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Straße von Hormus verändert die Debatte über Energiesicherheit grundlegend

Irans Einfluss auf die Straße von Hormus entlarvt fossile Brennstoffe als primäre Quelle globaler Energieverwundbarkeit.

Straße von Hormus verändert die Debatte über Energiesicherheit grundlegend

Die Sperrung der Straße von Hormus hat die globale Debatte über Energiesicherheit neu definiert. Über diese strategisch wichtige Wasserstraße werden normalerweise rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen abgewickelt. Die anhaltende Blockade infolge des von den USA und Israel geführten Krieges gegen den Iran hat fossile Brennstoffe als primäre Quelle der Verwundbarkeit entlarvt – und nicht, wie lange behauptet, erneuerbare Energien.

Jahrzehntelang galt das gängige Narrativ: Erneuerbare Energien seien wegen ihrer Volatilität und Abhängigkeit von Wetterbedingungen unzuverlässig, während Kohle, Öl und Gas als Garanten für Versorgungssicherheit galten. Der Nahostkonflikt und die Sperrung der Straße von Hormus haben dieses Bild nun nachhaltig erschüttert und die Risiken fragiler Lieferketten für fossile Brennstoffe schonungslos offengelegt.

Energieexperten und Konzernchefs ziehen Konsequenzen

Auf dem Eurelectric Power Summit in Helsinki machten Energieexperten sowie die CEOs der nordischen Energieriesen Fortum und Statkraft diesen Punkt deutlich. Fortum-CEO Markus Rauramo sagte dazu: „Es ist eine andere Art von Unbeständigkeit, aber absolut. Genau das ist unsere Botschaft: Die Lösung für die Abhängigkeit von importierten, CO2-haltigen Brennstoffen besteht darin, tatsächlich im eigenen Land sauberen Strom zu erzeugen." Er ergänzte: „Das ist der Weg nach vorne, aber wir sind sehr realistisch. Wir sind nicht naiv gegenüber der Tatsache, dass es Volatilität gibt, und wenn Ihr Unternehmen oder Ihr Zuhause von Gas abhängig ist, dann ist das eine große Umstellung."

Ein weiterer Experte auf dem Gipfel betonte, der aktuelle Energieschock markiere das erste Mal in der Geschichte, dass politische Entscheidungsträger über eine überlegene alternative Technologie verfügen, auf die sie zur Sicherung der Versorgung zurückgreifen können. Er verglich die heutige Situation mit den Ölkrisen von 1973 und 1979 – damals gab es schlicht keine vergleichbare Alternative zu fossilen Brennstoffen.

Der von den USA und Israel geführte Krieg gegen den Iran hat die globalen Energiemärkte erschüttert und weit verbreitete Inflationsängste ausgelöst. Besonders Asiens Abhängigkeit von Energieimporten steht im Zentrum der globalen Krise. Versorgungsunterbrechungen haben auch Europa und Afrika hart getroffen, wo Länder auf steigende Kraftstoffkosten und eine erhebliche Bedrohung der Ernährungssicherheit reagieren müssen.

Erneuerbare Energien rücken als Sicherheitsgarant in den Fokus

Birgitte Ringstad Vartdal, Vorstandsvorsitzende von Statkraft – Europas größtem Erzeuger erneuerbarer Energien – stimmte zu, dass sich das Narrativ der Energiesicherheit durch die Konflikte in der Ukraine und im Iran gewandelt hat. Sie betonte, dass „Variabilität der Schlüssel" in der Sicherheitsdebatte sei. Norwegen, das als Goldstandard für erneuerbare Wasserkraft gilt, habe das Thema der Volatilität nicht in dem Maße erlebt wie andere europäische Länder.

Batteriespeicher gelten dabei als eine zentrale Möglichkeit, die Volatilität erneuerbarer Energieprojekte abzumildern. Sie nehmen überschüssigen Strom bei hoher Erzeugung auf und geben ihn bei sinkender Produktion wieder ab – ein Mechanismus, der die Versorgungssicherheit deutlich erhöhen kann.

Die sich entwickelnde Debatte findet nur wenige Monate statt, nachdem Vertreter der fossilen Brennstoffindustrie noch einen Paradigmenwechsel im Narrativ der Energiewende begrüßt hatten. Auf dem jährlichen Ölgipfel der Vereinigten Arabischen Emirate Ende letzten Jahres plädierten mehrere Branchenakteure für das Konzept der sogenannten „Energie-Ergänzung" (energy addition). Dieses Konzept beschreibt das Bestreben, neue Technologien wie Solar- und Windenergie parallel zu bestehenden fossilen Brennstoffen zu entwickeln – im Gegensatz zur klassischen Energiewende, die einen vollständigen Übergang von einer Energiequelle zur anderen anstrebt.

Da keine baldige Wiedereröffnung der Straße von Hormus in Sicht ist, hat die Situation viele Entscheidungsträger dazu veranlasst, grundlegend zu überdenken, in welchem Maße die Welt weiterhin stark von Handelswegen für fossile Brennstoffe abhängig ist. Gleichzeitig warnen Beobachter vor überstürzten Umstellungen: Bereits Europas Eile beim Bezug von US-Flüssiggas (LNG) nach Russlands Invasion in der Ukraine 2022 hatte kritische Stimmen auf den Plan gerufen.

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