Straße von Hormus: Schifffahrt trotz US-Zusagen weitgehend blockiert
Nur ein einziger Tanker passierte die strategisch wichtige Meerenge – Reedereien warten auf klare Sicherheitsverfahren.

Die Schifffahrt durch die Straße von Hormus liegt trotz jüngster Ankündigungen des US-Militärs nahezu vollständig still. Daten von MarineTraffic zeigen, dass am Montag lediglich ein sanktionierter LPG-Frachter der Handysize-Klasse sowie einige Frachtschiffe und ein Kabelverleger den Golf von Oman passierten. Tanker oder andere Handelsschiffe, die sich für eine Durchfahrt formierten, waren nicht zu sehen.
Die deutsche Reederei Hapag-Lloyd erklärte, dass eine Passage für ihre Schiffe aufgrund mangelnder Klarheit über die Verfahren zur sicheren Durchfahrt weiterhin unmöglich sei. Das Unternehmen wartet wie die gesamte Branche auf konkrete Anweisungen, bevor es seine Schiffe durch die Meerenge schickt. Die Unsicherheit belastet den internationalen Seehandel erheblich.
US-Militär kündigt Unterstützung an – Branche tappt im Dunkeln
Das US-Zentralkommando (CENTCOM) gab bekannt, dass es am Montag damit beginnen werde, die Wiederherstellung der Freiheit der Schifffahrt durch die Meerenge zu unterstützen – und gleichzeitig die Blockade iranischer Häfen fortzusetzen. CENTCOM bezeichnete die US-Missionen als „defensiv" und erklärte, sie würden diplomatische Bemühungen mit militärischer Koordinierung verbinden. Konkrete operative Details für die Schifffahrtsindustrie blieben jedoch aus.
Der Schifffahrtsverband Baltic and International Maritime Council (BIMCO) bestätigte, dass die Branche bisher keine Anweisungen bezüglich der US-Operation und deren Absichten erhalten habe. Die allgemeine Sicherheitslage sei unverändert geblieben. Jakob Larsen, Leiter der Abteilung für Sicherheit bei BIMCO, brachte die Lage auf den Punkt: „Ohne die Zustimmung des Irans, Handelsschiffe sicher durch die Straße von Hormus passieren zu lassen, ist derzeit unklar, ob die iranische Bedrohung für Schiffe gemindert oder unterdrückt werden kann."
Hunderte Schiffe und 20.000 Seeleute betroffen
Das Ausmaß der Krise ist enorm. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation teilte mit, dass hunderte von Handelsschiffen und bis zu 20.000 Seeleute infolge des Iran-Krieges die Wasserstraße nicht passieren konnten. Die Straße von Hormus gilt als eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten der Welt – täglich passieren dort rund 20 Prozent des global gehandelten Erdöls die Meerenge.
Das von den USA geleitete Joint Maritime Information Center stuft die Bedrohungslage für die maritime Sicherheit in der Meerenge weiterhin als „kritisch" ein. Seeleuten wird geraten, eine alternative Route durch omanische Hoheitsgewässer südlich des Verkehrstrennungsschemas in Betracht zu ziehen. Eine vollwertige Umgehung der Meerenge ist für viele Schiffe jedoch logistisch und wirtschaftlich kaum darstellbar.
Iran beharrt auf Kontrolle – Pakistan meldet Besatzungsevakuierung
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Zur AktienanalyseDer Iran verschärfte unterdessen seine Position: Teheran warnte die US-Marine, sich aus der Straße von Hormus fernzuhalten, und erklärte, dass Handelsschiffe jede Durchfahrt mit dem iranischen Militär koordinieren müssten. Zudem veröffentlichte der Iran eine neue Karte, die sein angebliches Kontrollgebiet in der Meerenge skizziert.
Auf diplomatischer Ebene gab es derweil eine Teilentspannung: Pakistan teilte mit, dass alle 22 Besatzungsmitglieder des unter iranischer Flagge fahrenden Containerschiffs Touska nach Pakistan evakuiert wurden und in ihre Heimat zurückkehren. Das Schiff war im vergangenen Monat von US-Streitkräften geentert und beschlagnahmt worden. Das pakistanische Außenministerium bezeichnete die Rückgabe des Schiffes nach Reparaturen als „vertrauensbildende Maßnahme".
Die am 13. April verhängte US-Seeblockade über iranische Häfen hat zudem die Ölexporte Teherans spürbar reduziert. Für die globalen Energiemärkte und den internationalen Seehandel bleibt die Lage angespannt – eine schnelle Lösung ist derzeit nicht in Sicht.


