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Straße von Hormus: Globale Ölreserven drohen auf Rekordtiefs zu fallen

Die IEA warnt: Bleibt die Straße von Hormus geschlossen, könnten weltweite Ölvorräte noch vor dem Sommer kritische Niveaus erreichen.

Straße von Hormus: Globale Ölreserven drohen auf Rekordtiefs zu fallen

Die weltweiten Ölvorräte sinken in einem Rekordtempo. Grund ist der massive Lieferausfall im Nahen Osten infolge der anhaltenden Schließung der Straße von Hormus. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte in ihrem aktuellen Monatsbericht, dass vor dem saisonalen Nachfragehöhepunkt im Sommer mit deutlich höheren Preisen für Öl und Kraftstoffe zu rechnen sei.

Bislang hat der Ölmarkt die vollen Auswirkungen des Lieferausfalls noch nicht gespürt. Exxon-Mobil-CEO Darren Woods erklärte während der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des ersten Quartals, dass kommerzielle Bestände der Industrie, von Regierungen kontrollierte strategische Reserven sowie Tanker auf See die Unterbrechungen im März und April abgefedert hätten. Doch Woods warnte zugleich: Die kommerziellen Vorräte würden schließlich auf ein Niveau sinken, auf dem sie nicht mehr als Versorgungsquelle dienen könnten.

Lagerbestände fallen rasant – Analysten schlagen Alarm

Die Schweizer Großbank UBS bezifferte die globalen Ölvorräte Ende Februar auf etwas mehr als 8 Milliarden Barrel – nahe einem Zehnjahreshoch. Bis Ende April seien die Bestände bereits auf 7,8 Milliarden Barrel gefallen, so UBS-Analysten in einem Bericht vom Dienstag. Sollte die Nachfrage im Monatsvergleich konstant bleiben, könnten die Vorräte bis Ende Mai auf ein Rekordtief von 7,6 Milliarden Barrel sinken.

Analysten von JPMorgan warnten in einer Notiz vom 30. April, dass ein solches Niveau die gesamte Lieferkette erheblich belasten würde. Zwar klingen Milliarden von Barrel nach einer enormen Menge, doch tatsächlich seien nur rund 800 Millionen Barrel frei verfügbar, ohne das System zu überlasten. Der Rest werde benötigt, um Pipelines und Tanks auf einem Mindestniveau zu halten, damit die Versorgungsinfrastruktur effizient funktioniere.

Sollte die Straße von Hormus bis September geschlossen bleiben, prognostiziert JPMorgan einen weiteren Rückgang der Ölvorräte auf ein kritisch niedriges Niveau von 6,8 Milliarden Barrel. Das Energieberatungsunternehmen Rapidan Energy geht sogar davon aus, dass die Produktvorräte bereits früher – im Juli oder August – kritische Werte erreichen könnten.

Schwere wirtschaftliche Kontraktion als Worst-Case-Szenario

Die Analysten von Rapidan Energy zeichnen in einer Notiz vom 7. Mai ein düsteres Bild für den Extremfall: Die Weltwirtschaft würde „zum Erliegen kommen, da die kritische Transportinfrastruktur nicht mehr in der Lage wäre, Kraftstoff zu irgendeinem Preis zu beziehen". Allerdings halten die Experten dieses Szenario für sehr unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher sei stattdessen, dass die Öl- und Produktpreise stark ansteigen würden, um die Nachfrage zu drosseln. Dies hätte laut Rapidan Energy eine „schwere wirtschaftliche Kontraktion" zur Folge. Für Verbraucher und Unternehmen in Deutschland und Europa würde ein solcher Preisschock erhebliche Auswirkungen auf Kraftstoff-, Energie- und Transportkosten bedeuten.

Die Straße von Hormus gilt als eine der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Durch sie fließt ein erheblicher Teil des global gehandelten Erdöls, insbesondere aus den Golfstaaten wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und dem Irak. Eine anhaltende Blockade dieser Route trifft damit die globale Energieversorgung an einem ihrer empfindlichsten Punkte.

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