Straße von Hormus: Hunderte Schiffe und 20.000 Seeleute festgesetzt
Trotz brüchigem Waffenstillstand bleibt die Straße von Hormus weitgehend gesperrt – Schifffahrtsbranche fordert internationale Sicherheitsgarantien.

Die Schifffahrtsbranche steht unter wachsendem Druck: Hunderte Schiffe und rund 20.000 Seeleute sitzen seit Wochen im Persischen Golf fest, weil die Straße von Hormus weitgehend geschlossen bleibt. Selbst ein mögliches Abkommen zwischen den USA und dem Iran würde nicht automatisch zur Freigabe der festgesetzten Schiffe führen – das machte Rene Kofod-Olsen, CEO der V. Group, eines der weltweit führenden Schiffsmanagement-Unternehmen, gegenüber Reuters deutlich.
Der seit drei Monaten andauernde Konflikt hat einen brüchigen Waffenstillstand hervorgebracht, der jedoch immer wieder auf die Probe gestellt wird. „Man befindet sich in einer Situation, in der es angeblich einen Waffenstillstand gibt", sagte Kofod-Olsen während der Schifffahrtswoche Posidonia in Athen. „Aber es gibt immer noch kinetische Aktivitäten" – womit er auf anhaltende Drohnen- und Raketenangriffe in der Region verwies.
Die V. Group selbst verwaltet rund 800 Schiffe weltweit und hat derzeit 13 Schiffe im Golf festgesetzt, darunter die Hälfte Tanker. Kofod-Olsen betonte, dass für eine Rückkehr zum Normalbetrieb solide internationale Garantien für eine sichere Durchfahrt notwendig seien. Vor dem Konflikt passierten täglich durchschnittlich 125 Schiffe die strategisch bedeutsame Meerenge. „Ich glaube nicht, dass die weltweite Schifffahrt die Straße von Hormus in nennenswertem Umfang befahren wird, bevor diese Dinge tatsächlich garantiert sind", so der V. Group-Chef.
Branche unter Druck – Versorgung gesichert, aber Belastung steigt
Führungskräfte der Schifffahrtsbranche, die sich zur Posidonia in Athen versammelt hatten, berichteten, dass die Besatzungen im Golf zwar versorgt würden und ein Personalwechsel innerhalb der Region möglich sei. Die Belastung durch den anhaltenden Konflikt nehme jedoch spürbar zu. Alex Gregg-Smith, Präsident für Marine und Offshore beim Schiffssicherheitszertifizierer Bureau Veritas, erklärte gegenüber Reuters: „Schiffseigner müssen unter irregulären Rahmenbedingungen operieren, was für die Branche schwierig oder herausfordernd sein kann, ebenso wie für die Versicherer. Dies setzt den Betrieb der Eigner unter Druck."
Auch das Schiffsregister der Bahamas ist von der Krise betroffen. Dwain Hutchinson, Geschäftsführer des Registers, teilte mit, dass sich 14 Schiffe unter der Flagge der Bahamas mit über 900 Seeleuten an Bord im Golf befänden – darunter auch kleinere Offshore-Schiffe, die normalerweise in diesem Gebiet operieren. Das Flaggenregister schränke die Einfahrt von Schiffen in die Region jedoch nicht ein. „Wir halten dies für eine Entscheidung der Eigner und hoffen, dass sie das Risiko prüfen und eine ausgewogene Entscheidung für den Betrieb in der Region treffen", sagte Hutchinson.
Großreeder: „Hatten Glück, dass keine Schiffe im Golf waren"
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseEvangelos Marinakis, Gründer und Vorsitzender der Capital Maritime & Trading Corp, einem der weltweit größten Tankerbetreiber, schilderte auf dem TradeWinds-Reederforum in Athen, wie knapp sein Unternehmen einer direkten Betroffenheit entgangen sei. Seine Gruppe habe „Glück gehabt", dass sich zu Beginn des Konflikts am 28. Februar keine Schiffe im Golf befanden. „Falls etwas passiert, ein Unglücksfall, könnten wir ein solches Risiko nicht eingehen", betonte Marinakis.
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Durch sie wird ein erheblicher Teil des globalen Öltransports abgewickelt. Eine anhaltende Sperrung der Meerenge hat daher nicht nur Folgen für die Schifffahrtsbranche selbst, sondern auch für die globale Energieversorgung und die Rohstoffmärkte. Die internationale Gemeinschaft steht damit vor der Aufgabe, tragfähige Sicherheitsgarantien zu schaffen – eine Voraussetzung, die laut Branchenvertretern unabdingbar ist, bevor der reguläre Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden kann.


