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Straße von Hormus bleibt geschlossen: Energiekrise verschärft sich in Asien

Die Hoffnung auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus schwindet – mit gravierenden Folgen für die globale Energieversorgung.

Straße von Hormus bleibt geschlossen: Energiekrise verschärft sich in Asien

Die Straße von Hormus bleibt trotz gegenteiliger Behauptungen von US-Präsident Donald Trump geschlossen. Der Rohölmarkt schwankt zwischen kurzlebigem Optimismus und harter Realität – mit dramatischen Preisausschlägen und einer sich zuspitzenden Versorgungskrise, vor allem in Asien.

Am 17. April postete Trump in den sozialen Medien, die Wasserstraße sei „vollständig geöffnet und bereit für die volle Durchfahrt". Die Reaktion der Märkte war unmittelbar: Brent-Rohöl-Futures fielen an diesem Tag um 9,1 Prozent auf 90,38 US-Dollar pro Barrel. Doch bereits im frühen asiatischen Handel am darauffolgenden Montag sprangen die Preise um 6,9 Prozent auf 96,59 US-Dollar zurück – als klar wurde, dass die Meerenge weiterhin geschlossen war.

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) halten die Meerenge trotz Trumps Aussagen geschlossen. Hintergrund ist die Entscheidung der US-Regierung, eine Seeblockade der iranischen Häfen aufrechtzuerhalten. Teile der iranischen Regierung hatten Trumps Behauptung zunächst gestützt, doch der Optimismus erwies sich als kurzlebig.

Papiermarkt vs. physische Realität

Während Rohöl-Futures weitgehend auf Basis des täglichen Nachrichtenflusses und eines grundlegenden Optimismus gehandelt werden, zeichnet der Markt für physisches Öl und raffinierte Produkte ein weit düstereres Bild. Besonders deutlich zeigt sich dies an den Preisen am Handelsknotenpunkt Singapur.

Kerosin schloss am 17. April bei 204,13 US-Dollar pro Barrel – mehr als das Doppelte des Schlussstandes von 93,45 US-Dollar am 27. Februar, dem Tag vor Kriegsbeginn. Gasöl, der Grundstoff für Diesel, notierte am 17. April bei 145,27 US-Dollar pro Barrel, was einem Anstieg von 59 Prozent seit Konfliktbeginn entspricht, wenngleich es unter dem Rekordwert von 199,89 US-Dollar vom 30. März liegt.

Vor dem Konflikt transportierte die Straße von Hormus bis zu 20 Prozent des weltweiten Angebots an Rohöl und raffinierten Produkten. Rund 80 Prozent dieser Lieferungen waren für Asien bestimmt – eine Region, die nun mit massiven Versorgungsengpässen konfrontiert ist.

Asiens Rohölimporte brechen dramatisch ein

Die Zahlen des Rohstoffanalyseunternehmens Kpler verdeutlichen das Ausmaß der Krise. Asiens Rohölimporte auf dem Seeweg werden für April auf 20,62 Millionen Barrel pro Tag (bpd) geschätzt – ein Rückgang gegenüber 22,36 Millionen bpd im März. Zum Vergleich: In den drei Monaten vor den Angriffen auf den Iran lag der Durchschnitt noch bei 26,76 Millionen bpd.

Besonders stark betroffen sind wichtige Raffineriestandorte in der Region:

Singapur

: Rohölimporte für April prognostiziert auf 388.000 bpd, nach 715.000 bpd im März und 980.000 bpd im Januar

Südkorea

: Schätzung für April bei 1,68 Millionen bpd, nach 2,24 Millionen bpd im März und 2,74 Millionen bpd im Januar

Japan

: Erwartete Importe für April bei 921.000 bpd, nach 1,63 Millionen bpd im März und 2,16 Millionen bpd im Januar

Einzig Indien stemmt sich gegen den Trend. Die April-Importe werden auf 4,67 Millionen bpd geschätzt, ein Anstieg gegenüber 4,45 Millionen bpd im März. Indien konnte sich russisches Öl sichern, um den Verlust von Mengen aus dem Nahen Osten auszugleichen – im April trafen 1,64 Millionen bpd russisches Öl ein, nach 1,06 Millionen bpd im Februar.

Schlimmster Teil der Krise steht noch bevor

Analysten warnen, dass der Versorgungsengpass seinen Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Da die Rohöllieferungen nach Asien stark zurückgehen, dürften Raffinerien in den kommenden Wochen ihre Kapazitäten drosseln müssen. Erst wenn das Angebot an raffinierten Produkten stärker eingeschränkt wird, werden die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts vollständig spürbar.

Für den Papierölmarkt stellt sich damit eine entscheidende Frage: Wie lange kann er die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende aufrechterhalten, wenn die Realität vor Ort in die entgegengesetzte Richtung zu steuern scheint? Offene Fragen bleiben auch, wer im Iran tatsächlich die Kontrolle hat und ob die beteiligten Akteure überhaupt bereit sind, mit einer US-Regierung zu verhandeln, die in der Vergangenheit bereits Abkommen aufgekündigt hat.

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