Steve Cohen verkauft Amazon und Nvidia – kauft abgestrafte Medizinaktie
Hedgefonds-Milliardär Steve Cohen nimmt Gewinne bei KI-Aktien mit und setzt stattdessen auf den gefallenen Medizintechnikkonzern Boston Scientific.

Steve Cohen, Chef des Hedgefonds Point72 Asset Management, hat laut dem jüngsten 13F-Bericht seines Fonds bedeutende Umschichtungen vorgenommen. Er reduzierte seine Positionen bei den KI-Schwergewichten Amazon und Nvidia deutlich – und baute gleichzeitig seine Beteiligung am angeschlagenen Medizintechnikhersteller Boston Scientific massiv aus. Für Anleger, die die Bewegungen großer institutioneller Investoren verfolgen, liefert dieser Schritt interessante Denkanstöße.
Zwischen dem vierten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026 verkaufte Cohen 6% seiner Amazon-Anteile und reduzierte seine Nvidia-Position um beachtliche 24%. Beide Aktien liegen im bisherigen Jahresverlauf 2026 nur rund 5% im Plus – und bleiben damit deutlich hinter dem S&P 500 zurück, der im gleichen Zeitraum rund 10% zulegte.
Der KI-Handel verschiebt sich
Dabei ist der langfristige Erfolg beider Unternehmen unbestreitbar. Amazon legte in den vergangenen zehn Jahren um über 560% zu, der S&P 500 im gleichen Zeitraum um 260%. Nvidia übertraf sogar diese Marke mit einem Anstieg von mehr als 16.000%. Gewinnmitnahmen nach einer derart langen Stärkeperiode sind für erfahrene Investoren keine Überraschung.
Bemerkenswert ist jedoch der Hintergrund: Der KI-Handel, der Amazon und Nvidia jahrelang angetrieben hat, scheint sich zu verschieben. Statt der bisherigen Marktführer könnten nun Infrastrukturunternehmen in den Fokus rücken – also jene Firmen, die das technische Fundament für den weiteren KI-Ausbau liefern. Als Beispiel wird Bloom Energy genannt, ein Hersteller von Wasserstoff-Brennstoffzellen.
Cohen setzt auf Boston Scientific als Value-Wette
Während Cohen bei den KI-Titeln Kasse machte, erhöhte er seine Position bei Boston Scientific seit Jahresbeginn um 50%. Trotz dieser Aufstockung blieb der Dollarwert der Position nahezu unverändert – ein klares Zeichen dafür, wie stark die Aktie gefallen ist. Im bisherigen Jahresverlauf 2026 verlor Boston Scientific mehr als 50% an Wert.
Boston Scientific stellt medizinische Geräte her, die als unverzichtbar gelten: 66% des Umsatzes entfallen auf Kardiologieprodukte, 34% auf medizinisch-chirurgische Produkte. Diese stabile Nachfragestruktur macht das Unternehmen weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen und Marktzyklen – ein klassisches Merkmal defensiver Qualitätsunternehmen.
Der Grund für den Kurseinbruch liegt in einer enttäuschenden Prognose. Zwar meldete Boston Scientific für das erste Quartal 2026 ein solides organisches Umsatzwachstum von 9,4%. Für das zweite Quartal erwartet das Unternehmen jedoch nur noch ein organisches Wachstum von bis zu 5%. Noch schwerer wiegt die Senkung der Jahresprognose für den bereinigten Gewinn: Die neue Spanne von 3,34 bis 3,41 US-Dollar je Aktie liegt vollständig unterhalb der alten Spanne von 3,43 bis 3,49 US-Dollar – das neue obere Ende unterschreitet das alte untere Ende.
Bewertung deutlich unter historischem Durchschnitt
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Zur AktienanalyseFür Value-Investoren sind die aktuellen Bewertungskennzahlen von Boston Scientific bemerkenswert. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 3,2x – weit unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 6x. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt derzeit 19x, verglichen mit einem längerfristigen Durchschnitt von 64x. Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass der Markt das Unternehmen aktuell deutlich niedriger bewertet als in der Vergangenheit üblich.
Cohen setzt offenbar darauf, dass Boston Scientific seine aktuelle Schwächephase überwindet. Das Unternehmen verfügt über eine lange Erfolgsgeschichte, eine gefestigte Marktposition und starke Kundenbeziehungen. Mit einer Marktkapitalisierung von über 60 Milliarden US-Dollar handelt es sich um einen der führenden Akteure im globalen Medizintechniksektor – eine Branche, die strukturell von der alternden Weltbevölkerung profitiert.
Für Privatanleger gilt jedoch: Eine solche Value-Wette erfordert Geduld. Ein Konzern dieser Größe dreht seinen Kurs nicht über Nacht. Wer Cohens Strategie nachvollziehen möchte, sollte Boston Scientific als langfristiges Investment betrachten und die weitere Geschäftsentwicklung genau beobachten.


