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Straße von Hormus gesperrt: Österreichisches Holz nimmt Umweg nach Katar

Die faktische Schließung der Straße von Hormus treibt Lieferzeiten und Kosten für Baumaterialien in der Golfregion dramatisch in die Höhe.

Straße von Hormus gesperrt: Österreichisches Holz nimmt Umweg nach Katar

Was früher eine Routinelieferung war, ist heute ein logistischer Albtraum: Österreichisches Fichtenholz, das für Baustellen in Katar bestimmt ist, muss seit der faktischen Schließung der Straße von Hormus weite Umwege nehmen. Der Iran-Krieg hat den Handel in der Golfregion in einem beispiellosen Ausmaß unterbrochen – und ein einfacher Holzbalken macht das deutlich sichtbar.

Früher verlief die Lieferkette klar und effizient. Das sogenannte „2x4"-Holz – im Baugewerbe ein Standardmaß mit den Abmessungen zwei mal vier Zoll (5 cm x 10 cm) – wurde aus Österreich bezogen, zum Hafen Jebel Ali in Dubai verschifft, auf ein Feederschiff umgeladen und in rund 45 Tagen zum Hafen Hamad in Katar geliefert. Seit dem 28. Februar, als US-israelische Luftangriffe auf den Iran begannen, ist dieser Weg nicht mehr möglich.

Tausende Dollar Mehrkosten pro Container

Ein Baustoffhändler in Katar, der gegenüber Reuters anonym bleiben wollte, schildert die konkreten Auswirkungen: Er hatte 17 Container mit Weißholz auf dem Weg, als der Konflikt eskalierte. Jeder Container enthält rund 2.850 Balken aus österreichischer Fichte im Wert von etwa 15.000 Euro (rund 17.700 US-Dollar).

Die Fracht verließ den kroatischen Hafen Rijeka planmäßig, wurde jedoch nicht nach Jebel Ali, sondern nach Chor Fakkan an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate umgeleitet – um die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu vermeiden. Von dort wurde das Holz per Lkw nach Abu Dhabi transportiert und auf Feederschiffe mit Ziel Doha umgeladen. Dieser Umweg verursacht einen Aufschlag von rund 3.600 US-Dollar pro Container, manche Reedereien verlangen sogar bis zu 5.000 US-Dollar – mehr als das Dreifache der normalen Verschiffungskosten für einen 40-Fuß-Container von Europa nach Katar.

Die Folgen für den Endpreis sind spürbar. Vor dem Konflikt verkaufte der Händler ein Standard-2x4-Stück für 23 bis 25 Katar-Riyal (umgerechnet 6,30 bis 6,90 US-Dollar). Durch die Umleitungen und längeren Transportzeiten ist der Verkaufspreis auf 35 bis 37 Katar-Riyal (9,60 bis 10,20 US-Dollar) pro Stück gestiegen. Selbst nach der Umleitung ist die Fracht noch nicht in Katar eingetroffen – die Lieferung wird voraussichtlich noch ein bis zwei Monate dauern.

Von Medikamenten bis Zwiebeln: Ganze Lieferketten betroffen

Das Holz ist dabei nur ein Beispiel für das weitreichende Chaos. Das Logistikunternehmen Geodis hatte geplant, Medikamente in etwa vier Tagen von Großbritannien nach Dubai zu fliegen. Nun wird erwartet, dass die Reise über Land und See rund 40 Tage dauern wird. Ravi Punjabi, Geschäftsführer des VAE-Logistikunternehmens Avalon General Land Transport, berichtet, dass ein Container mit Zwiebeln von der Westküste Indiens nach Dubai, der normalerweise eine Woche unterwegs ist, nun drei Wochen benötigt – bei doppelten Kosten.

Besonders hart trifft es Länder wie Katar, Bahrain und Kuwait, die vollständig auf den Golf und die Straße von Hormus angewiesen sind. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind vergleichsweise besser aufgestellt, da sie mit den Häfen Fudschaira und Chor Fakkan über Zugänge zum Arabischen Meer außerhalb des Golfs verfügen.

Golfstaaten koordinieren Gegenmaßnahmen

Die Regierungen der Region versuchen, die Engpässe gemeinsam zu mildern. Der saudi-arabische Verkehrsminister Saleh bin Nasser Al-Jasser kündigte bei einem Treffen mit Amtskollegen Maßnahmen an: Leere Kühl-Lkw aus anderen Golfstaaten dürfen in das Königreich einreisen, und gemeinsame Lager- sowie Umverteilungszonen werden im King Abdulaziz Port in Dammam eingerichtet. Dubai hat zudem einen sogenannten grünen Korridor mit dem Oman aktiviert, der eine beschleunigte Zollabfertigung für umgeleitete Waren ermöglicht.

Für den Katarer Holzhändler könnten die Kosten künftig noch weiter steigen. Eine derzeit geprüfte Option – die Verschiffung über den saudi-arabischen Hafen Dschidda am Roten Meer – würde zusätzliche Frachtgebühren und einen 1.500 Kilometer langen Lkw-Transport quer über die Arabische Halbinsel nach Katar bedeuten. Die einfache Holzlieferung ist damit zum Symbol für die tiefgreifenden wirtschaftlichen Verwerfungen geworden, die der Iran-Krieg in der gesamten Golfregion ausgelöst hat.

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