Straße von Hormus: Reedereien bleiben trotz Waffenruhe vorsichtig
Hapag-Lloyd, Maersk und TUI Cruises meiden weiterhin die Meerenge – über 2.000 Schiffe sitzen im Persischen Golf fest.

Die vereinbarte Waffenruhe im Iran-Krieg sendet zwar ein wichtiges Signal an die globale Schifffahrt. Doch von einer Rückkehr zum Normalbetrieb in der Straße von Hormus ist die Branche noch weit entfernt. Große Reedereien weltweit agieren weiterhin mit größter Vorsicht und scheuen die Passage durch die strategisch bedeutsame Meerenge.
Besonders deutlich wird die angespannte Lage bei Deutschlands größter Containerreederei Hapag-Lloyd. Sechs Schiffe des Hamburger Konzerns sitzen nach Unternehmensangaben noch immer im Persischen Golf fest. Konzernchef Rolf Habben Jansen erklärte in einem Kunden-Call, man hoffe, die Schiffe und vor allem die Besatzungen so schnell wie möglich aus der Region herauszubekommen. Keines der betroffenen Schiffe habe die Straße von Hormus passiert – einen anderslautenden Bericht auf der Plattform X wies er ausdrücklich zurück.
Habben Jansen bezeichnete die Feuerpause dennoch als „sehr gute Nachricht" und äußerte die Hoffnung, dass die Entspannung nicht auf die vereinbarten zwei Wochen begrenzt bleibt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Schifffahrt weiterhin stark beeinträchtigt sei. Vor allem kostspielige Umleitungen belasteten die Kalkulation – Mehrkosten, die letztlich auch an die Kunden weitergegeben werden müssten.
Maersk und TUI Cruises halten an Wartemodus fest
Auch die dänische Großreederei Maersk nimmt vorerst keine Änderungen an ihrem Betrieb vor. Das Unternehmen räumt zwar ein, dass die Waffenruhe neue Möglichkeiten für den Transit durch die bislang faktisch von Iran blockierte Meerenge eröffne. Für eine vollständige Rückkehr zum Normalbetrieb fehle es jedoch noch an ausreichender Sicherheit. Maersk verfolgt nach eigenen Angaben einen bewusst vorsichtigen Ansatz – Buchungen für viele Häfen in der Golfregion hatte das Unternehmen bereits im vergangenen Monat ausgesetzt.
Auch der Hamburger Kreuzfahrtanbieter TUI Cruises ist betroffen. Zwei Schiffe der Reederei liegen mit einer Rumpfbesatzung im Persischen Golf, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte. Derzeit werde geprüft, wie die Schiffe sicher aus der Region herausgeführt werden können.
Mehr als 20.000 Seeleute sitzen fest
Das Ausmaß der Krise verdeutlichen die Zahlen des Verbands Deutscher Reeder: Seit Ausbruch des Krieges Ende Februar sitzen demnach mehr als 2.000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten im Persischen Golf fest. Darunter befinden sich mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien. Der Verband bezeichnete die zweiwöchige Waffenruhe als wichtiges Signal für die festsitzenden Seeleute, betonte aber zugleich, dass die Lage angespannt bleibe, solange konkrete Details fehlten und Sicherheit nicht gewährleistet sei.
Jede Durchfahrt durch die Straße von Hormus müsse unter den aktuellen Bedingungen sehr sorgfältig abgewogen werden, so der Reederverband weiter. Verlässliche Sicherheitsgarantien seien bislang nicht vorhanden.
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Zur AktienanalyseDeutschland kündigt Beteiligung an Sicherung an
Auf politischer Ebene reagiert auch Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, dass sich Deutschland an der Sicherung der Straße von Hormus beteiligen werde. „Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Hormus-Straße zu gewährleisten", erklärte Merz – ohne jedoch einen konkreten Zeitpunkt oder die Art der Beteiligung zu nennen.
Auch der Generalsekretär der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO, Arsenio Dominguez, begrüßte den Waffenstillstand. Er arbeite mit den zuständigen Parteien daran, einen Mechanismus für eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge einzurichten. Für Anleger, die in Schifffahrtsaktien oder globale Logistikwerte investiert sind, bleibt die Lage damit vorerst unverändert unsicher – eine nachhaltige Entspannung ist noch nicht in Sicht.


