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Straße von Hormus: Entspannung bringt Ölpreise unter Druck

Ein vorläufiges US-Iran-Abkommen sorgt für Erleichterung an den Energiemärkten – doch Lieferketten und Versorgungslage bleiben angespannt.

Straße von Hormus: Entspannung bringt Ölpreise unter Druck

Mitte Juni 2026 bleibt die globale Energielandschaft stark von der geopolitischen Volatilität rund um die Straße von Hormus geprägt. Nach fast vier Monaten Konflikt, der die weltweiten Ölströme massiv einschränkte und die Rohstoffpreise in die Höhe trieb, hat ein vorläufiges Memorandum of Understanding zwischen den USA und dem Iran eine fragile Erleichterung an den internationalen Märkten ausgelöst. Der diplomatische Durchbruch hat zwar zu einem moderaten Rückgang der Energiekosten geführt – die strukturellen Schäden an den globalen Lieferketten und im Industriesektor sind jedoch nach wie vor erheblich.

US-Präsident Donald Trump hatte die Ankündigung eines vorläufigen Abkommens zur Beendigung der Feindseligkeiten gemacht, was zu einer spürbaren Verschiebung der Marktstimmung führte. Die Rohölpreise fielen am Montag um mehr als 4 US-Dollar je Barrel. Die US-amerikanischen Benzinpreise an der Zapfsäule sanken erstmals seit Mitte April wieder unter die Marke von 4 US-Dollar pro Gallone und lagen laut GasBuddy-Daten bei rund 3,997 US-Dollar. Für die Trump-Regierung ist dieser Rückgang politisch bedeutsam, da sie im Vorfeld der Zwischenwahlen im November erheblichem Druck wegen der Energieinflation ausgesetzt war.

Experten warnen vor Fragilität des Abkommens

Trotz der positiven Signale mahnen Fachleute zur Vorsicht. Bjarne Schieldrop, Chefanalyst für Rohstoffe bei der skandinavischen Bank SEB, bezeichnete die aktuelle Lage als „fragil" und warnte, dass das Abkommen leicht scheitern könnte, wenn bestimmte ungeklärte Details sich als unüberwindbar erweisen. Hinzu kommt, dass die physische Wiedereröffnung der Straße von Hormus – die rund 20 Prozent der weltweiten Ölströme abwickelt – eine komplexe logistische Herausforderung darstellt. Experten wie Tom Kloza von Gulf Oil weisen darauf hin, dass das Räumen von Seeminen und die Wiederherstellung von Seeversicherungen Wochen in Anspruch nehmen werden. Die aktuelle Preisentlastung könnte daher kurzlebig sein, wenn der Schiffsverkehr nicht dauerhaft wieder aufgenommen wird.

Die wirtschaftlichen Daten aus dem Mai verdeutlichen das Ausmaß der Störungen. Statistics Canada meldete, dass die Industrieerzeugerpreise im Mai um 1,2 Prozent gestiegen sind – und damit die Schätzungen von 1,0 Prozent übertrafen. Der Industrial Product Price Index verzeichnete damit 20 aufeinanderfolgende Monate mit jährlichen Zuwächsen, mit einem Anstieg von 13,6 Prozent im Jahresvergleich für Mai. Energie- und Erdölprodukte stiegen dabei um 2,5 Prozent – bereits im fünften Monat in Folge. Besonders drastisch: Die Preise für Motorenbenzin lagen im Jahresvergleich um 47,9 Prozent höher.

Auch Chemikalien und verwandte Produkte waren extremen Schwankungen ausgesetzt. Kunststoffharze verteuerten sich um 33,1 Prozent und trieben den breiteren Chemikalienindex um 7,0 Prozent nach oben. Im Jahresvergleich sind die Zahlen für Rohenergie besonders alarmierend: Konventionelles Rohöl verteuerte sich um 58,7 Prozent, Diesel sogar um 61,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Engpässe treffen Kleinbetriebe besonders hart

Jenseits der Schlagzeilen über Rohstoffpreise hat der Konflikt einen anhaltenden Mangel an erdölbasierten Produkten verursacht, der vor allem kleine Unternehmen hart trifft. Autowerkstätten in Tokio und Detroit berichten von monatelangen Engpässen bei Motoröl, Verdünnungsmitteln und Dieselabgasflüssigkeit (AdBlue). Hiroyuki Nakamura, Direktor bei Shin Etsu Denso in Tokio, erklärte, er erlebe seinen ersten Motorölmangel in 35 Jahren Berufstätigkeit. Eine Werkstatt im Großraum Tokio kämpft zudem darum, „Perlweiß"-Lackfarbe zu beschaffen – ein beliebter Automobillack, der spezifische erdölbasierte Glanzkomponenten erfordert. Der Engpass ist so gravierend, dass einige Betriebe erwägen, Lackierarbeiten ganz zu überspringen, um Fahrzeuge zumindest funktionsfähig zu halten.

Auch Großkonzerne spüren den Druck. Nissan Motor hat Ölrationierungsmaßnahmen für US-Händler eingeführt. Der Verband der unabhängigen Schmierstoffhersteller (Independent Lubricant Manufacturers Association) warnt, dass sich die Schmierölpreise voraussichtlich nicht vor Mitte 2027 entspannen werden. Ein Angriff auf eine Shell-Gas-to-Liquids-Anlage in Katar im März verschärfte zusätzlich die Knappheit bei Gruppe-III-Basisölen, die für hochwertige synthetische Motoröle unverzichtbar sind.

Lagerbestände auf Dekadentief

Die Versorgungslage in den USA bleibt angespannt. Die US-Benzinvorräte erreichten in der ersten Juniwoche mit 215,1 Millionen Barrel den niedrigsten saisonalen Stand seit einem Jahrzehnt. Selbst wenn eine diplomatische Lösung gelingt, drohen eine robuste Inlandsnachfrage und starke Kraftstoffexporte die Lagerbestände weiter unter Druck zu setzen. Patrick De Haan von GasBuddy betonte, der „eigentliche Test" sei die physische Wiederaufnahme normaler Ölströme durch die Straße von Hormus. Bis dahin bleibt der Markt anfällig für weitere Volatilität – und Verbraucher wie Industriebetriebe befinden sich in einem Zustand vorsichtiger Unsicherheit.

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