichen Schäden sind nicht so schnell zu beheben.

Simon MacAdam, stellvertretender Chefökonom für globale Wirtschaft bei Capital Economics, schrieb in einer aktuellen Mitteilung, dass die höhere Inflation in vielen Volkswirtschaften bereits weitgehend „eingepreist" sei – selbst wenn sich der Schiffsverkehr durch die Meerenge normalisiere. Es werde Monate dauern, bis die Folgen des fast viermonatigen Krieges überwunden seien.

Ölpreise erholen sich – aber Schäden bleiben

Die Ölpreise fielen am Freitag auf rund 80 Dollar pro Barrel zurück, nachdem sie im März auf dem Höhepunkt des Krieges einen Spitzenwert von 118 Dollar erreicht hatten. Goldman Sachs senkte am Dienstag seine Ölpreisprognose und erwartet nun, dass die Sorte Brent Ende 2026 durchschnittlich 80 Dollar und im Jahr 2027 75 Dollar kosten wird. Als Grund nannte die Bank eine schneller als erwartet verlaufende Erholung der Rohölströme aus dem Persischen Golf.

Dennoch warnen Experten vor anhaltenden Belastungen. Höhere Energiekosten und Unterbrechungen in der vorgelagerten Lieferkette würden länger benötigen, um auf die nachgelagerten Lebensmittel- und Energiesektoren durchzuschlagen. Zudem könnte ein Rückstau von Schiffen, die auf die Durchfahrt durch die Straße von Hormus warten, eine vollständige Erholung der Frachtströme weiter verzögern.

Die Weltbank senkte in der vergangenen Woche ihre Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum auf 2,5 Prozent – das langsamste Tempo seit der Pandemie. Für dieses Jahr erwartet sie einen Anstieg der weltweiten Inflation auf 4 Prozent, nach 3,3 Prozent im Jahr 2025, selbst wenn die Störungen der Ölströme in den kommenden Wochen nachlassen sollten. Besonders alarmierend: Die Düngemittelpreise könnten in diesem Jahr um bis zu 38 Prozent steigen, da Lieferunterbrechungen und Knappheiten bei wichtigen Vorprodukten aus der Golfregion die Agrarmärkte belasten.

Europa und Japan unter besonderem Druck

Für Europa zeichnet sich eine besonders schwierige Lage ab. MacAdam erwartet, dass die Inflation in Europa und Japan um zusätzliche 3 bis 4 Prozentpunkte steigen wird, da die Preise für US-Flüssiggasexporte anziehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Erdgasspeicherstände in Europa historisch niedrig bleiben.

Die Europäische Zentralbank war in der vergangenen Woche die erste große Notenbank, die die Zinsen anhob – ihr erster Straffungsschritt seit fast drei Jahren. Auch die US-Notenbank Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh ließ die kurzfristigen Zinssätze am Mittwoch zwar unverändert, hob jedoch ihre Prognose für die Inflation der persönlichen Konsumausgaben bis Dezember auf 3,6 Prozent an – verglichen mit den im März prognostizierten 2,7 Prozent. Neun der 18 stimmberechtigten Mitglieder erwarten bis Ende dieses Jahres mindestens eine Zinserhöhung.

Zentralbanken in der Zwickmühle

Die Hormus-Krise hat das Kalkül der Zentralbanken grundlegend verändert. Sie müssen nun ein nachlassendes Wachstum gegen eine steigende Inflation abwägen – eine klassische Stagflations-Konstellation. Die Bank of England beließ ihre Leitzinsen zwar unverändert, warnte jedoch ausdrücklich: „Selbst im Falle einer raschen Konfliktlösung könnte es zu logistischen Verzögerungen bei der Wiederherstellung der Energieerzeugung und des Transports kommen."

Alex Holmes, Regionaldirektor bei der Economist Intelligence Unit, betonte, dass Zentralbanken, die eine restriktive Haltung eingenommen haben, ihren Kurs wahrscheinlich nicht so schnell ändern werden, da Kraftstoffpreise und Inflation hoch bleiben dürften. Zusätzlichen Druck auf die Lebensmittelinflation übe ein „Super-El-Niño" aus, der die landwirtschaftliche Produktion in den kommenden Monaten bedrohe.

Die Krise hat die Regierungen weltweit zudem veranlasst, ihre Strategien zur Energiesicherheit grundlegend zu überdenken. Es wird erwartet, dass betroffene Länder ihre Energiereserven aufstocken, Ressourcen für den Ausbau der heimischen Produktion bereitstellen und alternative Versorgungswege suchen – um die Abhängigkeit von einem einzelnen strategischen Nadelöhr wie der Straße von Hormus künftig zu verringern.

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